IfW: Dürfen uns vom deutschen BIP-Wachstum nicht täuschen lassen
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt vor zu viel Optimismus wegen des deutlichen Wachstums der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal.
"Von der kräftigen Zuwachsrate des Bruttoinlandsproduktes darf man sich nicht täuschen lassen. Sie sagt mehr über die Tiefe des vorangegangenen Einbruchs aus, als über die konjunkturelle Stärke der deutschen Wirtschaft", erklärte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.
Das deutsche BIP ist im dritten Quartal preis- und saisonbereinigt um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, berichtete zuvor das Statistische Bundesamt (Destatis).
IfW betonte, dass die deutsche Wirtschaftsleistung auch nach diesem Zwischenspurt immer noch gut 4 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liege.
"Die gesamtwirtschaftliche Unterauslastung ist somit weiterhin sehr hoch, wobei die Streuung über die Branchen beträchtlich ist", so Kooths. Im Wesentlichen spiegle sich in den Daten zum dritten Quartal das Wiederanlaufen zuvor stillgelegter Produktion wider, das vor allem im Mai und Juni zu einem kräftigen Rückpralleffekt führte. In den nachfolgenden Monaten habe die Erholung aber bereits deutlich an Fahrt verloren, gab IfW zu bedenken. Die Industrieproduktion stagnierte im August sogar.
Der für November geplante Teil-Lockdown, bei dem Gaststätten und Kneipen sowie Freizeitstätten geschlossen werden, dürfte die deutsche Wirtschaft zudem merklich belasten. Allerdings weniger als im Frühjahr, da nun vor allem der konsumnahe Wirtschaftsbereich von den Restriktionen betroffen sei. Insgesamt erwartet das IfW für das Gesamtjahr einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um mehr als 5 Prozent an.
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October 30, 2020 06:11 ET (10:11 GMT)