Luftverkehrswirtschaft will mit Hilfe des Staats CO2-neutral werden
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Luftverkehrswirtschaft will ihre Anstrengungen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen erhöhen und fordert dazu Unterstützung von der Politik. Das größte Potential zur Einsparung von Kohlendioxid (CO2) sieht die Branche in der Modernisierung der Flugzeugflotte.
"Unser Ziel ist das CO2-neutrale Fliegen.... Unsere Unternehmen wollen alle Hebel in Bewegung setzen, um schnellstmöglich weitere Fortschritte zu erreichen", erklärte Peter Gerber, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. "Viele Maßnahmen können wir nicht allein umsetzen, sondern erfordern eine gemeinsame Kraftanstrengung der Branche und der Politik. Wir setzen darauf, das gemeinsam voranzubringen und auch gemeinsam dafür einzustehen."
Zuvor verabschiedeten der Luftverkehrsverbands BDL, der Airlineverband BDF, der Flughafenverband ADV und die Deutsche Flugsicherung einen Masterplan, in dem sich die Unternehmen der deutschen Luftverkehrswirtschaft auf das Ziel eines CO2-neutralen Luftverkehrs verpflichten.
Vor der Corona-Krise war der Luftverkehr laut BDL weltweit für 2,8 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich gewesen. Bezogen auf die weltweite Klimaerwärmung insgesamt beträgt der Anteil des globalen Luftverkehrs 3 bis 5 Prozent.
Größte Wirkung durch energieeffiziente Flugzeuge
Als aktuell größten Hebel für den Klimaschutz im Luftverkehr sieht die Branche die ökologische Flottenmodernisierung. Durch den Austausch von älteren Flugzeugen mit energieeffizienteren Flugzeugen konnten die spezifischen CO2-Emissionen der deutschen Flugzeugflotten seit 1990 bereits um 44 Prozent gesenkt werden. Mit ihrem Masterplan legt sich die Branche nun darauf fest, auf diesem Weg weiterzugehen und durch Flottenmodernisierung die Emissionen pro Flug weiter um 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr zu senken.
Darüber hinaus soll das fossile Kerosin durch einen komplett nachhaltigen Kraftstoff ersetzen werden, wozu die Branche aber auch Hilfe von der Politik einfordert.
"Gegenwärtig wird ein solcher Kraftstoff noch nicht im industriellen Maßstab produziert. Im BDL-Masterplan wird dargelegt, dass dieser Systemwechsel gelingen kann, wenn Produktionsanlagen errichtet und Mechanismen für einen wirksamen, wettbewerbsneutralen Markthochlauf implementiert werden", erklärten die Branche. "Hierfür erarbeitet die deutsche Luftfahrt gemeinsam mit der Politik und mit der Industrie eine konkrete Roadmap."
Weiterhin soll die Vernetzung der Verkehrsträger vorangetrieben werden, etwa in Form von attraktiveren innerdeutschen Zugverbindungen. Die Luftverkehrswirtschaft schätzt, dass sich rund ein Fünftel der innerdeutschen Passagiere dazu bewegen ließe, vom Flugzeug auf die Bahn umzusteigen, wenn diese Verbesserungen umgesetzt werden.
Außerdem sollen im europäischen Luftraum Umwege reduziert und die Effekte reduziert werden, wo Kondensstreifen und Zirruswolken negative Effekte auf das Klima haben, so der BDL.
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December 14, 2020 10:05 ET (15:05 GMT)