China-ETF

Erst ein Absturz um fast die Hälfte, dann eine Rally um mehr als das Doppelte: Was hinter dieser Achterbahnfahrt steckt

09.07.26 14:00 Uhr

Xtrackers MSCI China UCITS ETF 1C (LU0514695690): Chancen, Risiken und Eignung für Anleger | finanzen.net

Erst stürzte dieser China-ETF binnen zwei Jahren um fast die Hälfte ab, dann hat er sich seit 2024 wieder mehr als verdoppelt. Chancen und Risiken liegen hier eng beieinander.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 2022 und 2023 verlor dieser Fonds in Summe fast ein Drittel seines Wertes, seit 2024 hat er sich dagegen wieder deutlich erholt, ein Muster mit klar benennbaren Ursachen auf beiden Seiten.
  • Ein einzelnes KI-Modell aus einem chinesischen Hedgefonds-Ableger hat 2025 binnen Wochen die Stimmung für den gesamten chinesischen Technologiesektor gedreht.
  • Ein politisches Risiko, das viele Anleger fast vergessen hatten, ist 2026 wieder aufgetaucht und betrifft ausgerechnet die Art, wie manche der größten Positionen dieses Fonds überhaupt gehandelt werden.

Über 570 Aktien aus China: Was der Xtrackers MSCI China abbildet

Der Xtrackers MSCI China UCITS ETF 1C bildet den MSCI China Index nach, der große und mittelgroße chinesische Unternehmen bündelt, darunter sowohl in Hongkong notierte H-Aktien und Red Chips als auch in den USA notierte ADRs mit Bezug zu China. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und thesauriert seine Erträge. Bei den Kosten liegt er mit 0,65 Prozent pro Jahr am oberen Ende seines Vergleichsfelds. Der größte Wettbewerber, der iShares MSCI China UCITS ETF, verlangt mit 0,28 Prozent weniger als die Hälfte. Eine günstigere, ausschüttende Xtrackers-Variante mit einer TER von 0,28 Prozent existiert ebenfalls bereits, sie ist jedoch deutlich jünger und verfügt über weniger Kurshistorie. Für einen ersten Überblick über die bisherige Wertentwicklung eignet sich deshalb die hier vorgestellte, seit 2010 am Markt etablierte, aber teurere thesaurierende Variante besser. Mit einem Fondsvolumen von 940 Millionen Euro und 577 Positionen zählt der Fonds zu den etablierten, aber nicht größten Adressen für ein Investment in chinesische Aktien.

Absturz 2022/2023, Erholung seit 2024: Was hinter der Achterbahnfahrt steckt

Kaum ein großer Aktienmarkt hat in den vergangenen Jahren eine derart wechselhafte Geschichte durchlebt wie der chinesische. 2022 und 2023 verlor dieser ETF in Summe fast ein Drittel seines Wertes, ausgelöst durch eine Kombination mehrerer Belastungen: eine harte regulatorische Kampagne Pekings gegen große Technologiekonzerne, die tiefe Krise am chinesischen Immobilienmarkt rund um den überschuldeten Bauriesen Evergrande, die strikte Null-Covid-Politik mit wiederholten Lockdowns sowie wachsende geopolitische Spannungen zwischen China und den USA, verstärkt durch Sorgen um Taiwan und um ein mögliches Delisting chinesischer Aktien von US-Börsen. Ausländisches Kapital zog sich in dieser Phase in großem Umfang zurück, die Bewertungen chinesischer Aktien fielen auf teils historische Tiefstände. Die Wende kam ab Herbst 2024, als Chinas Zentralbank ein umfassendes Konjunkturpaket mit Zinssenkungen, Liquiditätsspritzen und gezielter Stützung des Immobilien- und Aktienmarktes auf den Weg brachte. Den eigentlichen Auslöser für die seither anhaltende Rally lieferte jedoch nicht die Politik, sondern die chinesische Technologiebranche selbst: Anfang 2025 sorgte das KI-Modell des chinesischen Start-ups DeepSeek für Aufsehen, weil es eine mit westlichen Spitzenmodellen vergleichbare Leistung zu einem Bruchteil der Kosten bot und zugleich unabhängiger von US-Chiptechnologie funktionierte. Binnen Wochen stufte ein Großteil der internationalen Anlegerschaft chinesische Technologiewerte von praktisch unkaufbar zu unterbewertet um, was seither immer wieder neue Kursschübe ausgelöst hat, zuletzt erneut im Zuge weiterer KI-Fortschritte chinesischer Anbieter. Ob sich dieser Aufwärtstrend fortsetzt, lässt sich nicht seriös vorhersagen, es gibt jedoch Argumente in beide Richtungen: Für eine Fortsetzung sprechen die im Vergleich zu US-Technologiewerten weiterhin deutlich günstigeren Bewertungen sowie die technologische Aufholjagd chinesischer KI-Anbieter. Gegen eine geradlinige Fortsetzung sprechen ungelöste strukturelle Probleme wie die weiterhin angespannte Immobilienbranche, eine schrumpfende und alternde Bevölkerung sowie ein US-China-Verhältnis, das sich zwar 2025 etwas entspannt hat, aber im Sommer 2026 mit gegenseitigen Sanktionslisten erneut Spannungen zeigt.

Tencent, Alibaba und China Construction Bank: Die Schwergewichte im Fonds

Die zehn größten Positionen vereinen rund 41 Prozent des Fondsvermögens. Mit weitem Abstand größte Position ist Tencent mit etwa 14 Prozent. Der Internetkonzern hat zuletzt sein KI-Modell Hunyuan Hy3 offiziell vorgestellt, das verbesserte Agenten-Fähigkeiten bieten und tiefer in die eigenen Produkte wie den Messenger WeChat integriert werden soll, ein zentraler Baustein der Strategie, die enorme Nutzerbasis stärker mit KI zu monetarisieren. Auf Platz zwei folgt Alibaba mit gut 9 Prozent. Der E-Commerce- und Cloud-Riese hat eine mehrjährige Partnerschaft mit der UEFA für die Übertragungszeiträume 2027 bis 2033 rund um Männer-Clubwettbewerbe und die EURO 2028 angekündigt, ein Zeichen dafür, dass der Konzern trotz seines KI-Fokus weiterhin auch in internationale Markenpräsenz investiert. Die dritte Schwergewichts-Position ist China Construction Bank mit knapp 4 Prozent, eine der größten Geschäftsbanken des Landes mit einem dichten Filialnetz auch außerhalb Chinas. Die Bank veröffentlichte zuletzt ihre reguläre Medienmitteilung mit aktuellen Geschäftszahlen, die die trotz wirtschaftlicher Unsicherheit weiterhin hohe Profitabilität der großen chinesischen Staatsbanken unterstreicht. Dahinter folgen mit unter anderem https://www.finanzen.net/aktien/industrial_and_commercial_bank_of_china_1-aktie, Xiaomi und Meituan weitere Schwergewichte aus Finanzwesen, Technologie und E-Commerce.

Über neunzig Prozent China, kaum Streuung nach Sektoren: Wo das Risiko liegt

Regional entfallen knapp 90 Prozent des Fonds auf Festlandchina, weitere gut 4 Prozent auf Hongkong. Nach Sektoren dominieren zyklische Konsumgüter mit gut 22 Prozent, gefolgt von Finanzdienstleistungen mit rund 19 Prozent, Telekommunikation mit etwa 18 Prozent und Technologie mit knapp 11 Prozent, eine im Vergleich zu vielen anderen Länder-ETFs recht breite Streuung über mehrere große Branchen. Bei der Rendite zeigt sich das beschriebene Muster deutlich. 2022 stand ein Minus von rund 17 Prozent, 2023 ein weiteres Minus von 15 Prozent, seit 2024 dagegen ein Plus von 26 Prozent und 2025 ein weiteres Plus von 15 Prozent zu Buche. Über drei Jahre steht ein Plus von 23 Prozent, über fünf Jahre dagegen noch immer ein Minus von rund Prozent, ein Beleg dafür, wie tief der vorherige Einbruch war. Diese Werte sind historische Wertentwicklungen und keine Garantie für die Zukunft. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei ungefähr 18 Prozent und über fünf Jahre bei sogar 26 Prozent, deutlich höher als bei breiten Welt-ETFs. Der maximale Verlust seit Auflage liegt bei 57 Prozent, ein deutlicher Hinweis darauf, dass Anleger in diesem Markt auch über mehrere Jahre erhebliche Rückschläge aushalten mussten und potenziell wieder aushalten müssen.

Für wen sich dieser China-ETF eignet

Der Fonds eignet sich nicht als Grundbaustein eines Portfolios, sondern allenfalls als gezielte, spekulative Beimischung für Anleger, die bewusst an das langfristige Aufholpotenzial chinesischer Aktien glauben und dafür sowohl die hohe Volatilität als auch politische Risiken in Kauf nehmen. Wer investiert, sollte sich insbesondere über zwei Punkte im Klaren sein: Zum einen bleibt das Verhältnis zwischen den USA und China ungeachtet zwischenzeitlicher Entspannung ein Unsicherheitsfaktor, der sich in Handelsbeschränkungen, gegenseitigen Sanktionslisten oder im ungelösten Streit um ein mögliches Delisting chinesischer Aktien von US-Börsen jederzeit wieder verschärfen kann. Zum anderen bleibt der chinesische Immobiliensektor eine strukturelle Belastung für die Binnenwirtschaft, deren vollständige Bereinigung noch nicht abgeschlossen ist. Wer diese Risiken kennt und trotzdem von der technologischen Aufholjagd chinesischer Konzerne sowie den im internationalen Vergleich weiterhin günstigen Bewertungen überzeugt ist, kann den Fonds als eine von mehreren möglichen Ergänzungen zu einem bereits breit gestreuten Basisinvestment prüfen. Ein langer Anlagehorizont und eine hohe Risikotoleranz sind dafür Grundvoraussetzung.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf ein einzelnes Land kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.

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Bildquellen: anekoho / Shutterstock.com, leungchopan / Shutterstock.com

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