VanEck Semiconductor ETF: Vom Nachfrageeinbruch zum globalen Versorgungsengpass

Erst stürzte der Halbleiter-ETF 2022 um mehr als ein Drittel ab, dann folgten drei Jahre in Folge mit jeweils mehr als dreißig Prozent Plus. Die Geschichte hinter dieser Achterbahnfahrt.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 2022 verlor dieser Fonds mehr als ein Drittel seines Wertes, seit 2023 folgten drei Jahre mit jeweils über 30 Prozent Plus, ein Muster mit einer klaren, technologiegetriebenen Erklärung.
- Über 77 Prozent des Fonds werden als USA klassifiziert, dabei stecken darin auch Unternehmen aus Taiwan und den Niederlanden, ein Effekt, der direkt mit der Indexkonstruktion zusammenhängt.
- Aus einem Nachfrageeinbruch ist binnen drei Jahren ein globaler Versorgungsengpass geworden, der inzwischen sogar Preise für Alltagselektronik nach oben treibt.
Nur 25 Aktien, aber der größte Halbleiter-ETF überhaupt: Wie der Index funktioniert
Der VanEck Semiconductor UCITS ETF bildet den MarketVector US Listed Semiconductor 10% Capped Screened Index nach. Entscheidend für das Verständnis dieses Fonds ist ein Detail, das im Namen des Index steckt: "US Listed" bedeutet nicht, dass nur Unternehmen mit Sitz in den USA enthalten sind, sondern dass der Index weltweit tätige Halbleiterunternehmen erfasst, die in den USA börsennotiert sind. Trotzdem taucht in der Länderaufteilung ein USA-Anteil von 77 Prozent auf, obwohl mit Taiwan Semiconductor und ASML Holding zwei der zehn größten Positionen aus Taiwan beziehungsweise den Niederlanden stammen. Zusätzlich begrenzt der Index das Gewicht jedes einzelnen Unternehmens bei der vierteljährlichen Anpassung auf maximal 10 Prozent, was die extreme Konzentration etwas abfedert, sie angesichts von nur 25 enthaltenen Aktien aber nicht verschwinden lässt. Die zehn größten Positionen vereinen fast 80 Prozent des Fondsvermögens. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und thesauriert seine Erträge. Bei den Kosten liegt er mit 0,35 Prozent pro Jahr exakt auf dem Niveau seiner größten Konkurrenten, etwa des iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF, der im Unterschied dazu tatsächlich weltweit gestreut in rund 260 Werte investiert, darunter auch Unternehmen wie den südkoreanischen Speicherhersteller SK Hynix, die im VanEck-Fonds mangels US-Notierung fehlen. Mit einem Fondsvolumen von 7,6 Milliarden Euro ist der VanEck-Fonds trotzdem der größte ETF auf die Halbleiterbranche.
Vom Absturz zum Versorgungsengpass: Was 2022 und seither passiert ist
2022 verlor der Fonds gut 30 Prozent, ausgelöst durch eine klassische Überkorrektur nach dem Corona-Boom: Verbraucher hatten während der Pandemie in großem Stil PCs, Laptops und Unterhaltungselektronik gekauft. Die Nachfrage brach danach abrupt ein, während gleichzeitig die stark gestiegenen Leitzinsen besonders die hoch bewerteten Technologiewerte der Branche unter Druck setzten. Die Folge war ein sogenannter Memory-Crash, ein deutlicher Preisverfall bei Speicherchips, der zeitweise die gesamte Branche in eine Gewinnkrise stürzte. Die Wende kam mit dem Aufstieg generativer KI ab Ende 2022. Die explodierende Nachfrage nach Grafikprozessoren für das Training und den Betrieb von KI-Modellen hat seit 2023 einen regelrechten Nachfrage-Superzyklus ausgelöst, der sich inzwischen weit über Grafikchips hinaus auf praktisch die gesamte Lieferkette ausgeweitet hat. Besonders deutlich zeigt sich das bei Speicherchips. Moderne KI-Beschleuniger benötigen ein Vielfaches des Speichers klassischer Prozessoren, was die Nachfrage nach Speicherchips derart in die Höhe treibt, dass selbst Hersteller von PCs und Smartphones inzwischen um Kapazitäten konkurrieren müssen und ihre Preise anheben. Ob sich dieser Aufwärtstrend fortsetzt, hängt maßgeblich davon ab, ob es sich tatsächlich um eine strukturelle Verschiebung handelt oder um einen weiteren der historisch typischen Boom-Bust-Zyklen der Branche, wie sie schon beim Dotcom-Boom um die Jahrtausendwende oder beim China-getriebenen Speicherzyklus 2017/2018 zu beobachten waren. Für eine strukturelle Verschiebung sprechen die enormen, mehrjährig geplanten Investitionen der großen Technologiekonzerne in KI-Rechenzentren sowie Prognosen, nach denen sich die Speicherknappheit erst gegen Ende des Jahrzehnts entspannen könnte. Gegen eine geradlinige Fortsetzung spricht die grundsätzliche Zyklik der Branche, die in der Vergangenheit wiederholt zu Überkapazitäten und plötzlichen Preiseinbrüchen geführt hat, sobald sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage einmal drehte.
Micron, AMD und Broadcom: Die Schwergewichte im Fonds
Größte Position ist mit rund 14 Prozent Micron Technology, einer der weltweit größten Speicherchiphersteller und einer der Hauptprofiteure der aktuellen Speicherknappheit. Micron kündigte zuletzt eine strategische Investition von bis zu 3 Milliarden US-Dollar an, um das amerikanische Halbleiter-Ökosystem zu stärken, ein Zeichen für die enormen Summen, die derzeit in zusätzliche Fertigungskapazitäten fließen. Auf Platz zwei folgt AMD mit etwa 12 Prozent. Der Chiphersteller hat zuletzt Investitionen von bis zu 2 Milliarden britischen Pfund angekündigt, um KI-Innovation und -Forschung in Großbritannien zu beschleunigen, ein Beleg für die globale Expansion der KI-Chip-Aktivitäten des Konzerns über die USA hinaus. An dritter Stelle steht Broadcom mit etwas mehr als 8 Prozent. Gemeinsam mit OpenAI hat der Konzern einen speziell für große Sprachmodelle optimierten Intelligence Processor vorgestellt, ein Beispiel dafür, wie sich Chiphersteller zunehmend eng mit den KI-Anwendern selbst verzahnen, statt nur Standardhardware zu liefern. Dahinter folgen mit Intel, Taiwan Semiconductor und ASML Holding weitere zentrale Namen der Branche, wobei TSMC als weltgrößter Auftragsfertiger und ASML als praktisch konkurrenzloser Anbieter von Lithografie-Anlagen für modernste Chipfertigung gelten.
Was die wichtigsten Kennzahlen über die Branche verraten
Bei den Sektoren zeigt sich naturgemäß eine fast vollständige Konzentration auf Technologie mit rund 78 Prozent des Fonds. Bei der Rendite erzählt eine einzige Kennzahlenreihe die ganze Geschichte: minus 31 Prozent im Jahr 2022, gefolgt von plus 67, plus 31 und plus 33 Prozent in den drei folgenden Jahren, und allein im laufenden Jahr bislang ein Plus von 82 Prozent. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei etwa 38 Prozent, deutlich höher als bei den meisten anderen Themen-ETFs, und der maximale Verlust seit Auflage bei 38,2 Prozent, ein klarer Hinweis darauf, dass die beeindruckenden Renditen der vergangenen Jahre mit einem entsprechend hohen Rückschlagrisiko einhergehen.
Für wen sich dieser Halbleiter-ETF eignet
Der Fonds eignet sich nicht als Grundbaustein eines Portfolios, sondern allenfalls als gezielte, spekulative Beimischung für Anleger, die bewusst auf die langfristige Bedeutung von Halbleitern für Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Digitalisierung insgesamt setzen möchten. Wer investiert, sollte sich bewusst sein, dass die Branche historisch stark zyklisch verläuft und auch scheinbar strukturelle Aufwärtstrends in der Vergangenheit wiederholt in abrupte Abschwünge gemündet sind. Die hohe Konzentration auf nur 25 Werte sowie auf einen einzigen Sektor bedeutet zudem ein deutlich höheres Risiko als bei einem breit gestreuten Welt-ETF. Ein langer Anlagehorizont, eine hohe Risikotoleranz und das Bewusstsein, dass auf drei sehr starke Jahre jederzeit wieder ein Jahr wie 2022 folgen kann, sind für dieses Investment Voraussetzung.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einen einzelnen Sektor kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.
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| 25.06.2026 | Micron Technology Neutral | Goldman Sachs Group Inc. | |
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| 08.04.2019 | Micron Technology Market Perform | Cowen and Company, LLC | |
| 19.12.2018 | Micron Technology Hold | Needham & Company, LLC | |
| 19.12.2018 | Micron Technology Sector Perform | RBC Capital Markets |
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| 24.05.2017 | Micron Technology Reduce | Standpoint Research | |
| 10.06.2011 | Micron Technology sell | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 09.12.2008 | Micron Technology Neueinschätzung | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 29.09.2008 | Micron Technology Ersteinschätzung | JMP Securities LLC | |
| 04.04.2008 | Micron Technology below average | Caris & Company, Inc. |
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