Bitcoin-ETF-Abflüsse auf Rekordniveau: Analyst warnt vor düsterem Kursszenario

US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen von Mitte Mai bis mindestens 18. Juni 2026 ununterbrochen Nettoabflüsse - die längste Serie seit Produktstart.
Werte in diesem Artikel
•Längste Abflussserie aus US-Spot-Bitcoin-ETFs seit Produktstart im Januar 2024
•BlackRocks IBIT verlor in der Woche bis zum 5. Juni rund 1,34 Milliarden US-Dollar
•Analyst prognostiziert Bitcoin bei 23.979 US-Dollar - nur bei einem Aktienmarkteinbruch von über 50 Prozent
Längste Abflussserie seit Produktstart
US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs haben in der Woche bis zum 5. Juni 2026 rund 1,72 Milliarden US-Dollar an Nettoabflüssen verbucht. Damit hielt die Abflussserie bereits vier aufeinanderfolgende Wochen an, mit Wochenverlusten von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. Laut SoSoValue, einem Datenanbieter für ETF-Kennzahlen, wuchs die Serie bis zum 18. Juni auf sechs Wochen an. Die Wochenabflüsse reduzierten sich bis zum 18. Juni auf rund 227 Millionen US-Dollar. In der Woche zum 26. Juni stieg der Wochenabfluss jedoch wieder stark an. So verzeichneten die Bitcoin-ETFs einen Verlust von rund 1,79 Milliarden US-Dollar. Nur eine Woche später reduzierten sich die Verluste wieder auf rund 527 Millionen US-Dollar, was auf einen sinkenden Abwärtsdruck hindeuten könnte. Die Verlustserie kletterte damit auf acht Wochen an. Das ist die längste ununterbrochene Abflussserie seit dem Produktstart im Januar 2024 und übertrifft frühere Fünf-Wochen-Serien von Anfang 2025 und Anfang 2026.
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BlackRocks IBIT trägt die Hauptlast
Den größten Anteil am Gesamtabfluss von 1,72 Milliarden US-Dollar in der Woche bis zum 5. Juni trug BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) mit rund 1,34 Milliarden US-Dollar. Der Fidelity Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC) steuerte 201,9 Millionen US-Dollar bei, der Grayscale Bitcoin Trust ETF (GBTC) 144,3 Millionen US-Dollar - zusammen entfallen auf diese drei Fonds damit bereits rund 1,69 Milliarden US-Dollar des wöchentlichen Gesamtabflusses. Matthew Pinnock, Chief Operating Officer von Altura DeFi, ordnete die Bewegungen gegenüber Cointelegraph als makrogetriebene Neubewertung von Risiken ein, nicht als Bitcoin-spezifisches Problem. Die Verkäufe hätten zeitlich eng mit stärker als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten, steigenden Anleiherenditen und gesunkenen Zinssenkungserwartungen zusammengepasst. IBIT trage die Hauptlast der Rücknahmen, weil der Fonds das liquideste und meistgenutzte institutionelle Zugangsvehikel für Bitcoin darstellt. Bloomberg-ETF-Analyst Eric Balchunas ordnete die Abflüsse gegenüber CoinDesk dennoch als "bedeutungslos" ein, gemessen am Gesamtvermögen von rund 100 Milliarden US-Dollar, und verwies auf vergleichbare kurzfristige Mittelabflüsse bei großen S&P 500-Fonds, die dort keine strukturellen Verschiebungen signalisierten. Die kumulierten Nettozuflüsse seit Produktstart lagen ihm zufolge zuletzt bei rund 57 Milliarden US-Dollar.
Auch Ether-ETFs unter Druck, Altcoin-Produkte gemischt
Die Abflüsse beschränkten sich nicht auf Bitcoin-Produkte. Spot-Ether-ETFs verzeichneten laut SoSoValue in der Woche bis zum 5. Juni Nettoabflüsse von 173 Millionen US-Dollar, womit sich auch bei Ether eine vierwöchige Abflussserie vom 8. Mai bis zum 5. Juni materialisierte. Über diesen Zeitraum summierten sich die Ether-ETF-Abflüsse auf rund 885,6 Millionen US-Dollar. Ein anderes Bild zeigten kleinere Altcoin-Produkte: HYPE-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 5. Juni Zuflüsse von 16,65 Millionen US-Dollar, XRP-ETFs leichte Zuflüsse von 2,62 Millionen US-Dollar, während Solana-ETFs 6,52 Millionen US-Dollar abflossen.
Drastische Kursprognose an starke Bedingungen geknüpft
Parallel zu den ETF-Daten kursiert eine Prognose des Analysten Jesse Olson, der Bitcoin bei einem Kurs von 23.979 US-Dollar sieht. Wie BeInCrypto berichtete, verknüpft Olson dieses Szenario explizit mit einem Einbruch des Aktienmarktes von mehr als 50 Prozent. Die Korrelation von Bitcoin mit dem S&P 500 lag zum Veröffentlichungszeitpunkt des Artikels über einen Zeitraum von sechs Monaten bei 0,468, was einen moderaten positiven Gleichlauf der beiden Vermögenswerte anzeigt. BeInCrypto verweist jedoch darauf, dass die zum 18. Juni rückläufigen Wochenabflüsse, eine steigende Netto-Positionsänderung langfristiger Bitcoin-Halter von rund 30.885 BTC am 11. Juni auf etwa 79.298 BTC zum 21. Juni sowie eine auf Binance zum Zeitpunkt der Analyse größere Short- als Long-Liquidationsposition das Szenario eines derart starken Rückgangs gegenwärtig relativieren. Analyst Benjamin Cowen erwarte den Zyklusboden eher um Oktober 2026, während Morgan-Stanley-Stratege Mike Wilson am 8. Juni 2026 einen S&P-500-Jahresendzielkurs von 8.000 Punkten ausgegeben habe - ein Wert, der deutlich über dem damaligen Indexstand lag und damit eine weitere Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt impliziert, nicht einen Einbruch von 50 Prozent.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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