BioNTech-Aktie vor dem nächsten Schub? Neue Krebsdaten machen Hoffnung
Positive Krebsdaten treiben die BioNTech-Aktie an. Die entscheidende Bewährungsprobe steht jedoch noch bevor.
Werte in diesem Artikel
- Neue Studiendaten zeigen deutlich längeres Überleben unter Gotistobart
- BioNTechs Onkologie-Pipeline liefert weiteres positives Signal
- COVID-19-Geschäft bleibt wichtiger Belastungsfaktor
Die BioNTech-Aktie zeigt sich am Montag deutlich fester, nachdem der Impfstoffhersteller gemeinsam mit dem Partner OncoC4 aktualisierte Studiendaten zum Krebsmedikament Gotistobart vorgelegt hat. Der Wirkstoffkandidat verlängerte das mediane Gesamtüberleben von Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs deutlich gegenüber der Standardchemotherapie. Die Ergebnisse aus der Phase-3-Studie PRESERVE-003 stützen die Strategie des Unternehmens, sich vom Corona-Impfstoffhersteller zum Onkologie-Spezialisten zu wandeln.
BioNTech-Aktie springt nach neuen Krebsdaten an
Im XETRA-Handel stieg das Papier letztlich um 3,37 Prozent auf 86,00 Euro, an der NASDAQ notierte die Aktie schließlich 2,2 Prozent höher bei 98,86 US-Dollar. Auslöser ist eine gemeinsam mit dem Partner OncoC4 veröffentlichte Pressemitteilung zu aktualisierten Überlebensdaten des Krebsmedikaments Gotistobart, die BioNTech auf der World Conference on Lung Cancer in Seoul präsentierte.
Deutlich längeres Überleben mit Gotistobart
Die Daten stammen aus dem nicht zulassungsrelevanten ersten Teil der globalen Phase-3-Studie PRESERVE-003, in der Gotistobart bei Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Plattenepithelkarzinom der Lunge getestet wird. Bis zum Stichtag 17. Juli 2026 waren bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 25,4 Monaten 87 Patientinnen und Patienten randomisiert worden. Davon erhielten 45 Teilnehmende Gotistobart als Monotherapie, 42 die Chemotherapie Docetaxel. Das mediane Gesamtüberleben lag unter Gotistobart bei 18,5 Monaten gegenüber 10,0 Monaten unter Docetaxel. Die Hazard Ratio betrug 0,56 bei einem nominellen p-Wert von 0,0295.
Schwere Nebenwirkungen ab Grad 3 traten bei 44,4 Prozent der Gotistobart-Patienten auf, unter Docetaxel waren es 48,8 Prozent. BioNTech bewertete das Sicherheitsprofil als beherrschbar und im Einklang mit früheren Daten. Der Wirkstoff trägt seit 2022 den Fast-Track-Status der US-Arzneimittelbehörde FDA, seit 2025 zusätzlich den Orphan-Drug-Status der FDA sowie die Breakthrough-Therapy-Designation der chinesischen Zulassungsbehörde NMPA.
Onkologie-Pipeline bleibt zentral für BioNTech
Der zulassungsrelevante zweite Teil von PRESERVE-003 mit Gesamtüberleben als primärem Endpunkt läuft nach Unternehmensangaben bereits an mehr als 160 Studienzentren weltweit. Neben Gotistobart zählen der Bispezifika-Kandidat Pumitamig und das mRNA-Präparat BNT116 zu den strategischen Lungenkrebs-Projekten; insgesamt laufen laut BioNTech mehr als 16 klinische Studien zu dieser Krebsart, darunter fünf Phase-3-Programme.
Das Onkologie-Momentum trifft allerdings auf ein schwächeres Kerngeschäft: Im zweiten Quartal 2026 war der Umsatz von BioNTech auf 105,6 Millionen Euro gesunken, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das Ergebnis je Aktie fiel auf minus 3,24 Euro. Wegen geringerer Nachfrage nach dem COVID-19-Impfstoff senkte das Unternehmen Anfang August die Jahresumsatzprognose auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Mitgründer Uğur Şahin, der die Onkologie-Pipeline trotz der schwachen Zahlen als auf Kurs bezeichnete, übergibt den Vorstandsvorsitz spätestens Anfang Februar 2027 an Guido Oelkers, zuvor Chef von Sobi.
Was die Daten für Anleger bedeuten
Für Anleger stellt sich damit vor allem die Frage, ob die positiven Gotistobart-Daten den Beginn einer nachhaltigen Neubewertung der BioNTech-Aktie markieren können. Der deutliche Überlebensvorteil stärkt zwar die Fantasie für die Onkologie-Pipeline, die entscheidende zulassungsrelevante Phase von PRESERVE-003 ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Ein Einstieg wäre damit weiterhin eine Wette auf die klinische und kommerzielle Umsetzung der Pipeline – und nicht allein auf die heute präsentierten Daten.
Gleichzeitig steht dem Onkologie-Potenzial ein weiterhin schwaches COVID-19-Geschäft gegenüber. Für Anleger ergeben sich damit zwei gegensätzliche Szenarien: Wer von einer erfolgreichen Transformation zum Onkologieunternehmen überzeugt ist, könnte Kursrücksetzer als mögliche Einstiegsgelegenheiten betrachten. Vorsichtigere Anleger könnten dagegen zunächst weitere Studiendaten und Fortschritte bei der Zulassung abwarten.
Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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