IMK: Keditfinanzierte Investitionen gut für künftige Generationen
BERLIN (Dow Jones)--Eine kreditfinanzierte Investitionsoffensive lohnt sich auch für künftige Generationen, da sie mehr Wachstum, aber keine höhere Schuldenquote generiert, so das Ergebnis einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.
Nach Simulationsrechnungen für das Jahr 2050 wäre das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) selbst bei konservativen Annahmen in knapp drei Jahrzehnten spürbar größer, die Staatsschuldenquote dagegen nicht höher als in einem Vergleichsszenario ohne massive kreditfinanzierte Investitionen.
"Von einer 'Belastung künftiger Generationen' kann keine Rede sein. Im Gegenteil", halten die Forscher um IMK-Direktor Sebastian Dullien im Fazit ihrer neuen Studie fest. "Auch künftigen Generationen ginge es mit dem kreditfinanzierten Investitionsprogramm wirtschaftlich besser als ohne."
Seine Berechnungen stütze das Institut auf ein Investitionsprogramm, welches das IMK 2019 zusammen mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) entwickelt hat. Es sieht in einem 10-Jahres-Zeitraum zusätzliche öffentliche Investitionen von insgesamt 460 Milliarden Euro vor.
Mit den Geldern soll nach Vorstellung der Institute die kommunale Infrastruktur modernisiert, das Breitband- und Eisenbahnnetz ausgebaut sowie mehr öffentlicher Wohnungsbau finanziert werden. Außerdem sollen gut 100 Milliarden in bessere Bildung und Forschungsförderung sowie 75 Milliarden Euro in Techniken zur Dekarbonisierung fließen.
Schuldenquote sinkt nach anfänglichem Anstieg
In der neuen Studie geht das IMK von einer vorsichtigen Wachstumserwartung aus. Danach wären die positiven Multiplikator-Wirkungen öffentlicher Investitionen auf das Wirtschaftswachstum nur halb so hoch wie es Schätzungen des Internationalen Währungsfonds ansetzen.
Das IMK geht davon aus, dass die kreditfinanzierten staatlichen Investitionen für zusätzliche Nachfrage sorgen und private Folgeinvestitionen anregen. Daher werde das deutsche BIP 2050 um drei bis vier Prozent größer als ohne Investitionsprogramm, so das Fazit der Studie.
Hingegen werde die für die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen zentrale Schuldenstandsquote, gemessen am BIP, 2050 nicht höher ausfallen als ohne Investitionsoffensive, prognostiziert das IMK.
"Zwar muss der Staat anfangs höhere Kredite aufnehmen, die Schuldenquote steigt also zunächst. Durch das stärkere BIP-Wachstum sinkt sie dann aber bis 2050 auf das Niveau, das sie auch ohne zusätzliche Investitionen hätte", erklärte das IMK. Dies wäre der Fall, obwohl sich die Zinsen über den Simulationszeitraum vom derzeit sehr niedrigen Niveau wieder normalisierten und im Szenario mit Investitionsprogramm sogar leicht stärker stiegen als ohne dieses Programm.
"Wenn wir jetzt beherzt investieren, können die Kinder des Jahrgangs 2021 also in einem Land mit modernerer Infrastruktur, besseren Schulen und deutlich geringerem CO2-Fußabdruck aufwachsen. Vorteile, von denen die Jungen noch stärker profitieren würden als Ältere", sagte IMK-Direktor Dullien.
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May 26, 2021 04:44 ET (08:44 GMT)