Moderna-Aktie mit Gewinnmitnahmen: BofA hebt Kursziel massiv an
Ein positives Studienergebnis zu einer individualisierten Krebstherapie lässt Analystenhäuser reihenweise ihre Kursziele für die Moderna-Aktie nach oben korrigieren.
Werte in diesem Artikel
- Positive Phase-3-Daten zur Krebsimpfung sorgen für Kurssprung bei Moderna
- Bank of America und weitere Häuser schrauben ihre Kursziele deutlich hoch
- Auch BioNTech-Aktie und Merck & Co profitieren
Moderna hat gemeinsam mit Merck positive Topline-Ergebnisse einer Phase-3-Studie zur individualisierten Krebsimpfung Intismeran Autogene in Kombination mit Keytruda gemeldet. Die Nachricht löste am Mittwoch einen der stärksten Kurssprünge der Unternehmensgeschichte aus: An der NASDAQ schloss die Moderna-Aktie beeindruckende 176,97 Prozent im Plus bei 174,38 US-Dollar. Dies zwang mehrere Analystenhäuser zu deutlichen Kurszielanhebungen. Auch die Merck-Aktie legte um kräftige 12,6 Prozent auf 152,20 US-Dollar zu, während BioNTech-Aktien um deutliche 21,96 Prozent auf 113,12 US-Dollar stiegen.
Im US-Handel am Donnerstag kam es dann jedoch zu Gewinnmitnahmen: Die Moderna-Aktie gab letztlich um 23,55 Prozent auf 133,32 US-Dollar nach, Merck verlor 1,98 Prozent auf 149,18 US-Dollar und BioNTech fiel um 1,97 Prozent auf 110,89 US-Dollar.
Moderna-Aktie: Studienerfolg als Wendepunkt
Die Studie INTerpath-001 untersuchte die Kombination aus dem individualisierten mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran Autogene und der Immuntherapie Keytruda von Merck bei Patienten mit vollständig reseziertem Melanom im Stadium IIB bis IV. Laut Moderna-Mitteilung wurden dabei sowohl der primäre Endpunkt, das rezidivfreie Überleben, als auch ein wichtiger sekundärer Endpunkt, das fernmetastasenfreie Überleben, erreicht. In die Studie waren 1.137 Hochrisiko-Patienten eingeschlossen worden, die im Verhältnis 2:1 randomisiert entweder bis zu neun Dosen Intismeran plus Keytruda oder Keytruda allein über rund ein Jahr erhielten. Moderna zufolge handelt es sich um die erste positive Phase-3-Studie überhaupt für eine individualisierte Neoantigen-Therapie und zugleich für eine mRNA-basierte Krebstherapie. Neue Sicherheitssignale traten laut den Unternehmen nicht auf, die Sicherheitsprofile beider Wirkstoffe blieben demnach konsistent mit früheren Studien der Kombination. Merck und Moderna kündigten an, die Daten auf einer internationalen Fachtagung vorzustellen und den Austausch mit Zulassungsbehörden zu suchen.
Die Ergebnisse bauen auf einer Phase-2b-Zwischenauswertung der Studie KEYNOTE-942 vom Januar 2026 auf, laut der die Kombination das Rückfall- oder Sterberisiko nach fünf Jahren um 49 Prozent gesenkt hatte.
Bank of America und weitere Häuser reagieren
Bank of America Securities-Analyst Alec Stranahan hob sein Rating für die Moderna-Aktie noch am selben Tag von Underperform auf Hold an und setzte das Kursziel auf 170 US-Dollar herauf. Morgan Stanley-Analyst Terence Flynn beließ seine Einstufung bei Hold, erhöhte das Kursziel jedoch von 39 auf 89 US-Dollar. RBC Capital-Analyst Luca Issi bestätigte ebenfalls Hold und hob sein Kursziel von 45 auf 130 US-Dollar an. William Blair-Analyst Myles Minter stufte die Aktie von Market Perform auf Buy hoch. Der Analystenkonsens aus 15 Häusern lag am heutigen Donnerstag laut TipRanks-Daten bei einer neutralen Einschätzung mit 2 Buy-, 12 Hold- und einer Sell-Einstufung sowie einem mittleren Kursziel von 74,54 US-Dollar bei einer Spanne von 40 bis 170 US-Dollar.
Analystin Lale Akoner von eToro ordnete den Kurssprung als Hoffnungssignal für die kommerzielle Zukunft der mRNA-Technologie jenseits von Infektionskrankheiten ein. Mediziner Dr. Ryan Sullivan vom Mass General Brigham Cancer Institute bezeichnete das Studienergebnis als großen Wurf für das gesamte Feld der mRNA-Krebstherapien. Das INTerpath-Entwicklungsprogramm von Merck und Moderna umfasst nach Unternehmensangabe insgesamt neun Phase-2- und Phase-3-Studien über mehrere Tumorarten hinweg, darunter neben Melanom auch nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Blasen- und Nierenzellkarzinom.
BioNTech zieht mit, ohne eigenen Auslöser
Auch die BioNTech-Aktie profitierte am Mittwoch vom Kurssprung bei Moderna, obwohl der Auslöser nicht aus Mainz stammte. BioNTech verfolgt mit eigenen 14 laufenden Phase-3-Studien in der Onkologie eine ähnliche Strategie wie Moderna und hatte zuvor eine Onkologie-Partnerschaft mit Bristol-Myers Squibb im Volumen von 11,1 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Das Unternehmen verfügt über eine Kassenposition von 16,6 Milliarden Euro sowie ein laufendes Aktienrückkaufprogramm von bis zu einer Milliarde US-Dollar bis Mai 2027.
Merck und Moderna wollen die Studiendaten auf einer internationalen Fachtagung präsentieren und den Austausch mit Zulassungsbehörden suchen, was weitere Details zum Zulassungsweg von Intismeran Autogene liefern dürfte. Als nächster Termin für Moderna gilt laut Kalender vorläufig der 29. Oktober 2026.
Bettina Schneider, Martina Köhler, Julia Walter, Evelyn Schmal, Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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