Ökonomen-Stimmen zum erneuten Rückgang der deutschen Industrieproduktion
FRANKFURT (dpa-AFX) - In Deutschland ist die Produktion im verarbeitenden Gewerbe im Juni überraschend weiter gesunken. Im Monatsvergleich sei die Fertigung um 1,3 Prozent geschrumpft, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Analysten wurden von der schwachen Entwicklung überrascht. Sie hatten für Juni mit einer Erholung der Produktion gerechnet. Außerdem war der Produktionsdämpfer im Monat zuvor stärker als bisher bekannt ausgefallen. Im Mai war die Fertigung um revidiert 0,8 Prozent gesunken, nachdem zuvor nur ein Rückgang um 0,3 Prozent gemeldet worden war.
Zum Rückgang der deutschen Industrieproduktion Einschätzungen von Ökonomen im Überblick:
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt ING Bank
"Trotz aufgehobener Beschränkungen auf der ganzen Welt war die deutsche Industrieproduktion im zweiten Quartal schwächer als im ersten Quartal, da Lieferkettenfriktionen zu einer größeren Bedrohung für die deutsche Industrie geworden sind als die Pandemie."
Marco Wagner, Analyst Commerzbank
"Der Trend weist seit Jahresanfang nach unten. Die Lieferkettenprobleme sind nach wie vor eine bleierne Kette am Bein der Industrie - daran dürfte sich in den kommenden Monaten wenig ändern."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
"Der Mangel an Vorprodukten hinterlässt deutliche wirtschaftliche Bremsspuren. Ohne den gut laufenden Dienstleistungssektor sähe es derzeit um die konjunkturelle Entwicklung nicht besonders gut aus. Dies zeigt einmal mehr: Die wirtschaftlichen Folgewirkungen der Pandemie tragen merkwürdige Früchte."
Melanie Debono, Analystin bei Pantheon Macroeconomics
"Wir vermuten, dass Lieferengpässe die Aktivität in der Branche weiter dämpfen werden. Es bedarf einige Monate mit einer steigenden Autoproduktion, um Entwarnung zu geben. Allerdings sind wir zuversichtlich, dass die Produktion die Nachfrage bald einholen wird."
Andrew Kenningham, Chefvolkswirt Europa bei Capital Economics
"Der weitere Rückgang der deutschen Industrieproduktion im Juni auf 6,8 Prozent unter das Vor-Pandemie-Niveau unterstreicht, dass die Probleme im Automobilsektor eine ansonsten kräftige Konjunkturerholung bremsen werden. Es ist nun ungewiss, ob das BIP wie allgemein erwartet bis zum vierten Quartal dieses Jahres wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen wird."/jkr/jsl/mis