Applied Digital-Aktie springt an: Milliarden-Mietvertrag gesichert und Milliarden-Anleihe geplant
Der US-Rechenzentrumsspezialist Applied Digital sorgt mit einem milliardenschweren Großauftrag für Aufsehen auf dem Parkett.
Werte in diesem Artikel
• Applied Digital vereinbart einen 15-jährigen Mietvertrag über 210 Megawatt IT-Last an seinem KI-Campus Delta Forge 2
• Tochtergesellschaft plant die Emission von besicherten Anleihen zur Finanzierung neuer Ausbauten
• Großauftrag erhöht den gesamten vertraglich gesicherten Umsatz des Unternehmens im Basistermin auf rund 36 Milliarden US-Dollar
Milliardenschwerer Take-or-Pay-Mietvertrag für KI-Fabrik Delta Forge 2
Der Spezialist für digitale Infrastruktur, Applied Digital, hat einen bedeutenden Meilenstein beim Ausbau seiner Kapazitäten für künstliche Intelligenz vermeldet. Wie das Unternehmen im Rahmen einer offiziellen Pressemitteilung bekannt gab, wurde ein langfristiger Take-or-Pay-Mietvertrag mit einem namentlich nicht genannten US-Hyperscaler geschlossen, der über ein Investment-Grade-Rating verfügt. Die Vereinbarung umfasst eine IT-Last von 210 Megawatt am kommenden KI-Rechenzentrumscampus Delta Forge 2, welcher im Süden der USA errichtet wird. Diese Vertragskonstruktion garantiert dem Infrastrukturanbieter feste Mindesteinnahmen, unabhängig von der tatsächlichen Auslastung durch den Kunden.
Die finanziellen Dimensionen des Kontrakts sind erheblich. Innerhalb der festen Laufzeit von 15 Jahren wird mit einem Umsatz von rund 5,2 Milliarden US-Dollar gerechnet. Sollte der Vertragspartner sämtliche vertraglich vereinbarten Verlängerungsoptionen ziehen, könnte die Partnerschaft auf bis zu 30 Jahre ausgedehnt werden und kumulierte Erlöse von bis zu 12,7 Milliarden US-Dollar einbringen. Der Betriebsstart der entsprechenden Kapazitäten auf dem Delta Forge 2 Campus ist für das erste Quartal des Jahres 2028 terminiert. Es handelt sich bereits um den dritten großen Kontrakt, den das Management mit diesem spezifischen Großkunden unterzeichnet hat.
Kapitalerhöhung über Anleihenmarkt: Tochtergesellschaft emittiert 1,59 Milliarden US-Dollar
Flankierend zu den operativen Fortschritten hat Applied Digital weitreichende Maßnahmen zur Refinanzierung und Investitionsfinanzierung auf den Weg gebracht. Die Konzerntochter APLD ComputeCo 3 LLC beabsichtigt, vorrangig besicherte Anleihen mit Fälligkeit im Jahr 2031 im Gesamtnennbetrag von 1,59 Milliarden US-Dollar im Rahmen einer Privatplatzierung zu begeben. Das Emissionsvorhaben richtet sich an qualifizierte institutionelle Käufer gemäß Rule 144A sowie an Investoren außerhalb der USA. Die Schuldverschreibungen werden durch erstklassige Pfandrechte auf im Wesentlichen alle Vermögenswerte der Emittentin sowie durch Garantien verbundener Projektgesellschaften abgesichert.
Die Nettoemissionserlöse sind für strategische Großprojekte sowie die Bereinigung der Bilanz fest eingeplant. Primär soll damit der Bau von 150 Megawatt kritischer IT-Last im vierten Gebäude des Polaris Forge 1 Campus in Ellendale, North Dakota, finanziert werden. Zudem ist vorgesehen, die bestehenden Verbindlichkeiten und aufgelaufenen Zinsen aus einer Brückenfinanzierung bei der US-Investmentbank Goldman Sachs vollständig zurückzuzahlen. Der verbleibende Teil der Mittel fließt in die gesetzlich vorgeschriebenen Schuldendienstreserven sowie in die Deckung der transaktionsbezogenen Emissionskosten.
Umsatzvisibilität steigt auf 36 Milliarden US-Dollar
Durch die Integration des neuen Standorts wächst das vertraglich gebundene Portfolio von Applied Digital auf nunmehr fünf betriebene oder im Bau befindliche Großcampus-Projekte an. Die gesamte kontrahierte IT-Leistung beziffert das Management nach dem jüngsten Abschluss auf 1,4 Gigawatt, während das Unternehmen über insgesamt 2,15 Gigawatt an netzgekoppelten Versorgungskapazitäten in seiner Entwicklungspipeline verfügt. Die Visibilität der zukünftigen Erlösströme hat sich durch diesen Schritt signifikant verbessert. Der gesamte vertraglich vereinbarte Umsatz im Basistermin summiert sich laut Unternehmensangaben auf rund 36 Milliarden US-Dollar und könnte inklusive aller Optionen auf bis zu 86 Milliarden US-Dollar ansteigen.
Vertreter des Managements betonten in diesem Kontext die hohe Qualität der Erlösbasis. Rund 70 Prozent des gesamten vertraglich gesicherten Umsatzes des Infrastrukturanbieters basieren mittlerweile auf Verträgen mit finanzstarken US-Hyperscalern, was das Ausfallrisiko für die kommenden Dekaden minimiert. Gleichzeitig unterstreicht das Geschäft die ungebrochen dynamische Nachfrage nach hochkomplexen, wasserfreien Kühlsystemen und hocheffizienten Energielösungen, die speziell für das Training und den Betrieb von komplexen KI-Modellen erforderlich sind.
Applied Digital-Aktie im NASDAQ-Handel gefragt
Die Marktteilnehmer reagieren mit deutlichen Kursaufschlägen auf die Bekanntgabe der Expansionsfortschritte. Die Aktie von Applied Digital verzeichnet an der NASDAQ einen Kurssprung und notiert zeitweise mit einem Plus von 3,02 Prozent bei 42,18 US-Dollar. Damit setzten die Anteilsscheine ihre übergeordnete Erholungsbewegung fort und näherten sich wieder dem bisherigen Jahreshöchststand an.
Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich zum gestrigen Bewertungsniveau auf rund 11,7 Milliarden US-Dollar. Mit insgesamt 285,77 Millionen ausstehenden Aktien und einem sehr hohen Streubesitz (Public Float) von 258,69 Millionen Einheiten weist der Titel eine ausgeprägte Handelsliquidität auf. Gleichzeitig sollten Investoren die hohe Volatilität im Blick behalten, die durch ein markantes Beta von 2,51 sowie eine extrem hohe Short-Quote von 30,43 Prozent des Freefloats untermauert wird. Diese fundamentale Ausgangslage macht die Aktie anfällig für dynamische Kursbewegungen, bietet spekulativ orientierten Marktteilnehmern jedoch auch die Option auf potenzielle Short Squeezes bei anhaltend positiver Nachrichtenlage.
Wachstum auf Pump? Hohe Verschuldung überschattet aggressive Expansionspolitik
Die jüngsten operativen Abschlüsse verdeutlichen die starke Marktpositionierung von Applied Digital im Bereich der KI-Infrastruktur. Durch die langfristigen Take-or-Pay-Strukturen dürfte das Unternehmen eine hohe Planungssicherheit bezüglich seiner zukünftigen Cashflows generieren, was das fundamentale Profil langfristig stärken könnte. Dennoch sollten Investoren die aggressive Expansionspolitik und die damit einhergehende hohe Verschuldung der Projektgesellschaften im Auge behalten. Die Emission der neuen Anleihen im Volumen von 1,59 Milliarden US-Dollar verdeutlicht den immensen Kapitalbedarf der Branche, wodurch das Finanzprofil des Konzerns trotz der gestiegenen Umsatzvisibilität vorerst von einer hohen Hebelwirkung geprägt bleiben dürfte.
Alexandra Hesse, Evelyn Schmal, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: jackpress / Shutterstock.com
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