Bonitätsrisiko

Ausfallrisiko bei iBonds ETFs: Warum High Yield und Investment Grade so unterschiedliche Endrenditen liefern

04.07.26 22:43 Uhr

Gleiche Laufzeit, andere Rendite: Das Ausfallrisiko als entscheidender Unterschied bei iBonds ETFs | finanzen.net

Wer in iBonds investiert, muss zwischen mehr Rendite oder mehr Sicherheit wählen. Das Ausfallrisiko macht dabei den Unterschied und beeinflusst die Endrendite.

Werte in diesem Artikel

• High-Yield-iBonds bieten mehr Rendite, tragen aber ein deutlich höheres Ausfallrisiko
• Investment-Grade-iBonds gelten historisch als deutlich stabiler und planbarer
• Die höhere Rendite von High Yield ist die Vergütung für reale Ausfallrisiken

Was iBonds leisten und warum das Rating so entscheidend ist

iBonds ETFs verbinden die Diversifikation eines Fonds mit der Fälligkeit einer einzelnen Anleihe. Wer in einen solchen ETF investiert, erhält am Ende der Laufzeit sein Kapital zurück, sofern die enthaltenen Anleihen nicht ausfallen. Genau dieser Vorbehalt macht das Kreditrating der enthaltenen Anleihen zur zentralen Größe.

Innerhalb der iBonds-Produktwelt von Black Rock iShares gibt es zwei grundlegend verschiedene Kategorien: ETFs, die ausschließlich Investment-Grade-Anleihen enthalten, also Papiere mit hoher Bonität, und solche, die auf High-Yield-Anleihen setzen, also auf Schuldtitel von Unternehmen mit niedrigerem Rating. Beide Kategorien haben eine definierte Laufzeit und einen festgelegten Auflösungstermin. Doch unter dieser gemeinsamen Struktur liegen grundlegend verschiedene Risikoniveaus.

Wie groß der Unterschied beim Ausfallrisiko tatsächlich ist

Das Ausfallrisiko ist bei High-Yield-Anleihen strukturell erheblich höher als bei Investment-Grade-Papieren. Laut der "Annual Global Corporate Default And Rating Transition Study" von S&P Global Ratings lag die Ausfallrate im Speculative-Grade-Bereich zuletzt bei knapp vier Prozent pro Jahr, während sie im Investment-Grade-Segment auf rund 0,03 Prozent sank. Der langfristige Durchschnittswert über mehrere Jahrzehnte liegt im High-Yield-Bereich bei gut drei bis dreieinhalb Prozent jährlich, im Investment-Grade-Bereich bei lediglich 0,08 Prozent. Diese Diskrepanz ist keine Momentaufnahme, sondern ein strukturelles Merkmal.

Ratingagenturen sortieren das Ausfallrisiko dabei sehr zuverlässig: Fast alle tatsächlichen Ausfälle eines Jahres entfielen auf Emittenten, die unmittelbar vor dem Ausfall im sehr schwachen Bonitätsbereich lagen. Investment-Grade-Emittenten, die zu Jahresbeginn noch als solide eingestuft waren, fallen so gut wie nie aus. Im iShares iBonds 2029 Term High Yield and Income ETF (IBHI) entfallen dem BlackRock-Factsheet zufolge fast sechzehn Prozent des Portfolios auf CCC-bewertete Anleihen, weitere knapp vierzig Prozent auf B-Ratings. Zusammen genommen sind also über fünfzig Prozent des Portfolios in einem Bonitätsbereich investiert, in dem Ausfälle historisch keine Seltenheit sind.

Warum die Mehrrendite nicht einfach Mehrertrag bedeutet

High-Yield-iBonds bieten im Vergleich zu Investment-Grade-Varianten jedoch eine deutlich höhere laufende Rendite. Der iShares iBonds 2029 Term High Yield and Income ETF wies zuletzt eine 30-Day-SEC-Rendite von mehr als sieben Prozent auf, der iShares iBoxx Investment Grade Corporate Bond ETF (LQD) hingegen eine von gut fünf Prozent. Diese Renditedifferenz ist konzeptionell als Risikoprämie zu verstehen: ein Aufschlag, den der Markt für die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Ausfällen und Kapitalverlusten zahlt. Denn wenn Emittenten innerhalb des ETF-Portfolios ausfallen, fließt weniger Kapital zurück als versprochen. Die historische jährliche Ausfallrate im High-Yield-Segment von rund dreieinhalb bis vier Prozent kann so einen substanziellen Teil der Mehrrendite aufzehren, insbesondere wenn die Verwertungsquote im Falle des Ausfalls niedrig ausfällt.

Die S&P-Studie weist außerdem darauf hin, dass fast sechzig Prozent aller Ausfälle eines aktuellen Jahres sogenannte Distressed Exchanges waren: Schuldner tauschen dabei ihre Anleihen zu schlechteren Konditionen um, ohne ein formelles Insolvenzverfahren einzuleiten. Für Fondsanleger bedeutet das, dass der Rückfluss am Laufzeitende oft unterhalb des ursprünglichen Nennwerts liegt, was die tatsächlich realisierte Endrendite drückt. Das Forschungspapier "Exploring the relationship between credit spreads and default probabilities" der Bank of England zeigt zudem, dass Credit Spreads bei Anleihen mit schlechterer Bonität stärker von der tatsächlichen Ausfallwahrscheinlichkeit getrieben werden als bei hochqualitativen Emittenten. Bei Investment-Grade-Anleihen hingegen dominieren Marktfaktoren wie Liquiditätsprämien die Spreadbewegungen, was auf eine strukturell stabilere Preisfindung hindeutet.

Was die Portfoliostruktur über das Risikoprofil verrät

Ein Vergleich der beiden Produktkategorien anhand ihrer Portfoliodaten macht die unterschiedlichen Risikoprofile greifbar. Der LQD hält laut BlackRock-Factsheet mehr als dreitausend Positionen und investiert überwiegend in Anleihen mit A- und BBB-Ratings. Rund neunzig Prozent des Portfolios entfallen auf diese Bonitätskategorien. Die Laufzeiten sind deutlich länger, was das Zinsänderungsrisiko erhöht, das Ausfallrisiko pro Titel hingegen gering hält. Der High-Yield-iBonds ETF umfasst mit rund vierhundert Positionen ein breiteres Streuungskonzept für ein einzelnes Segment, aber fast das gesamte Portfolio ist unterhalb des Investment-Grade-Bereichs angesiedelt. Der größte Einzelsektor ist der Bereich Consumer Cyclical mit einem Portfolioanteil von über zwanzig Prozent, gefolgt von Kommunikation und Technologie. Gerade zyklische Konsumgüterunternehmen und Medienkonzerne zeigten laut S&P-Studie die höchsten sektorspezifischen Ausfallraten. Wer in den High-Yield-iBonds ETF investiert, trägt diese Sektorkonzentration unmittelbar. Ein weiterer Unterschied betrifft den Zeithorizont bis zum Ausfall: Laut S&P-Daten dauert es bei Emittenten mit ursprünglichem B-Rating im Schnitt rund fünf Jahre bis zum Ausfall, bei CCC-Emittenten lediglich etwa zwei Jahre. Da Laufzeit-ETFs wie iBonds ein definiertes Enddatum haben, kann das Ausfallrisiko innerhalb der Fondslaufzeit vollständig zum Tragen kommen.

Einordnung: Renditeversprechen und reale Ertragserwartung

Für Anleger, die iBonds nutzen wollen, ergibt sich aus dem Vergleich eine klare Orientierungsgrundlage. Investment-Grade-iBonds bieten eine weitgehend verlässliche Kapitalrückgabe am Laufzeitende, verbunden mit einem moderaten laufenden Ertrag. Das strukturelle Ausfallrisiko ist historisch vernachlässigbar gering. High-Yield-iBonds versprechen einen höheren laufenden Ertrag, tragen aber ein Ausfallrisiko, das die versprochene Rendite spürbar reduzieren kann. Das iBonds-Konzept eignet sich grundsätzlich für den Aufbau gestaffelter Fälligkeiten, bei dem Rückzahlungen in verschiedenen Jahren planbar werden. Dieser Ansatz funktioniert umso zuverlässiger, je geringer das Ausfallrisiko im gewählten Segment ist. Wer eine möglichst planbare Rückzahlung anstrebt, sollte die Bonität der enthaltenen Anleihen deshalb nicht als Nebeninformation behandeln, sondern als zentralen Parameter der Entscheidung. Die Mehrrendite eines High-Yield-iBonds ist kein kostenloses Geschenk, sondern die Vergütung für ein real messbares und historisch belegtes Risiko.

Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net

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