Akzo Nobel-Aktie reagiert euphorisch: Übernahmeangebot von Nippon Paint und Sherwin-Williams abgelehnt

Der Lack- und Farbenhersteller Akzo Nobel hat ein Übernahmeangebot von Nippon Paint Holdings und The Sherwin-Williams Company ausgeschlagen.
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Der Vorstand habe am 1. Mai ein zwei Tage zuvor eingegangenes unverbindliches und an Bedingungen geknüpftes Barangebot für sämtliche ausstehenden Akzo Nobel-Nobel-Aktien abgelehnt, teilte der Konzern am Mittwoch in Amsterdam mit. Stattdessen halten die Niederländer an ihren Fusionsplänen mit dem US-Rivalen Axalta fest.
Der Offerte zufolge sollten die Aktionäre 73,00 Euro je Aktie in bar erhalten, die reguläre Jahres- und Zwischendividende ausgenommen. Damit wäre Akzo Nobel mit rund 12,49 Milliarden Euro bewertet worden. Dem Vorstoß sei ein erstes Angebot vom 16. April vorausgegangen, das Akzo Nobel am 22. April abgelehnt habe, hieß es weiter.
Nippon Paint wollte ein öffentliches Barangebot unterbreiten. Nach Abschluss der geplanten Transaktion sollte der japanische Farben- und Lackehersteller die Geschäftsbereiche Decorative Paints und Industrial Coatings von Akzo Nobel behalten, während die Bereiche Automotive & Specialty Coatings, Marine & Protective Coatings sowie Powder Coatings separat an den Konkurrenten Sherwin-Williams aus den USA verkauft werden sollten.
Der Vorschlag sei nicht als "überlegenes Angebot" im Sinne der Fusionsvereinbarung mit dem US-Konkurrenten Axalta einzustufen und werde diese Kriterien auch voraussichtlich nicht erfüllen, begründete der Konzern seine Ablehnung. Der gebotene Preis bilde den Wert von Akzo Nobel und dessen langfristige Perspektiven, einschließlich der Vorteile der empfohlenen Fusion mit Axalta, bei weitem nicht angemessen ab.
Beide Gremien empfehlen daher weiterhin einstimmig die als Zusammenschluss unter Gleichen geplante Fusion von Akzo Nobel und Axalta.
Akzo Nobel und Axalta hatte im November die Pläne für den Zusammengang beider Unternehmen angekündigt.
Akzo Nobel springt an
Bei den Aktien von Akzo Nobel sind am Mittwoch Spekulationen um eine Alternative zur Fusion mit Axalta entbrannt. Das Chemieunternehmen selbst feuerte diese an mit der Aussage, ein Übernahmeangebot von Nippon Paint unter Beteiligung von Sherwin-Williams zurückgewiesen zu haben. Akzo sollte demnach unter beiden aufgeteilt werden.
Die Papiere des Farbenherstellers sprangen am Vormittag um etwa 17 Prozent an. Laut Barclays-Analystin Katie Richards trug ein "Short-Squeeze" zu dieser Dynamik bei. Zuletzt ging es via EURONEXT um 17,4 Prozent nach oben auf 61,66 Euro. Dabei werden Spekulanten, die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse gesetzt hatten, im Zuge anziehender Kurse durch Käufe dazu gezwungen, ihre Positionen einzudecken.
Mit den Gewinnen bügelten die Akzo-Aktien die Kursdelle der vergangenen Monate aus, die den Kurs im März auf ein Sechsjahrestief gedrückt hatte. Der Kurs erreichte nun wieder das Niveau vom Februar. Übergeordnet näherte er sich mit bis zu 61,38 Euro dem oberen Ende der Zweijahresspanne, die von 46 bis etwa 65 Euro reicht.
Das abgelehnte Angebot lag deutlich über dieser Spanne bei 73 Euro je Aktie. Der gebotene Preis bilde den Unternehmenswert und langfristige Perspektiven aber bei weitem nicht angemessen ab, wurde die Ablehnung begründet. Der Vorschlag sei auch nicht überlegen im Vergleich mit einer Fusionsvereinbarung, die Akzo im November mit dem US-Autolack-Spezialisten Axalta Coating Systems abgeschlossen hat. Dessen Aktien legten am Mittwoch im vorbörslichen US-Handel mehr als sieben Prozent zu. Sherwin-Papiere wurden dort ein Prozent höher gehandelt.
Barclays-Analystin Richards sprach zwar von einem ordentlichen Aufschlag, nachdem sich der Kurs seit Anfang März maximal bei 55 Euro bewegt hatte. Gemessen am operativen Ergebnis (Ebitda) liege die Bewertung aber unter vergleichbaren Transaktionen im Farbenbereich, was die Ablehnung durch den Vorstand stütze.
Generell glaubt Richards, dass es für Anleger nicht ganz überraschend kommt, dass bei der Axalta-Fusion noch jemand dazwischen funkt. Es sei klar gewesen, dass als Alternative nur eine vollständige Übernahme infrage komme, die sie allerdings für kapitalintensiv und strategisch komplex hielte. Vor diesem Hintergrund glaubt sie, dass zuletzt auf fallende Kurse gesetzt wurde - und dies stärker mit Akzo als mit Axalta.
Was die Beteiligung von Nippon Paint betrifft, zeigte sich die Expertin nicht überrascht, nachdem die Japaner 2017 schon Interesse an Axalta gezeigt hätten. Nun wollten sie ein öffentliches Barangebot für Akzo unterbreiten und dann drei Geschäftsbereiche an die Amerikaner von Sherwin-Williams abgeben.
/err/tav/stk
AMSTERDAM (dpa-AFX)
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Bildquellen: Akzo Nobel N.V.