Taiwan-ETF

Xtrackers MSCI Taiwan ETF: Wie eine einzige Technologie zum wichtigsten Renditetreiber eines ganzen Länderindex wurde

07.07.26 14:00 Uhr

Xtrackers MSCI Taiwan UCITS ETF 1C (LU0292109187): Warum der Taiwan-ETF seit 2023 so stark zulegt | finanzen.net

Ein einziger Halbleiterkonzern erklärt einen erheblichen Teil der enormen Kursgewinne dieses Taiwan-ETFs seit 2023, und genau diese Konzentration wirft die Frage auf, wie tragfähig der Boom langfristig ist.

Werte in diesem Artikel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit 2023 hat sich der Wert dieses Fonds mehr als verdreifacht, und ein einziges Unternehmen aus der Chipbranche trägt einen überproportionalen Teil dazu bei.
  • Fast ein Drittel des gesamten Fondsvermögens steckt in nur einer Aktie, ein Konzentrationsgrad, der weit über dem eines gewöhnlichen Länder-ETFs liegt.
  • Ein politisches Handelsabkommen von Anfang 2026 hat einen Teil der Unsicherheit für den Sektor gerade erst aus dem Weg geräumt, doch eine andere, weitaus größere Unsicherheit bleibt bestehen.

Ein Land, ein Index, ein Industriezweig: Was der Xtrackers MSCI Taiwan abbildet

Der Xtrackers MSCI Taiwan UCITS ETF 1C bildet den MSCI Taiwan 20/35 Custom Index nach, der große und mittelgroße taiwanesische Unternehmen bündelt. Die Gewichtung des größten Einzeltitels ist auf 35 Prozent begrenzt, alle übrigen Werte auf 20 Prozent, mit einem Puffer von 10 Prozentpunkten bei der vierteljährlichen Neugewichtung. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und thesauriert seine Erträge. Die laufenden Kosten liegen bei 0,65 Prozent pro Jahr, günstiger als beim größten Wettbewerber, dem iShares MSCI Taiwan UCITS ETF mit 0,74 Prozent, aber spürbar teurer als der Franklin FTSE Taiwan UCITS ETF mit 0,19 Prozent. Auch eine ausschüttende, deutlich günstigere Variante von Xtrackers selbst mit einer TER von 0,21 Prozent existiert bereits, sie ist jedoch erst seit Kurzem am Markt und verfügt über keine nennenswerte eigene Historie. Für einen ersten Eindruck von der bisherigen Wertentwicklung eignet sich deshalb die hier vorgestellte, etwas teurere, aber bereits seit 2007 etablierte thesaurierende Variante besser. Mit einem Fondsvolumen von 336 Millionen Euro und 77 Positionen ist der Fonds spürbar kleiner und konzentrierter als breite Welt- oder Regionen-ETFs.

Warum dieser Fonds seit 2023 so enorm zugelegt hat, und was daran nachhaltig sein könnte

Seit 2023 hat sich der Wert dieses ETFs mehr als verdreifacht, und der Grund dafür liegt fast ausschließlich in einer einzigen Technologie: der Nachfrage nach Halbleitern für künstliche Intelligenz. Taiwan beherbergt mit Taiwan Semiconductor Manufacturing nahezu die gesamte weltweite Kapazität für die fortschrittlichsten Chip-Fertigungsprozesse, auf denen praktisch alle führenden KI-Beschleuniger basieren. Die Nachfrage nach diesen Chips hat sich seit Beginn des KI-Booms mehrfach beschleunigt, mit Wachstumsraten, die selbst nach mehreren Rekordjahren noch im hohen zweistelligen Prozentbereich liegen, und die Auslastung der modernsten Fertigungslinien liegt trotz erheblicher Kapazitätserweiterungen weiterhin über dem verfügbaren Angebot. Für die kommenden Jahre sprechen mehrere strukturelle Faktoren für eine Fortsetzung dieser Nachfrage: der weitere Ausbau von Rechenzentren durch große Technologiekonzerne, die Einführung noch leistungsfähigerer Chip-Generationen sowie die zunehmende Verbreitung von KI-Anwendungen über Cloud-Anbieter hinaus. Anfang 2026 haben die USA und Taiwan zudem ein Handelsabkommen geschlossen, das breite Zölle auf taiwanesische Exporte von 20 auf 15 Prozent senkt und Chipherstellern, die ihre US-Produktion ausbauen, teils zollfreie Einfuhren ermöglicht, was einen Teil der zuvor bestehenden politischen Unsicherheit beseitigt hat. Diesen Chancen stehen jedoch erhebliche Risiken gegenüber, die sich nicht wegdiskutieren lassen. An erster Stelle steht die geopolitische Lage. China betrachtet Taiwan als eigenes Territorium, und die Spannungen in der Taiwanstraße gelten als eines der größten geopolitischen Risiken weltweit, mit dem Potenzial, im Ernstfall die globale Chipversorgung empfindlich zu stören. Hinzu kommt die grundsätzliche Zyklik der Halbleiterbranche, die in der Vergangenheit wiederholt auf Boomphasen mit Überkapazitäten und Nachfrageeinbrüchen reagiert hat, auch wenn die aktuelle KI-Nachfrage bislang eher als strukturell denn als rein zyklisch eingeordnet wird. Schließlich bleibt die Handelspolitik der USA gegenüber China ein Unsicherheitsfaktor, da schärfere Exportkontrollen für Chiptechnologie indirekt auch taiwanesische Zulieferer und deren Geschäftsmodelle treffen können.

TSMC, MediaTek und Delta Electronics: Die Schwergewichte im Fonds

Die zehn größten Positionen vereinen rund 64 Prozent des Fondsvermögens, ein für einen Länder-ETF außergewöhnlich hoher Konzentrationsgrad. Mit weitem Abstand größte Position ist Taiwan Semiconductor Manufacturing mit knapp 30 Prozent, nahe der zulässigen Höchstgrenze von 35 Prozent. Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter meldete zuletzt für Mai 2026 einen konsolidierten Umsatz von rund 417 Milliarden Taiwan-Dollar, ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, und kündigte zudem den Verkauf eines Anteils von 8,1 Prozent an seiner Tochter Vanguard International Semiconductor an. Auf Platz zwei folgt MediaTek mit gut 9 Prozent. Der Chipdesigner stellte zuletzt eine KI-gestützte Technologie zur Verbesserung der Netzwerklatenz für Cloud-Gaming-Anwendungen vor und meldete gemeinsam mit Samsung einen technischen Durchbruch bei der 5G-Uplink-Geschwindigkeit. An dritter Stelle steht Delta Electronics mit gut 6 Prozent. Der auf Stromversorgung und Wärmemanagement spezialisierte Konzern, der stark von der Nachfrage nach Rechenzentren und KI-Servern profitiert, meldete für Mai 2026 einen Konzernumsatz von rund 58,96 Milliarden Taiwan-Dollar. Dahinter folgen mit deutlich geringerem Gewicht weitere Halbleiter- und Elektronikwerte wie Hon Hai Precision, bekannt als Foxconn und wichtigster Auftragsfertiger für Apple, sowie ASE Technology, ein auf Chip-Verpackungstechnologie spezialisierter Zulieferer, die beide ebenfalls stark am KI-Ökosystem hängen.

Zu hundert Prozent Taiwan, zu über achtzig Prozent Technologie: Wo das Risiko liegt

Regional entfällt naturgemäß der gesamte Fonds auf Taiwan. Nach Sektoren dominiert Technologie mit gut 82 Prozent, mit weitem Abstand gefolgt von Finanzdienstleistungen mit knapp 13 Prozent, der Rest verteilt sich auf kleinere Positionen in Grundstoffen, Industrie und weiteren Branchen. Bei der Rendite zeigt sich das Ausmaß des jüngsten Booms deutlich. Über ein Jahr steht ein Plus von rund 105 Prozent zu Buche, über drei Jahre von 194 Prozent, über fünf Jahre von 177 Prozent und seit Auflage von 942 Prozent, wobei einzig das Jahr 2022 mit einem Minus von 25 Prozent negativ ausfiel. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei 26 Prozent und über drei Jahre bei 25 Prozent, deutlich höher als bei breiten Welt-ETFs, was die hohe Sektor- und Einzeltitelkonzentration widerspiegelt. Der maximale Verlust der vergangenen drei Jahre liegt bei 31 Prozent, seit Auflage bei 56 Prozent, ein Hinweis darauf, dass die aktuell hohen Renditen mit entsprechend hohen Rückschlagrisiken erkauft wurden und auch künftig einhergehen können.

Für wen sich dieser konzentrierte Taiwan-Baustein eignet

Der Fonds eignet sich nicht als Grundbaustein eines Portfolios, sondern allenfalls als sehr gezielte, spekulative Beimischung für Anleger, die bewusst eine konzentrierte Wette auf die taiwanesische Halbleiterindustrie und insbesondere auf den KI-Chipmarkt eingehen möchten, anstatt breit über Länder und Branchen gestreut zu investieren. Wer investiert, sollte sich bewusst sein, dass die Wertentwicklung der vergangenen Jahre maßgeblich von einem einzigen strukturellen Trend getragen wurde, dessen Fortsetzung zwar von vielen Marktbeobachtern erwartet wird, aber weder garantiert noch frei von Rückschlagrisiken ist. Ein langer Anlagehorizont, eine hohe Risikotoleranz sowie die Bereitschaft, sowohl branchenspezifische Nachfrageschwankungen als auch geopolitische Spannungen rund um Taiwan auszuhalten, sind für dieses Investment Voraussetzung.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf ein einzelnes Land und einen einzelnen Sektor kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.

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Bildquellen: Michael Vi / Shutterstock.com, bemissu / Shutterstock.com

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