IPO der KNDS-Aktie rückt offenbar näher - Bundesregierung steigt bei Panzerbauer ein

Der Schritt auf das Börsenparkett des Rüstungskonzerns KNDS rückt rasch näher und ist nun auch offiziell beschlossene Sache.
Nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf Insider vorab berichtete, dass sich die Eigentümerfamilien bereit erklärt hätten, Anteile an die deutsche Bundesregierung zu verkaufen, folgte kurz darauf die offizielle Bestätigung aus Berlin und Paris. Deutschland und Frankreich haben eine formelle Vereinbarung zum Einstieg der Bundesregierung beim Hersteller von Waffensystemen wie dem Kampfpanzer Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000 getroffen.
Wie Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte, strebt die Bundesregierung eine Beteiligung in Höhe von 40 Prozent an. Später wolle man diesen Anteil wieder verringern. Da beide Staaten künftig den gleichen Anteil an dem Unternehmen halten sollen, sichert sich Deutschland damit ein Mitspracherecht auf Augenhöhe mit Frankreich. Der Haushaltsausschuss des Bundestages muss dem Vorhaben allerdings noch zustimmen. Das Unternehmen KNDS begrüßte die Einigung zwischen Berlin und Paris ausdrücklich.
Milliardenbewertung ebnet Weg für den Börsengang
Zuvor hatte es hinter den Kulissen offenbar geknirscht: In der vergangenen Woche berichtete die "Börsen-Zeitung" noch, dass der Zeitplan für den Börsengang wackelt, weil sich die Bundesregierung und die Eigentümerfamilien nicht über den Kaufpreis einig werden konnten. Auch auf unmittelbare Bloomberg-Nachfrage am Montag hatten Vertreter von KNDS, der Eigentümerfamilie und des deutschen Wirtschaftsministeriums eine Stellungnahme zunächst noch abgelehnt.
Mit der nun verkündeten Einigung sind diese Hürden ausgeräumt. Bei dem Deal wird KNDS laut Finanzkreisen mit 15 bis 18 Milliarden Euro bewertet. Damit ist der Weg für den Börsengang in Frankfurt und Paris endgültig geebnet. Die offizielle Ankündigung des IPOs (Börsengangs) soll dem Vernehmen nach am Dienstag erfolgen.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX Strategischer Ausbau der europäischen Verteidigung KNDS entstand im Jahr 2015 durch die Fusion des deutschen Herstellers Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Staatsunternehmens Nexter. Aktuell befindet sich der Konzern im Besitz der deutschen Eigentümerfamilien (Bode und Braunbehrens) sowie der französischen Regierung. Die Bundesregierung und der französische Élysée-Palast verfolgen mit dem Deal große Pläne: Sie wollen KNDS zu einem führenden europäischen und globalen Verteidigungsunternehmen ausbauen, das die französischen und deutschen Streitkräfte verlässlich beliefert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) betonte die strategische Bedeutung des Einstiegs: "Mit der 40-prozentigen Beteiligung des Bundes an KNDS sichern wir Schlüsseltechnologien, industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland." Man entscheide künftig gemeinsam über ein Unternehmen, das für die europäische Verteidigungsfähigkeit von zentraler Bedeutung sei.
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