IWH: Weniger Unternehmenspleiten, aber viel mehr Jobs betroffen
Von Andreas Kißler
HALLE/BERLIN (Dow Jones)--Im Juni waren nach einer neuen Statistik des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) doppelt so viele Beschäftigte von einer Unternehmensinsolvenz betroffen als im Durchschnitt der ersten Monate dieses Jahres. Gleichzeitig sei laut dem IWH-Insolvenztrend die Zahl der Firmenpleiten im vorigen Monat trotz Corona-Krise leicht gesunken, teilte das Institut mit. Demnach wurden im vorigen Monat 921 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet - 10 Prozent weniger als im Mai und 13 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
"Wie bereits im Mai sind jedoch deutlich mehr große Firmen und somit mehr Arbeitskräfte betroffen", erklärte das IWH. Laut der Analyse der Ökonomen beschäftigen allein die 10 Prozent der Unternehmen mit den meisten Beschäftigten, deren Insolvenz im Juni gemeldet wurde, insgesamt 13.400 Personen. In den ersten Monaten des Jahres waren dies hingegen jeweils etwa 6.700 Personen. Im zweiten Quartal waren 81 Prozent mehr Menschen von einer Firmenpleite betroffen als im ersten Quartal.
Den Rückgang bei den Insolvenzen bei gleichzeitigem Anstieg der Zahl der betroffenen Beschäftigten führte IWH-Insolvenzforscher Steffen Müller auf eine veränderte Zusammensetzung der Insolvenzen zurück. "Wir sehen mehr große Unternehmen scheitern und beobachten sehr viel weniger Insolvenzen bei Kleinstunternehmen", sagte er. Der Rückgang bei den insolvent gemeldeten Kleinstunternehmen dürfte allerdings auch auf die verstärkte Inanspruchnahme der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen werde wieder ansteigen.
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July 03, 2020 07:57 ET (11:57 GMT)