Moderna-Aktie rutscht kräftig ab: Citi-Downgrade und Patentstreit belasten - Chancen für BioNTech?
Nach einer Herabstufung durch Citi und einem Gerichtsurteil im Patentstreit mit Bayer gerät die Moderna-Aktie deutlich unter Druck.
Werte in diesem Artikel
- Citi sieht trotz Kurszielanhebung erhebliches Abwärtspotenzial für Moderna
- Gerichtsurteil in Delaware trifft neben Moderna auch Pfizer und BioNTech
- Anleger fragen sich, ob BioNTech vom Gegenwind bei Moderna profitieren kann
Die Moderna-Aktie gerät durch ein Doppelfeuer unter Druck: Citi hat den Titel abgestuft, während ein Gerichtsurteil im Patentstreit mit Monsanto (verbunden mit Bayer) weiterläuft. Das wirft die Frage auf, ob Konkurrent BioNTech von der Schwäche profitieren könnte, zumal auch dieser in den Rechtsstreit verwickelt ist.
Citi sorgt für Kursdruck bei Moderna-Aktie
Citi-Analyst Geoff Meacham hat Moderna, das Biotechnologieunternehmen für mRNA-basierte Impfstoffe und Therapeutika, in einer Kundenmitteilung auf Verkaufen herabgestuft und begründete den Schritt mit Bewertungsschwierigkeiten, wie unter anderem investing.com berichtet. Gleichzeitig hob Citi das Kursziel von 60 auf 80 US-Dollar an, was dennoch ein Abwärtspotenzial von rund 60 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs bedeutet. Die Aktie geriet daraufhin im NASDAQ-Handel deutlich unter Druck: So verlor der Anteilschein kräftige 5,35 Prozent auf 192,57 US-Dollar.
Der Schritt fällt auf, weil von 20 der von TipRanks erfassten Analysten bislang nur zwei eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen hatten. Das mittlere Kursziel liegt bei 110,44 US-Dollar bei einer Spanne von 40 bis 180 US-Dollar. Erst Mitte August hatte die Aktie nach positiven Studienergebnissen zum Krebsimpfstoff Intismeran Autogen kräftig zugelegt. Der Wirkstoff hatte in Kombination mit Keytruda von Merck & Co. bei mehr als 1.100 Patienten mit Hochrisiko- oder fortgeschrittenem Melanom die Studienziele erreicht.
Patentstreit trifft nicht nur Moderna
Parallel zur Herabstufung wies ein Bundesgericht in Delaware am Montag den Antrag von Moderna ab, eine Patentverletzungsklage von Monsanto (verbunden mit Bayer) abzuweisen. Monsanto wirft Moderna vor, geistiges Eigentum im Zusammenhang mit mRNA-Technologie unbefugt genutzt zu haben. Am selben Tag lehnte Richter William Bryson laut Lawyer Monthly auch entsprechende Anträge von Pfizer und BioNTech in einem separaten, aber inhaltsgleichen Verfahren ab, sodass beide Klagen fortgesetzt werden können.
Die Entscheidung stellt laut Lawyer Monthly keine Feststellung einer Patentverletzung dar, sondern lediglich, dass die Beklagten in diesem frühen Verfahrensstadium keinen ausreichenden Grund für eine Abweisung vorgebracht hätten. Moderna selbst hatte zusätzlich argumentiert, das zugrunde liegende Patent decke ein nicht patentierbares Naturgesetz ab, dem der Richter laut Bloomberg Law in dieser Phase nicht folgte.
Neuer COO für Onkologie-Ausbau
Zusätzliche Neuigkeiten gibt es von Moderna selbst. Das Unternehmen gab am Mittwoch die Schaffung einer neuen Chief-Operating-Officer-Stelle bekannt, um den wachsenden Umfang und die Diversifizierung des Unternehmens – insbesondere den geplanten Launch und Scale-up des Krebsimpfstoffs Intismeran Autogene – zu unterstützen. Juan Andres kehrt als COO zurück und übernimmt ab 5. Oktober die Leitung der Fertigungsorganisation sowie die Berichterstattung an CEO Stéphane Bancel. Gleichzeitig geht Jerh Collins nach vier Jahren als Chief Technical Operations and Quality Officer in den Ruhestand.
Chance für die BioNTech-Aktie?
Dass auch Pfizer und BioNTech von der Delaware-Entscheidung betroffen sind, relativiert die These, BioNTech könnte als klarer Profiteur aus Modernas Rechtsproblemen hervorgehen. Beide Unternehmen liegen zudem in eigenen, wechselseitigen Patentklagen mit Moderna in mehreren Ländern über mRNA-Plattformtechnologie, während BioNTech seinerseits ein Patent für modifizierte mRNA-Zusammensetzungen gegen Moderna geltend macht. Operativ steckt BioNTech mitten in einem Umbau: Anfang August senkte das Unternehmen wegen sinkender COVID-Impfstoffnachfrage seine Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro und kündigte für spätestens Anfang Februar 2027 einen Wechsel an der Konzernspitze zu Guido Oelkers an.
Der nächste Quartalsbericht von Moderna ist laut vorläufigem Kalender für den 29. Oktober angesetzt und dürfte zeigen, wie stark die Bewertungssorgen von Citi und die laufenden Patentverfahren das operative Geschäft tatsächlich belasten. Für BioNTech bleibt entscheidend, wie sich die eigene Prognose für das zweite Halbjahr 2026 entwickelt und ob der angekündigte Führungswechsel die strategische Neuausrichtung beschleunigt.
Bettina Schneider, Evelyn Schmal, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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