Microsoft-Aktie: Stifel-Analyst dreht von Skeptiker zum Bullen - Sollten auch Anleger umdenken?
Ein bislang zurückhaltender Wall Street-Analyst stuft die Microsoft-Aktie hoch und traut ihr laut eigener Einschätzung ein zweistelliges Kurspotenzial zu.
Werte in diesem Artikel
- Stifel-Analyst Brad Reback vollzieht einen deutlichen Meinungswechsel
- Azure und Copilot liefern nach Einschätzung von Stifel neue Wachstumstreiber
- Kapitalausgaben bleiben hoch, doch die Marge wirkt stabiler als befürchtet
Microsoft bekommt von Stifel-Analyst Brad Reback eine deutliche Aufwertung: Nach langer Zurückhaltung stuft er die Aktie hoch und erhöht das Kursziel spürbar. Ausschlaggebend sind laut Stifel Fortschritte bei Azure und Copilot sowie eine laut Stifel stabilere Margenentwicklung.
Vom Skeptiker zum Optimisten
Stifel-Analyst Brad Reback stufte die Aktie von Microsoft am Mittwoch von "Hold" auf "Buy" hoch und hob das Kursziel von 530 auf 575 US-Dollar an. Das neue Ziel entspricht einem deutlichen Kurspotenzial gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch, der bei 500,59 US-Dollar markiert wurde.
Am Donnerstag lag die Microsoft-Aktie mit einem Abschlag von 0,53 Prozent auf 497,93 US-Dollar darunter. Der Rekordschlusskurs von 542,07 US-Dollar vom 28. Oktober 2025 bleibt damit weiter außer Reichweite.
Reback begründete seinen Wechsel Barron's zufolge damit, zunehmend zuversichtlich zu sein, dass Microsoft ein Umsatzwachstum im mittleren bis oberen zweistelligen Bereich halten könne, gestützt durch Fortschritte bei offenen KI-Modellen und die Multi-LLM-Strategie über Azure und Copilot. Zudem sehe Reback für Azure weiteres Aufwärtspotenzial von 200 bis 300 Basispunkten, da Microsoft über den gesamten Stack aus Silizium, Modellen und Software eine nachhaltigere Effizienzkadenz erreiche.
Azure, Copilot und die neue Kostenkurve
Nach Einschätzung von Stifel habe Microsoft die Wende nach dem Juni-Quartal klar geschafft. Als Gründe nannten die Analysten anhaltendes Azure-Aufwärtspotenzial, eine geringere Forschungsintensität bei eigenen Sprachmodellen und einen wachsenden Beitrag von OpenAI. Microsoft hatte den Vertrag mit OpenAI im April überarbeitet, seither teilt OpenAI dem Bericht zufolge bis 2030 Umsätze mit Microsoft, was frühere Bedenken zur Margenkompression laut Stifel als zu negativ erscheinen lasse. Zusätzlich verwies die Analyse auf eine Verlängerung der Nutzungsdauer von Vermögenswerten von 15 auf 25 Jahre.
Stifel zitierte außerdem Microsoft-Finanzchefin Amy Hood, wonach sich die sogenannten Dock-to-live-Zeiten, also die Spanne zwischen Inbetriebnahme der Hardware und Umsatzreife, binnen eines Jahres um mehr als die Hälfte verkürzt hätten. Das helfe der Kapazität, sich schneller in Umsatz umzuwandeln, so die Einschätzung von Stifel. Im vierten Fiskalquartal, das am 30. Juni endete, hatte Microsoft im Cloud-Geschäft einen Umsatz von 59,3 Milliarden US-Dollar erzielt, ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Kapitalausgaben und Ausblick bei Microsoft
Trotz des Optimismus bleibt der Investitionsbedarf hoch: Im vierten Fiskalquartal beliefen sich Microsofts Investitionsausgaben auf 41 Milliarden US-Dollar, für das gesamte Fiskaljahr auf 145 Milliarden US-Dollar. Stifel erwartet angesichts von Lieferengpässen bei KI-Infrastruktur einen weiterhin erhöhten Kapitalbedarf, rechnet für das laufende Fiskaljahr 2027 aber mit einem positiven freien Cashflow. Das gehe eher auf Flächenengpässe in Rechenzentren zurück als auf eine bewusste Ausgabenobergrenze, so die Einschätzung der Analysten.
Auch andere Analysten für Microsoft-Aktie zuversichtlich
Mit der Hochstufung reiht sich Stifel in ein überwiegend positives Analystenbild ein. Cantor Fitzgerald-Analyst Thomas Blakey hatte bereits am Montag sein Kursziel von 522 auf 608 US-Dollar angehoben, Oppenheimer-Analyst Timothy Horan folgte wie Stifel mit einer Anhebung von 515 auf 570 US-Dollar. Das durchschnittliche Kursziel liegt TipRanks zufolge bei 573,17 US-Dollar.
Experten vs. Börse: Warum die Microsoft-Aktie hinter den Analystenerwartungen bleibt
Bei Anlegern hat sich diese positive Expertenbewertung aber zuletzt kaum durchgesetzt. Die Microsoft-Aktie verzeichnet im bisherigen Jahresverlauf ein mageres Kursplus von 3,5 Prozent, auf Zwölfmonatssicht ist die Performance sogar leicht negativ.Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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