Amundi Prime All Country World ETF: Dreitausend Aktien decken fast die gesamte Weltbörse ab

Über 3.000 Aktien aus aller Welt stecken in diesem einen ETF, und doch lohnt der Blick auf ein hauseigenes Geschwisterprodukt, das zeigt, wofür Anleger hier eigentlich extra zahlen.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 3.398 Positionen stecken in diesem einen Fonds, und trotzdem entscheiden drei Namen über einen zweistelligen Anteil der Wertentwicklung.
- Ein einziges Wort im Namen unterscheidet diesen ETF von einem sehr ähnlichen Fonds desselben Anbieters, und genau dieses Wort erklärt einen spürbaren Unterschied in der Länderabdeckung.
- Erst seit Juni 2024 am Markt, und dennoch schon jetzt mit einer Kostenquote unterwegs, die viele ältere Fonds alt aussehen lässt.
Über 3.000 Aktien für die ganze Welt: Was der Amundi Prime All Country World abbildet
Der Amundi Prime All Country World UCITS ETF Acc bildet den Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern weltweit abdeckt. Mit 3.398 Positionen zählt er zu den am breitesten gestreuten Welt-ETFs überhaupt, deutlich breiter als viele etablierte Wettbewerber, die sich meist auf einige Tausend oder sogar nur wenige Hundert Titel beschränken. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, kauft also tatsächlich die enthaltenen Aktien statt über Derivate nachzubilden, und thesauriert seine Erträge, legt Dividenden also automatisch wieder an, statt sie auszuzahlen. Die laufenden Kosten liegen bei 0,07 Prozent pro Jahr, ein für einen derart breit gestreuten Welt-ETF sehr günstiger Wert. Aufgelegt wurde der Fonds erst im Juni 2024 und ist mit einem Fondsvolumen von rund 2,2 Milliarden Euro bereits jetzt solide groß, auch wenn ihm die lange Historie älterer Wettbewerber naturgemäß noch fehlt.
NVIDIA, Apple und Microsoft: Die Spitze eines global gestreuten Fonds
Trotz der enormen Streuung über mehr als 3.000 Einzelwerte konzentriert sich ein erheblicher Teil der Wertentwicklung auf wenige Namen an der Spitze. Die zehn größten Positionen kommen zusammen auf rund 25 Prozent des Fondsvermögens. Angeführt wird der Fonds von NVIDIA mit knapp 5 Prozent Gewichtung. Der Chiphersteller treibt mit seinen GPU-Lösungen weiterhin einen Großteil der weltweiten KI-Infrastruktur an, wie zuletzt auch die laufende Erweiterung des Cloud-Gaming-Angebots GeForce NOW zeigt. Auf Platz zwei folgt Apple mit rund 4,3 Prozent. Der iPhone-Hersteller baut sein Dienstleistungsgeschäft kontinuierlich aus, etwa mit den jüngsten Erweiterungen der Creator-Studio-Werkzeuge für Foto- und Videobearbeitung. An dritter Stelle steht Microsoft mit rund 3 Prozent, gestützt unter anderem durch den Ausbau der eigenen Rechenzentrumskapazitäten, wie die jüngste Fertigstellung eines neuen Standorts in Wisconsin zeigt. Dahinter folgen mit Amazon, Alphabet, das im Index mit den beiden Gattungen A und C vertreten ist, Broadcom, Taiwan Semiconductor, Tesla und Meta Platforms weitere Technologie- und Plattformkonzerne, die das Bild eines stark technologielastigen Weltmarkts vervollständigen.
USA vor Japan, Technologie vor Finanzwerten: Wie der Fonds aufgestellt ist
Regional dominieren die USA mit knapp 59 Prozent, mit Abstand gefolgt von Japan mit rund 5,5 Prozent. Den Rest verteilt der Fonds auf eine lange Liste weiterer Länder, darunter Taiwan, Südkorea, Großbritannien, Kanada und China mit jeweils rund 2 bis 3 Prozent, sowie kleinere Positionen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und weiteren Industrie- und Schwellenländern. Nach Sektoren führt Technologie mit knapp 32 Prozent deutlich vor Finanzdienstleistungen mit rund 14 Prozent, Industrie mit knapp 10 Prozent und zyklischen Konsumgütern mit gut 9 Prozent. Bei der Rendite steht seit Auflage im Juni 2024 ein Plus von rund 39 Prozent zu Buche, über ein Jahr waren es rund 27 Prozent, beides historische Werte aus einer noch jungen und damit kurzen Handelsspanne. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei rund 10 Prozent, ein für einen breit gestreuten Aktien-ETF eher moderater Wert, der maximale Verlust im selben Zeitraum bei rund 7 Prozent.
Amundi Prime Global im Vergleich: Wo der entscheidende Unterschied liegt
Aus demselben Haus stammt der Amundi Prime Global UCITS ETF Acc, der auf den ersten Blick fast identisch wirkt. Auch er repliziert seinen Solactive Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und führt an der Spitze exakt dieselben drei Werte NVIDIA, Apple und Microsoft, wenn auch mit etwas höheren Einzelgewichten von rund 5,6, 5,0 und 3,4 Prozent. Der entscheidende Unterschied steckt im Namen: Während der All Country World laut Anlageziel Industrie- und Schwellenländer gleichermaßen abdeckt, beschränkt sich der Global auf 23 Industrieländer und lässt Schwellenländer komplett außen vor. Das zeigt sich unmittelbar in der Positionszahl: Mit 1.370 Aktien deckt der Global weniger als die Hälfte der Werte des All Country World ab. Auch in den Top Ten macht sich das bemerkbar, denn Taiwan Semiconductor taucht dort ausschließlich beim All Country World auf, weil Taiwan als Schwellenland nur in diesem Fonds enthalten ist. Beim Global rückt an dessen Stelle Micron Technology in die Top Ten. Bei den Kosten liegt der Global mit 0,05 Prozent pro Jahr leicht unter den 0,07 Prozent des All Country World, dafür ist er mit Januar 2020 deutlich länger am Markt und mit rund 2,7 Milliarden Euro auch etwas größer. Bei Sektoren, Rendite und Risiko liegen beide Fonds dagegen dicht beieinander: ähnliche Technologielastigkeit, eine Volatilität von rund 10 bis 10,5 Prozent und eine Rendite über ein Jahr von rund 25 bis 27 Prozent. Strategisch verfolgen beide ETFs im Kern denselben Ansatz, eine passive, breit gestreute Investition in die Weltwirtschaft nach Marktkapitalisierung, sie unterscheiden sich lediglich im Zuschnitt der abgedeckten Welt. Eine Kombination beider Fonds im selben Depot ergibt daher wenig Sinn, da der All Country World die Industrieländer des Global ohnehin vollständig mit abdeckt und zusätzlich Schwellenländer beisteuert. Eine Beimischung des Global würde lediglich die ohnehin vorhandene USA- und Technologielastigkeit verstärken, ohne einen zusätzlichen Diversifikationseffekt zu liefern.
Für wen sich der Amundi Prime All Country World eignet
Der Fonds eignet sich als zentraler, alleiniger Aktienbaustein für Anleger, die mit einem einzigen ETF die gesamte investierbare Aktienwelt abdecken wollen, Industrie- wie Schwellenländer eingeschlossen, ohne dafür mehrere Fonds kombinieren zu müssen. Die geringen laufenden Kosten und die breite Streuung über mehr als 3.000 Einzelwerte sprechen für einen langen Anlagehorizont und eine passive Grundhaltung. Wer dagegen bewusst nur auf etablierte Industrieländer setzen oder Schwellenländer über einen separaten, gezielt gewichteten Fonds beimischen möchte, ist mit dem etwas günstigeren und länger erprobten Amundi Prime Global eher an der richtigen Adresse. Die noch kurze Historie seit Mitte 2024 bedeutet zudem, dass sich der Fonds bislang noch nicht in einem ausgeprägten Abschwung beweisen musste, ein Punkt, den sicherheitsorientierte Anleger im Hinterkopf behalten sollten.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net).
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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