Madison Air-Aktie nach KI-Deal im Fokus: Milliarden-Übernahme von deutschem Lüftungsspezialisten
Mit dem Kauf des deutschen Ventilatorenherstellers ebm-papst greift Madison Air nach dem Rechenzentrumsmarkt.
Werte in diesem Artikel
- Deutscher Familienkonzern wechselt für Milliarden den Besitzer
- Anleger reagieren zunächst skeptisch statt begeistert
- Analysten hatten die Aktie schon vor der Meldung heruntergestuft
Madison Air Solutions übernimmt den deutschen Ventilatoren- und Motorenhersteller ebm-papst in einem Deal mit einem Unternehmenskaufpreis von 5,4 Milliarden US-Dollar. Die drei Gesellschafterfamilien von ebm-papst übertragen ihre Anteile an den US-Konzern, der zum Firmenimperium von Milliardär Larry Gies gehört. An der Börse sorgte die Nachricht zunächst für Kursverluste bei Madison Air.
Zugriff auf Rechenzentrumskühlung als Kernmotiv
Madison Air Solutions, ein Anbieter von Lösungen für Raumlufttechnik mit Marken wie Big Ass Fans, Broan-NuTone und Nortek Data Center Cooling, sichert sich mit ebm-papst einen Anbieter mit mehr als 250 Millionen installierten Ventilatoren in rund 40 Ländern. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Mulfingen mit etwa 2,8 Milliarden US-Dollar Umsatz und rund 343 Millionen US-Dollar bereinigtem EBITDA, was einer Marge von rund 12 Prozent entspricht. Der effektive Kaufpreis von 5,0 Milliarden US-Dollar, netto nach erwarteten Steuervorteilen, entspricht damit dem 14,6-Fachen dieses EBITDA-Werts, unter Einbeziehung geplanter Synergien dem 10-Fachen.
Madison Air erwartet jährliche Kostensynergien von 160 Millionen US-Dollar bis zum dritten Jahr nach Vollzug. Zugleich erweitert der Zukauf das adressierbare Marktvolumen des Käufers um rund 30 Milliarden US-Dollar und verschafft Zugriff auf mehr als 1.200 Patente von ebm-papst im Bereich Luftstromtechnik. Treiber ist der wachsende Bedarf an Kühlung für Rechenzentren, in denen leistungsstärkere Prozessoren und KI-Beschleuniger mehr Abwärme erzeugen. CEO Klaus Geißdörfer erklärte laut Unternehmensmitteilung, das Kerngeschäft Air Technology wachse stark, während sich das Rechenzentrumsgeschäft außergewöhnlich gut entwickle.
Finanzierung steht, Vollzug erst gegen Jahresende
Laut SEC-Unterlagen liegt der um Verbindlichkeiten bereinigte Kaufpreis bei 4,78 Milliarden Euro, der geschätzte Barkaufpreis zum Abschluss bei rund 4,41 Milliarden Euro. Madison Air finanziert die Übernahme über vorhandene Barmittel sowie Fremd- und Eigenkapital, mit voll zugesagten Kreditlinien von UniCredit und Wells Fargo sowie einer Eigenkapitalzusage von bis zu 1,3 Milliarden Euro von Madison Solutions LLC. Eine Finanzierungsbedingung existiert nicht. Der Pro-forma-Nettoverschuldungsgrad soll zum Abschluss unter dem 4,0-Fachen liegen und binnen zwei Jahren auf rund das 2,5-Fache sinken.
Die Gesellschafterfamilien Sturm, Ziehl und Philippiak haben die Anteilsübertragung verbindlich vereinbart, der Vollzug wird gegen Ende 2026 erwartet und steht unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher, außenwirtschaftsrechtlicher sowie EU-subventionsrechtlicher Prüfungen. Bei Nichterfüllung bestimmter Bedingungen wird eine Break Fee von 250 Millionen Euro an die Verkäuferfamilien fällig. Mulfingen bleibt Hauptsitz sowie Standort für Forschung, Entwicklung und Produktion, bestehende Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen bleiben unberührt. ebm-papst beschäftigt weltweit mehr als 13.000 Mitarbeitende, davon rund 5.800 in Deutschland.
Madison Air-Aktie reagiert verhalten
An der Wall Street kam die Übernahme zunächst nicht gut an: Die Madison Air-Aktie fiel am Montag an der NYSE um 5,5 Prozent auf 29,57 US-Dollar. Am Dienstag gibt das Papier zweitweise weiter ab, um 6,71 Prozent auf 27,59 US-Dollar. Analysten hatten das Papier bereits vor der Ankündigung im Blick: RBC Capital, Baird und Wells Fargo senkten Ende Juli bis Anfang August ihre Kursziele, blieben aber bei positiven Einstufungen. RBC-Analyst Deane Dray bestätigte Outperform bei einem gesenkten Kursziel von 38 US-Dollar, Baird taxierte das Papier demnach ebenfalls mit Outperform auf 45 US-Dollar, Wells Fargo vergab Buy mit einem Kursziel von 33 US-Dollar. Die Kurszielsenkungen fielen mit moderatem Margendruck nach den Quartalszahlen zusammen, obwohl Madison Air im zweiten Quartal 2026 ein starkes Auftragswachstum auswies.
Ob die Wettbewerbsbehörden in Europa und den USA den Deal ohne Auflagen passieren lassen, dürfte über die kommenden Monate den weiteren Kursverlauf der Madison Air-Aktie mitbestimmen. Investoren werden zudem beobachten, wie sich die angekündigten Synergien im Rechenzentrumsgeschäft konkret niederschlagen, sobald der Vollzug der Transaktion näher rückt.
Julia Walter, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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