BioNTech-Aktie im Fokus: Ist die Krebs-Pipeline stärker als der Markt denkt?
Nach dem Rückschlag bei einer Darmkrebs-Studie im August sehen Analysten die BioNTech-Aktie weiterhin mehrheitlich positiv - die Kursziele lassen auf Potenzial hoffen.
Werte in diesem Artikel
- Analysten stufen BioNTech trotz Studienabbruch mehrheitlich mit Buy ein
- Neue Überlebensdaten zu Gotistobart nähren Hoffnung auf Zulassung
- Konkurrenz von Moderna und Merck setzt mRNA-Krebsimpfstoffe unter Druck
Das Mainzer Biotechnologieunternehmen BioNTech kämpft mit einem Rückschlag in der Krebs-Pipeline: Ende August stoppte das Unternehmen eine Phase-2-Studie zum personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff BNT122-01 gegen Darmkrebs, die Umsatzprognose für das Gesamtjahr war bereits zuvor gesenkt worden. Trotzdem bewerten Analysten die BioNTech-Aktie mehrheitlich mit Buy, gestützt auf ein breites onkologisches Portfolio mit mehr als 25 Wirkstoffkandidaten in späten Studienphasen.
BioNTech-Pipeline: Rückschlag bei Darmkrebs-Studie
BioNTech hatte Ende August die Einstellung der Studie bekannt gegeben. Die experimentelle Therapie, auch bekannt als Autogene Cevumeran und gemeinsam mit Genentech, einem Unternehmen der Roche-Gruppe, entwickelt, wurde nach einer Überprüfung durch das unabhängige Datenüberwachungsgremium eingestellt. Dieses stellte ein numerisches Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben fest und sah keine Aussicht, dass eine Fortsetzung das Wirksamkeitsergebnis noch ändern würde. Die Studie hatte bereits im Oktober 2025 eine Nutzlosigkeitsgrenze überschritten; das Datenüberwachungsgremium empfahl damals jedoch noch keinen Abbruch. Co-Gründerin und Chief Medical Officer Özlem Türeci betonte, jede Entscheidung zu klinischen Studien werde mit größter Sorgfalt getroffen, mit den Patienten als oberster Priorität, und bekräftigte zugleich das Festhalten an mRNA als Säule der Onkologie-Strategie.
Gotistobart und Pumitamig als Hoffnungsträger
Deutlich positiver fällt das Bild bei Gotistobart aus, einem gemeinsam mit OncoC4 entwickelten Anti-CTLA-4-Antikörper. Am 14. September meldeten beide Partner aktualisierte Überlebensdaten aus Stufe 1 der Phase-3-Studie PRESERVE-003 bei zuvor behandeltem Plattenepithelkarzinom der Lunge: Bei 87 randomisierten Patienten lag das mediane Gesamtüberleben unter Gotistobart bei 18,5 Monaten gegenüber 10,0 Monaten unter Docetaxel. Das entspricht einer 44-prozentigen Reduktion des Sterberisikos. Schwere Nebenwirkungen traten in beiden Behandlungsarmen ähnlich häufig auf.
Zentraler Vermögenswert der Onkologie-Pipeline bleibt jedoch Pumitamig (BNT327), ein bispezifischer Antikörper gegen PD-L1 und VEGF-A. Bristol-Myers Squibb, das US-Pharmaunternehmen, hatte sich die Partnerschaft im Juni 2025 mit einer Upfront-Zahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar gesichert. Bis 2028 kommen Anniversary-Zahlungen von insgesamt 2 Milliarden US-Dollar hinzu, hinzu kommen bei erfolgreicher Entwicklung bis zu 7,6 Milliarden US-Dollar an Meilensteinzahlungen. Auf dem Weltkongress für Lungenkrebs in Seoul im September 2026 präsentierte BioNTech zudem erstmals globale Kombinationsdaten aus Pumitamig und dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Elfetabart Drozuntecan.
Analystenbild bleibt überwiegend positiv
Trotz des Rückschlags bei BNT122-01 bewerten TipRanks zufolge 14 Analysten die BioNTech-Aktie im Konsens mit Strong Buy, davon elf mit Buy und drei mit Hold, keiner mit Sell. Das mittlere Kursziel liegt bei 126,85 US-Dollar, die Spanne reicht von 96 bis 140 US-Dollar.
Anleger behalten Konkurrenten wie Moderna und Merck Co. im Blick
Konkurrenzdruck entsteht unterdessen aus einer anderen Ecke: Moderna und Merck & Co. berichteten über positive Ergebnisse einer Spätphasenstudie zum personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff intismeran autogene in Kombination mit Keytruda. Gleichzeitig verfügt BioNTech nach eigenenv Angaben über mehr als 25 klinische Studien der Phase 2 und Phase 3 in der Onkologie. Diese verteilen sich auf Immunmodulatoren, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und mRNA-basierte Krebsimmuntherapien, die unter anderem mit Partnern wie Bristol Myers Squibb, Genentech, Genmab, MediLink, OncoC4 und Pfizer entwickelt werden.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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