Aktien von Samsung und SK hynix tiefrot: KI-Gewinne unter politischem Druck
Anleger am südkoreanischen Aktienmarkt nehmen am Freitag bei den bisherigen KI-Highflyern Gewinne mit. Auch Aussagen aus der Politik tragen dazu bei, dass die Anleger vorsichtiger werden.
• Nach Arbeitskampf bei Samsung wächst politischer Druck auf Tech-Branche
• Südkoreas Arbeitsminister fordert breitere Verteilung der KI-Gewinne
• Kritik der Opposition an den Vorschlägen
Der südkoreanische Aktienmarkt sendet zum Wochenschluss ein deutliches Signal. Die Aktien von Samsung Electronics und SK hynix, zwei wichtigen Profiteuren des globalen Booms bei künstlicher Intelligenz, geraten am Freitag spürbar unter Druck: Für die Samsung-Aktie geht es dabei an der Börse in Seoul um 6,40 Prozent auf 329.000 KRW runter, Papiere von SK hynix sackten daneben sogar um 9,92 Prozent auf 2.070.000 KRW ab.
Auslöser der Gewinnmitnahmen waren vor allem politische Aussagen aus Seoul. Der südkoreanische Arbeitsminister Kim Young-hoon forderte laut "Reuters", dass die großen Technologieunternehmen des Landes einen größeren Teil ihrer durch den KI-Boom erzielten Gewinne mit Zulieferern, Subunternehmern und Beschäftigten teilen sollten.
Überschussgewinne sollen breiter verteilt werden
Kaum ein Land profitiert derzeit so stark vom weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur wie Südkorea. Samsung Electronics und insbesondere SK hynix gehören zu den weltweit führenden Herstellern moderner Speicherchips. Die außergewöhnliche Nachfrage nach Hochleistungsspeichern für Rechenzentren, die große KI-Modelle trainieren und betreiben, hat in den vergangenen Jahren zu einem beispiellosen Gewinnanstieg geführt und die Bewertungen der Unternehmen in neue Höhen getrieben. Doch genau dieser Erfolg hat nun eine politische Debatte ausgelöst.
In einem Interview mit "Reuters" argumentierte Arbeitsminister Kim Young-hoon, dass die enormen Gewinne der großen Technologieunternehmen nicht ausschließlich das Ergebnis unternehmerischer Leistungen seien. Vielmehr beruhe der Erfolg auf einem komplexen Netzwerk von Zulieferern, Vertragsunternehmen, Beschäftigten und staatlicher Infrastruktur. Kim verwies dabei auf die mehr als 1.700 Unternehmen, die Teil der Lieferkette von Samsung und SK hynix sind. Diese hätten ebenso wie die Arbeitnehmer einen wesentlichen Anteil daran, dass die südkoreanischen Chipkonzerne heute von der globalen KI-Welle profitieren könnten. Deshalb sollten die "überschüssigen Gewinne" aus dem KI-Boom nicht allein bei den Aktionären verbleiben, sondern mit den Zulieferern, Subunternehmen und Beschäftigten geteilt werden.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur sprach sich der Minister dabei für einen öffentlichen Dialog zwischen allen beteiligten Parteien über neue Mechanismen aus, mit denen die zusätzlichen Erträge stärker in die Lieferketten und die Belegschaften zurückgeführt und die Kluft zwischen großen Mischkonzernen und kleineren Zulieferern verringert werden könnten. "Wir sollten im Rahmen des sozialen Dialogs neue Regeln für die Verteilung festlegen. Es ist unbestreitbar, dass die bemerkenswerten Erfolge von Samsung das Ergebnis der engagierten Anstrengungen von Belegschaft und Unternehmensführung sind", wird er bei "Reuters" zitiert. Dabei gehe es nach seiner Darstellung nicht um eine klassische Umverteilung, sondern um eine nachhaltige Stärkung des gesamten industriellen Ökosystems. "Das ist eindeutig eine Reinvestition", sagte er.
Arbeitskampf bei Samsung als Vorgeschichte
Die aktuelle Debatte kommt keineswegs aus dem Nichts. Bereits vor Kurzem war die Frage der Beteiligung der Beschäftigten an den Erfolgen der Chipindustrie in den Fokus gerückt. So hatten Gewerkschaften bei Samsung Electronics mit umfangreichen Arbeitskampfmaßnahmen gedroht, um höhere Löhne und eine stärkere Beteiligung an den Rekordgewinnen des Konzerns durchzusetzen. Der angedrohte Generalstreik konnte aber letztlich durch eine Vereinbarung zwischen Samsung und der Gewerkschaft abgewendet werden, die den Beschäftigten hohe Bonuszahlungen sicherte. Laut "Reuters" war Arbeitsminister Kim auch an der Ausarbeitung dieses Deals beteiligt.
Ein wirtschaftspolitischer Richtungsstreit
Generell berührt die Diskussion jedoch einen grundlegenden Konflikt, der weit über Südkorea hinausreicht. Weltweit stellt sich die Frage, wie die enormen Produktivitäts- und Gewinnsteigerungen durch künstliche Intelligenz verteilt werden sollen. Während Unternehmen und Investoren auf hohe Renditen setzen, argumentieren Gewerkschaften und Teile der Politik, dass die wirtschaftlichen Erträge breiter in der Gesellschaft ankommen müssten.
In Südkorea erhält diese Debatte besondere Bedeutung, weil die Volkswirtschaft traditionell stark von wenigen großen Industriekonzernen geprägt wird. Die sogenannten "Chaebols" - darunter Samsung - spielen eine dominierende Rolle für Beschäftigung, Exportleistung und technologische Entwicklung. Entsprechend aufmerksam wird verfolgt, wie die Regierung ihr Verhältnis zu den großen Konzernen gestaltet.
Kritiker aus der Opposition warnten laut "Reuters" bereits davor, dass staatliche Eingriffe in die Gewinnverwendung die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen könnten. Befürworter hingegen sehen in einer stärkeren Beteiligung von Arbeitnehmern und Zulieferern eine Möglichkeit, die gesellschaftliche Akzeptanz des KI-Booms langfristig zu sichern.
Warum Anleger nervös reagieren
Kapitalmärkte reagieren erfahrungsgemäß besonders empfindlich auf Unsicherheit über künftige Gewinnmargen. Wenn Anleger befürchten müssen, dass ein größerer Teil der Erträge künftig in höhere Löhne, bessere Zuliefererverträge oder andere Formen der Gewinnbeteiligung fließen könnte, sinkt die Attraktivität der erwarteten Cashflows für Aktionäre. Genau diese Sorge scheint sich am Freitag in den Kursverlusten niederzuschlagen.
Hinzu kommt, dass die Bewertungen von Samsung und insbesondere SK hynix zuletzt stark gestiegen waren. In einem Umfeld hoher Erwartungen genügt bereits eine politische Debatte, um Gewinnmitnahmen auszulösen.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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