Deutschland-ETF

DAX ETF: Die deutsche Wirtschaft schrumpft seit Jahren, der wichtigste heimische Aktienindex klettert trotzdem von einem Rekordhoch zum nächsten

08.07.26 14:00 Uhr

Amundi Core DAX UCITS ETF (LU2611732046): Warum der DAX seit 2023 so stark läuft und was das für Anleger bedeutet | finanzen.net

Die deutsche Wirtschaft steckt seit Jahren in der Krise, und trotzdem hat der DAX seit 2023 ein Rekordhoch nach dem anderen aufgestellt. Wir erklären diesen scheinbaren Widerspruch.

Werte in diesem Artikel
Aktien

424,10 EUR 2,70 EUR 0,64%

139,00 EUR 0,56 EUR 0,40%

271,75 EUR 0,00 EUR 0,00%

ETFs

189,61 EUR -2,63 EUR -0,01%

Indizes

25.103,0 PKT -15,3 PKT -0,06%

Das Wichtigste in Kürze:

  • Während die deutsche Wirtschaft seit 2023 kaum wächst, hat der DAX in genau diesem Zeitraum eine der stärksten Rallyes seiner Geschichte hingelegt, ein Widerspruch, der sich bei genauerem Hinsehen auflöst.
  • Die Dividendenrendite dieses ETFs ist seit 2023 spürbar gesunken, obwohl die Ausschüttungen in Euro zuletzt sogar wieder gestiegen sind, ein mathematischer Effekt, den Anleger richtig einordnen sollten.
  • Zwei der vierzig Indexmitglieder werden offiziell einem anderen Land zugerechnet, obwohl sie zu den bekanntesten deutschen Industriemarken zählen.

Vierzig Konzerne, ein Index: Was der Amundi Core DAX abbildet

Der Amundi Core DAX UCITS ETF Dist bildet den DAX-Index nach, der die 40 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse bündelt. Um aufgenommen zu werden, muss ein Unternehmen seinen juristischen Sitz oder operativen Hauptsitz in Deutschland, der EU oder einem EFTA-Staat haben, wobei bei ausländischem Sitz mindestens ein Drittel des Handelsumsatzes auf die Frankfurter Börse entfallen muss. Der Fonds repliziert den Index physisch und vollständig, kauft also tatsächlich alle 40 enthaltenen Aktien, und schüttet seine Erträge jährlich aus, statt sie zu reinvestieren. Bei den laufenden Kosten ist der Fonds mit 0,08 Prozent pro Jahr der günstigste unter den großen DAX-ETFs: Der iShares Core DAX UCITS ETF verlangt mit 8,8 Milliarden Euro Fondsvolumen zwar deutlich mehr verwaltetes Vermögen, kostet mit 0,16 Prozent aber doppelt so viel, und auch der zweitgrößte Wettbewerber, der Xtrackers DAX UCITS ETF 1C, liegt mit 0,09 Prozent knapp über dem Amundi-Fonds. Mit einem Fondsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro zählt der Amundi Core DAX zu den etablierten, wenn auch nicht größten Adressen in diesem Marktsegment.

Rekordhoch trotz Wirtschaftskrise: Was Anleger von einer DAX-Investition erwarten sollten

Wer diesen ETF kauft, investiert in einen Index, dessen jüngste Wertentwicklung auf den ersten Blick wenig mit der Lage der deutschen Wirtschaft zu tun hat. Während das Bruttoinlandsprodukt 2023 schrumpfte und 2024 und 2025 erneut kaum wuchs, hat der DAX im selben Zeitraum mehrfach neue Rekordstände erreicht und Anfang 2026 erstmals die Marke von 25.000 Punkten übersprungen. Die Erklärung dafür liegt darin, dass die Börse nicht die Gegenwart bepreist, sondern Erwartungen an die Zukunft. Mehrere konkrete Faktoren haben diese Erwartungen seit 2023 spürbar verbessert. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins in mehreren Schritten von 4,0 auf 2,0 Prozent gesenkt, was Finanzierungskosten für Unternehmen senkt und Aktien im Vergleich zu Anleihen attraktiver macht. Hinzu kommen milliardenschwere Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben der Bundesregierung, die mittlerweile auch bei den Auftragsbüchern deutscher Industriekonzerne ankommen, sowie ein durch den weltweiten KI-Boom ausgelöster Nachfrageschub nach Energie- und Netzinfrastruktur, von dem Konzerne wie Siemens Energy überproportional profitieren. Anleger, die in diesen ETF investieren, sollten sich bewusst sein, dass diese Rally auf relativ wenigen, konkreten Treibern beruht und weniger auf einer breiten Erholung der deutschen Konjunktur. Die Erwartungshaltung sollte deshalb lauten: Der DAX kann auch dann weiter steigen, wenn sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland nur langsam verbessert, solange Zinssenkungen, Staatsausgaben und die genannten Wachstumsbranchen weiter Rückenwind liefern. Als Risiko gilt umgekehrt, dass die Unternehmensgewinne und die Dividendensumme des DAX in den vergangenen Jahren kaum gewachsen sind, was die Bewertung des Index inzwischen als ambitioniert erscheinen lässt. Sollten die für 2026 von Analysten erwarteten Gewinnsteigerungen von 6 bis 8 Prozent ausbleiben, oder sollten sich geopolitische Risiken wie der Ukraine-Krieg oder Handelskonflikte wieder verschärfen, wäre eine Korrektur nach der langen Rally nicht ungewöhnlich.

Siemens, SAP und Allianz: Die Schwergewichte im Index

Die zehn größten Positionen vereinen rund 65 Prozent des Fondsvermögens. Zu den größten Positionen zählt Siemens, der Industriekonzern aus Automatisierung, Digitalisierung und Gesundheitstechnik. Siemens kündigte zuletzt eine Investition von 300 Millionen Euro in Deutschland an, verbunden mit der Schaffung von 700 neuen Arbeitsplätzen bis 2030, ein Signal für anhaltendes Vertrauen in den heimischen Industriestandort. Ebenfalls zu den Schwergewichten zählt SAP, mit weitem Abstand das größte Softwareunternehmen im DAX. SAP schloss zuletzt die Übernahme des Datenmanagement-Spezialisten Dremio ab, ein weiterer Baustein in der Strategie des Konzerns, sein Cloud- und KI-Angebot durch gezielte Zukäufe auszubauen. Die dritte Schwergewichts-Position ist Allianz, einer der größten Versicherungs- und Finanzdienstleistungskonzerne der Welt. Eine aktuelle Allianz-Studie zeigt, dass finanzielle Sorgen der Bevölkerung 2026 erstmals mit gesundheitlichen Sorgen gleichziehen, ein Trend, der langfristig auch die Nachfrage nach Vorsorge- und Versicherungsprodukten prägen dürfte. Auffällig bei einem Blick auf die Zusammensetzung: Zwei der 40 Indexmitglieder, Airbus und Qiagen, werden bei der Länderzuordnung offiziell den Niederlanden zugerechnet, weil beide Unternehmen dort ihren juristischen Sitz haben, obwohl Airbus einen Großteil seiner Luft- und Raumfahrtfertigung in Deutschland betreibt und auch Qiagen operativ von Hilden aus geführt wird. Der DAX lässt einen solchen EU-Sitz ausdrücklich zu, solange ein wesentlicher Teil des Handels in Frankfurt stattfindet, weshalb diese beiden Unternehmen trotz ihrer engen Verbindung zum deutschen Wirtschaftsstandort statistisch nicht als deutsch gelten.

Kein reiner Industrie-Index: Warum die Branchenstreuung breiter ist, als man denkt

Anders als viele Themen-ETFs mit extremer Abhängigkeit von einer einzelnen Branche ist der DAX zwar von der Industrie geprägt, aber keineswegs auf sie beschränkt. Neben Industriekonzernen wie Siemens tragen auch Finanzdienstleister wie Allianz und die Munich Re sowie Technologiewerte wie SAP und Infineon einen relevanten Teil zur Wertentwicklung bei. Für die Industrie sprechen langfristig der Ausbau von Elektrifizierung, Automatisierung und Energieinfrastruktur sowie die staatlichen Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben. Für die Finanzdienstleister sprechen die trotz sinkender Zinsen weiterhin hohen Gewinne der Rückversicherer und die strukturell wachsende Nachfrage nach Altersvorsorge- und Versicherungsprodukten in einer alternden Gesellschaft. Für die Technologiewerte sprechen die fortschreitende Cloud- und KI-Transformation der Unternehmens-IT, wobei hier zugleich der stärkste Wettbewerbsdruck durch US-Hyperscaler droht. Bei der Rendite zeigt sich die beschriebene Rally deutlich. Über drei Jahre steht ein Plus von 64 Prozent zu Buche, über fünf Jahre von 62 Prozent, mit 2022 als einzigem deutlichen Verlustjahr der jüngeren Historie. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei 16 Prozent, spürbar höher als bei vielen breiten Welt-ETFs, der maximale Verlust seit Auflage bei 44 Prozent, ein Hinweis auf die höhere Schwankungsanfälligkeit eines auf ein einzelnes Land konzentrierten Index. Bei der Dividende zeigt sich ein auf den ersten Blick widersprüchliches Bild: Die aktuelle Ausschüttungsrendite liegt bei 1,9 Prozent, deutlich niedriger als die 3,5 Prozent von 2023, obwohl die Ausschüttung je Anteil zuletzt mit 3,70 Euro sogar wieder über dem Niveau von 2024 lag. Der Grund dafür ist überwiegend mathematisch. Die Ausschüttungsrendite berechnet sich aus der Dividende geteilt durch den aktuellen Kurs, und weil der Kurs seit 2023 deutlich schneller gestiegen ist als die Dividendensumme der DAX-Unternehmen, sinkt die Rendite selbst dann, wenn die absolute Ausschüttung stabil bleibt oder leicht wächst. Ob sich dieser Rückgang fortsetzt, hängt davon ab, ob die Kurse weiter schneller steigen als die Gewinne. Bei den für 2026 erwarteten Gewinnsteigerungen von 6 bis 8 Prozent ist ein weiterer, aber wohl moderaterer Rückgang der Ausschüttungsrendite das wahrscheinlichere Szenario als eine schnelle Erholung.

Für wen sich der Fonds als Depotbaustein eignet

Der Fonds eignet sich nicht als alleiniger Grundbaustein eines Portfolios, sondern als gezielte Beimischung zur Diversifizierung eines bereits global gestreuten Depots, etwa für Anleger, die dem deutschen Wirtschaftsstandort und seinen Industrie-, Finanz- und Technologiekonzernen bewusst ein zusätzliches Gewicht geben möchten. Wer investiert, sollte davon überzeugt sein, dass die aktuellen Treiber der Rally, sinkende Zinsen, staatliche Investitionsprogramme und der Energie- beziehungsweise Rüstungsboom, mittelfristig anhalten oder sich zumindest nicht abrupt umkehren, während zugleich strukturelle Belastungen wie die Krise der Autoindustrie und der internationale Wettbewerbsdruck in der Chemiebranche im Blick bleiben sollten. Die jährliche Ausschüttung macht den Fonds zusätzlich für Anleger interessant, die Wert auf einen regelmäßigen Kapitalfluss legen, auch wenn die aktuelle Rendite von rund 1,9 Prozent für sich genommen kein Argument für eine reine Dividendenstrategie ist. Ein langer Anlagehorizont und die Akzeptanz der im Vergleich zu global gestreuten ETFs höheren Konzentration auf ein einzelnes Land, eine Währung und wenige Branchen bleiben Voraussetzung für dieses Investment.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

Anzeige: Der Amundi Core DAX UCITS ETF Dist und tausende weitere ETFs provisionsfrei bei finanzen.net zero.

Bildquellen: Stonel / Shutterstock.com, Aleksandra Gigowska / Shutterstock.com

Nachrichten zu SAP SE

Analysen zu SAP SE

DatumRatingAnalyst
02.07.2026SAP SE NeutralJP Morgan Chase & Co.
29.06.2026SAP SE BuyJefferies & Company Inc.
25.06.2026SAP SE BuyJefferies & Company Inc.
19.06.2026SAP SE BuyUBS AG
19.06.2026SAP SE BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
DatumRatingAnalyst
29.06.2026SAP SE BuyJefferies & Company Inc.
25.06.2026SAP SE BuyJefferies & Company Inc.
19.06.2026SAP SE BuyUBS AG
19.06.2026SAP SE BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
18.05.2026SAP SE BuyDeutsche Bank AG
DatumRatingAnalyst
02.07.2026SAP SE NeutralJP Morgan Chase & Co.
11.06.2026SAP SE NeutralJP Morgan Chase & Co.
14.05.2026SAP SE NeutralJP Morgan Chase & Co.
24.04.2026SAP SE NeutralJP Morgan Chase & Co.
20.04.2026SAP SE NeutralJP Morgan Chase & Co.
DatumRatingAnalyst
24.04.2026SAP SE VerkaufenDZ BANK
29.01.2026SAP SE VerkaufenDZ BANK
23.10.2025SAP SE VerkaufenDZ BANK
06.08.2025SAP SE VerkaufenDZ BANK
23.04.2025SAP SE VerkaufenDZ BANK

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für SAP SE nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen