SHEIN-Aktie wagt den Sprung an die Börse: IPO in Hongkong am 1. September
Der Fast-Fashion-Konzern SHEIN steht vor seinem lange erwarteten Börsendebüt in Hongkong. Am 1. September sollen die Aktien erstmals an der Hong Kong Stock Exchange gehandelt werden.
Werte in diesem Artikel
• SHEIN bietet rund 280 Millionen Aktien an
• Bewertung bleibt deutlich unter dem Rekordniveau von 2022
• Börsenpläne in New York und London waren zuvor gescheitert
Der Weg nach Hongkong
Die Geschichte von SHEIN begann 2012 in China. Heute ist das Unternehmen international tätig und bedient nach eigenen Angaben rund 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Märkten. An der Hong Kong Stock Exchange soll SHEIN künftig unter dem Börsenkürzel 00625 gehandelt werden.
Für den Börsengang bietet SHEIN nach Angaben im offiziellen Börsenprospekt 279.992.500 Class-B-Aktien zu einer Preisspanne von 47,60 bis 49,50 Hongkong-Dollar an. Rund 40 Prozent der Nettoerlöse will das Unternehmen in den Ausbau seiner technologischen Fähigkeiten investieren. Weitere rund 40 Prozent sind für die Stärkung der Marke und die internationale Expansion vorgesehen. Jeweils rund zehn Prozent sollen in Maßnahmen im Bereich Corporate Responsibility sowie für allgemeine Unternehmenszwecke fließen.
Zuvor hatte SHEIN bereits Börsengänge in New York und London angestrebt. Die Vorhaben kamen jedoch nicht zustande. In den USA spielten laut Forbes unter anderem Bedenken hinsichtlich der Lieferkette und des Umgangs mit Daten eine Rolle. Auch die Pläne für einen Börsengang in London wurden nicht umgesetzt.
Bewertung deutlich unter dem Höhepunkt von 2022
Auf Basis der für den Börsengang vorgesehenen Preisspanne liegt SHEINs angepeilte Marktkapitalisierung bei rund 27 Milliarden US-Dollar und damit deutlich unter der Bewertung von fast 100 Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen 2022 erreicht hatte. Forbes zufolge spiegelt der Abschlag unter anderem die zurückhaltendere Einschätzung der Investoren hinsichtlich des künftigen Wachstums wider.
Tatsächlich hat sich das Wachstum zuletzt abgeschwächt. Nach Angaben im Börsenprospekt erzielte SHEIN 2025 einen Umsatz von rund 41,8 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur noch um 1,1 Prozent.
Auch das operative Ergebnis ging zurück. Im ersten Quartal 2026 erzielte SHEIN einen operativen Gewinn von 258 Millionen US-Dollar, rund 26 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die operative Marge verringerte sich von 3,9 auf 2,9 Prozent. Unter dem Strich verbuchte das Unternehmen in den ersten drei Monaten des Jahres einen Nettoverlust von 99 Millionen US-Dollar.
Wachsender regulatorischer Druck
Neben der schwächeren Wachstumsdynamik ist SHEIN mit zusätzlichen Belastungen konfrontiert. Neue Zollregelungen in den USA und Europa sowie die Krise im Nahen Osten beeinträchtigten zuletzt das Geschäft, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.
Zudem steht das Unternehmen in mehreren Märkten unter regulatorischem Druck. In Frankreich wurde SHEIN 2026 laut Forbes mit einer Geldstrafe von umgerechnet rund 26 Millionen US-Dollar wegen Verstößen gegen Verbraucherschutzvorschriften belegt. Dabei ging es unter anderem um Bestellbestätigungen, Rückgabeprozesse und Umweltangaben.
Bereits 2025 hatte der Fund kindähnlicher Sexpuppen und weiterer verbotener Produkte auf SHEINs Marktplatz für Kritik gesorgt. Französische Behörden gingen daraufhin gegen die Plattform vor. Ein Versuch, die Plattform zu sperren, wurde später vom Pariser Berufungsgericht zurückgewiesen. Darüber hinaus sieht sich SHEIN unter anderem mit Kritik an seiner Umweltbilanz, Vorwürfen von Produktkopien sowie Vorwürfen zu den Arbeitsbedingungen in der Lieferkette konfrontiert.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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