Apple-Aktie nach Vorstellung des faltbaren iPhone Duo: Analysten uneins - Worauf Anleger achten sollten
Apple wagt mit dem 1.999 US-Dollar teuren iPhone Duo den Sprung ins Faltgeschäft, doch die Wall Street zerfällt darüber in zwei Lager.
Werte in diesem Artikel
- Apple bringt mit dem iPhone Duo für 1.999 US-Dollar sein erstes Falthandy
- Analysten reichen vom klaren Kauf bis zur offenen Skepsis am Konzept
- In China trifft das Falthandy auf starke Rivalen und einen harten Preiskampf
Apple hat unter dem neuen Konzernchef John Ternus sein erstes faltbares Smartphone vorgestellt, das iPhone Duo zum Startpreis von 1.999 US-Dollar, und die Reaktion der Wall Street fällt gespalten aus. Die Analysten ringen um die Frage, ob der Vorstoß in eine neue Produktklasse Apples Wachstumsproblem löst oder vor allem den Preis nach oben treibt. Am Donnerstag gewann die Apple-Aktie an der NASDAQ gut dreieinhalb Prozent auf 326,57 US-Dollar, am Freitag notiert sie zeitweise 1,90 Prozent höher bei 332,77 US-Dollar. Seit Jahresbeginn schlug somit ein Plus von rund 22 Prozent zu Buche. Für Anleger verschiebt das iPhone Duo die eigentliche Frage weg vom Design hin zur Bewertung.
Apple-Aktie: Kaufempfehlung trifft auf offene Zweifel
Die optimistische Seite führt die US-Bank Citigroup an, die ihre Kaufempfehlung bestätigt und ein Kursziel von 365 US-Dollar ausruft. Sie sieht im Duo die größte neue Hardware-Kategorie seit Apple Watch und AirPods. Auch Goldman Sachs bleibt bei Kaufen und erwartet, dass die gestaffelte Einführung der iPhone-Reihe zusammen mit höheren Preisen bei den Pro-Modellen und einer neuen Speicheroption mit 2 Terabyte die durchschnittlichen Verkaufspreise anhebt. Vorsichtiger klingt die Investmentbank Oppenheimer, die zwar mit dem erfolgreichsten Faltgerät am Markt rechnet, das Angebot in diesem Jahr aber auf 8 bis 10 Millionen Einheiten begrenzt sieht. Klar auf der Bremse steht Needham: Analystin Laura Martin bleibt bei Halten und argumentiert, ein größerer Bildschirm löse Apples tiefere Probleme nicht, die späte KI-Integration wirke zu wenig, zu spät.
Bei den Preisen geht Apple ans Limit
Das iPhone Duo ist zugleich das Herzstück einer Preisoffensive. Das iPhone 18 Pro startet nun bei 1.199 US-Dollar und damit 100 US-Dollar über dem Vorjahresmodell, das Pro Max bei 1.299 US-Dollar. Darüber thront das Duo mit einem Aufschlag von rund zwei Dritteln gegenüber dem Pro. Bemerkenswert ist die Zurückhaltung: Das Marktforschungshaus TrendForce hatte wegen stark gestiegener Speicherkosten, die es für die kleinste Variante als um fast 400 Prozent höher als ein Jahr zuvor veranschlagte, mit einem Aufschlag von 150 bis 200 US-Dollar gerechnet, einzelne Stimmen sogar mit bis zu 300 US-Dollar. Apple gibt damit weniger weiter, als die Kostenrechnung nahelegt. Das stützt die Nachfrage, drückt aber auf die Marge. Zur Einordnung: Im dritten Geschäftsquartal, berichtet am 30. Juli, stieg der Umsatz um 16 Prozent auf 109,4 Milliarden US-Dollar, doch die Rekord-Bruttomarge von 50,1 Prozent profitierte von rund zwei Prozentpunkten aus Zollrückerstattungen.
In China wartet der härteste Test
Den härtesten Test liefert Apples drittgrößter Markt Greater China, gut 17 Prozent des Konzernumsatzes. Dort ist das iPhone Duo spät dran: Huawei, Xiaomi, Honor, Oppo und Vivo verkaufen längst Faltgeräte, Huawei sogar ein dreifach faltbares Modell. Kurz vor Apples Auftritt schoben Xiaomi und Huawei neue Spitzenmodelle nach, das Xiaomi 18 Fold für 10.999 Yuan, knapp 1.640 US-Dollar, und das dreifach faltbare Mate XT2 für 19.999, rund Yuan 2.900 US-Dollar. Das Duo von Apple liegt in China bei 15.999 Yuan und damit 2.380 US-Dollar, also über dem Xiaomi und unter dem Huawei, und in den ersten Reaktionen auf WeChat dominierte prompt die Preisfrage. Erschwerend kommt hinzu, dass die neue Siri-KI in China zunächst nicht startet. Laut Counterpoint führte Huawei den chinesischen Smartphone-Markt im ersten und zweiten Quartal an, Apple lag dahinter, während sich weltweit Samsung im zweiten Quartal die Absatzführung zurückholte. Immerhin traut TrendForce dem Duo für 2026 bereits rund ein Viertel des gesamten Faltmarkts zu.
Zwei Risiken sollten Anleger im Blick behalten. Erstens die Nachfrage im Zeitverlauf: Weil Apple die günstigeren Standardmodelle des iPhone 18 erst 2027 nachreicht, könnten die Stückzahlen kurzfristig leiden, gerade während das teure Duo die Aufmerksamkeit bindet. Zweitens die Bewertung: Nach dem deutlichen Kursanstieg seit Jahresbeginn ist viel Zuversicht eingepreist, und faltbare Geräte machen bislang nur rund zwei Prozent des weltweiten Smartphone-Absatzes aus. Das iPhone Duo muss also einen kleinen, hart umkämpften Markt erst vergrößern, statt in einen fertigen hineinzuwachsen.
Ob die Nachfrage den Preis trägt, dürften die Vorbestellungen ab dem 16. Oktober und der Verkaufsstart am 23. Oktober zeigen. Endgültig ablesbar wird der Erfolg des Duo aber erst an den Absatz- und Margenzahlen des Weihnachtsquartals.
Julia Walter, Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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