KI statt Games? Ausstieg aus japanischen Spielestudio-Beteiligungen schickt Tencent-Aktie gen Süden
Tencent erwägt den Verkauf von Anteilen an mehreren japanischen Spielestudios. Am Markt kommt der Fokus auf KI offenbar nicht gut an.
Werte in diesem Artikel
• Tencent-Aktie in Hongkong unter Druck
• Bericht über mögliche Verkäufe mehrerer japanischer Studiobeteiligungen
• Auch Aktie von Marvelous, 2020 von Tencent zu 20 Prozent übernommen, gibt nach
Die Tencent-Aktie verlor am Dienstag in Hongkong schlussendlich 4,11 Prozent auf 415,20 HKD. Auslöser war ein Bloomberg-Bericht, laut dem der chinesische Technologiekonzern den Ausstieg aus mehreren Minderheitsbeteiligungen an japanischen Spielestudios prüfe. In einigen Fällen erwäge Tencent, Anteile an Managementteams zurückzuverkaufen, auch unterhalb des ursprünglichen Einstiegspreises. Auch die Aktien von Marvelous, einem der betroffenen Studios, gaben in Tokio letztlich um 2,29 Prozent auf 427 JPY nach.
KI-Investitionen verdrängen Gaming-Portfolio
Bloomberg berichtet unter Berufung auf informierte Kreise, Tencent überprüfe Beteiligungen, bei denen die erwarteten strategischen Synergien nicht mehr bestehen, und leite Ressourcen in Bereiche mit stärkerem Wachstum um. Hintergrund ist der wachsende Kapitalbedarf für Investitionen in künstliche Intelligenz, die das globale Gaming-Portfolio des Konzerns zunehmend in den Hintergrund drängen. Die weltweite Videospielbranche befindet sich zudem in einer anhaltenden Wachstumsflaute, die das Renditeversprechen früher Auslandsinvestitionen weiter drückt.
Marvelous betroffen, FromSoftware und PlatinumGames nicht
Zu den geprüften Positionen gehört dem Bericht zufolge unter anderem Marvelous. Tencent war im Mai 2020 über die Tochter Image Frame Investment mit rund 20 Prozent eingestiegen, zahlte 576 Yen je Aktie, damit in Summe etwa 65 Millionen US-Dollar und wurde zum größten Anteilseigner des Studios hinter der Reihe Story of Seasons. Derzeit notiert Marvelous rund ein Viertel unter diesem Einstandspreis. Nicht auf dem Prüfstand stehen dem Bericht zufolge die Beteiligungen an PlatinumGames sowie an KADOKAWA, der Konzernmutter von FromSoftware (Elden Ring). An KADOKAWA hält Tencent knapp acht Prozent, größter Aktionär ist seit Ende 2024 Sony mit rund zehn Prozent.
Tencent betont, man bleibe den Portfoliounternehmen und dem japanischen Spielemarkt langfristig verbunden. Ob aus der Prüfung tatsächlich Verkäufe werden, dürften zunächst Pflichtmitteilungen über Anteilsveränderungen an der Tokioter Börse zeigen. Den breiteren Datenpunkt liefern die nächsten Quartalszahlen von Tencent, an denen sich ablesen lässt, wie schnell der Konzern Kapital vom Gaming-Portfolio in Richtung künstliche Intelligenz umschichtet.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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