Welt-ETF

Scalable MSCI World ETF: Weltweit erstmals kombiniert ein einziger Fonds zwei völlig unterschiedliche Nachbildungsmethoden

07.07.26 10:15 Uhr

Scalable MSCI AC World Xtrackers UCITS ETF 1C (LU2903252349) im Check: Kosten, Top-Positionen und Verfügbarkeit | finanzen.net

Ein Neobroker und ein etablierter ETF-Anbieter haben gemeinsam einen Fonds aufgelegt, der weltweit erstmals zwei Nachbildungsmethoden kombiniert, je nachdem, welcher Markt gerade abgebildet wird.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Zwei Unternehmen stecken im Namen dieses Fonds, aber nur eines davon ist rechtlich für ihn verantwortlich, ein Unterschied, der auch bestimmt, wo der Fonds überhaupt gekauft werden kann.
  • Als weltweit erster ETF kombiniert dieser Fonds zwei grundverschiedene Nachbildungsmethoden innerhalb eines einzigen Produkts, je nachdem, welcher Markt gerade abgebildet wird.
  • Erst Ende 2024 gestartet, aber schon jetzt größer als so mancher etablierter Wettbewerber, mit einer Kostenquote, die viele ältere Welt-ETFs unterbietet.

Fast die ganze Aktienwelt in einem Fonds: Was der Scalable MSCI AC World Xtrackers abbildet

Der Scalable MSCI AC World Xtrackers UCITS ETF 1C bildet den MSCI All Country World Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern bündelt und damit rund 85 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung abdeckt. Mit 2.310 Positionen ist der Fonds breiter gestreut als viele ältere Wettbewerber auf denselben Index, etwa der deutlich größere, aber engere iShares MSCI ACWI UCITS ETF USD (Acc), der auf eine geringere Zahl von Positionen setzt. Die laufenden Kosten liegen bei 0,15 Prozent pro Jahr und damit unter den 0,20 Prozent des iShares-Pendants, ein für einen ETF auf denselben Index spürbarer Unterschied. Der Fonds thesauriert seine Erträge, legt Dividenden also automatisch wieder an. Aufgelegt wurde er erst im Dezember 2024, hat aber mit einem Fondsvolumen von rund 685 Millionen Euro in kurzer Zeit schon eine beachtliche Größe erreicht. Besonders an diesem ETF ist seine Replikationsart: Er nutzt eine sogenannte hybride Replikation, mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Scalable und Xtrackers: Wer steckt eigentlich hinter diesem ETF, und wo lässt er sich kaufen?

Der Name dieses Fonds führt zwei Unternehmen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben scheinen. Scalable Capital ist einer der größten deutschen Neobroker und digitalen Vermögensverwalter, über den Privatanleger Aktien, ETFs und weitere Wertpapiere handeln können. Xtrackers ist dagegen die ETF-Marke der DWS, eines der größten europäischen Vermögensverwalter mit Sitz in Frankfurt, der mehrheitlich zur Deutschen Bank gehört und unter der Marke Xtrackers rund 170 ETFs anbietet. Rechtlich verantwortlich für diesen Fonds, also Emittent und Fondsverwalter mit Sitz in Luxemburg samt aller damit verbundenen regulatorischen Pflichten nach dem europäischen UCITS-Standard, ist ausschließlich die DWS-Gruppe über Xtrackers. Scalable Capital tritt dagegen als Berater auf, der die DWS bei der Konstruktion und der Wahl der Nachbildungsmethode für die einzelnen Länder und Regionen unterstützt hat, ohne selbst Fondsverwalter zu sein. Aus dieser Zusammenarbeit ist mit diesem ETF weltweit erstmals ein Fonds mit hybrider Replikation entstanden: Europäische Aktien werden physisch nachgebildet, der Fonds kauft sie also direkt, während US-Aktien und Werte aus weniger liquiden Märkten wie Schwellenländern synthetisch über Tauschgeschäfte mit Banken abgebildet werden. Für jeden Markt soll die jeweils effizientere Methode zum Einsatz kommen, was laut Anbieterangaben Kosten- und Steuervorteile gegenüber einer rein physischen oder rein synthetischen Nachbildung bringen soll. Trotz des Namens ist der Fonds keineswegs exklusiv auf den Broker von Scalable Capital beschränkt. Er ist an der Börse Xetra, an der gettex in München sowie an der European Investor Exchange in Hannover notiert und damit grundsätzlich bei jeder Bank und jedem Broker handelbar, der Zugriff auf diese Handelsplätze bietet, unter anderem etwa auch bei comdirect, der DKB, Flatex oder Trading 212. Sollte ein bestimmter Broker den Fonds nicht direkt anbieten, lässt er sich in der Regel dort auch nachträglich zur Aufnahme anfragen.

NVIDIA, Apple und Microsoft: Die größten Positionen im Fonds

Die zehn größten Positionen vereinen knapp 25 Prozent des Fondsvermögens, ein für einen so breit gestreuten Fonds mit über 2.300 Werten überschaubarer Konzentrationsgrad. An der Spitze steht mit 4,7 Prozent NVIDIA. Der Chiphersteller treibt die KI-Infrastruktur weltweit maßgeblich an und hat zuletzt gemeinsam mit Hugging Face neue Modelle und Frameworks für die offene Robotik-Community rund um das Projekt LeRobot vorgestellt. Auf Platz zwei folgt Apple mit 4,43 Prozent. Der iPhone-Hersteller baut sein Dienstleistungsgeschäft weiter aus, etwa mit den jüngsten Erweiterungen der Creator-Studio-Werkzeuge für Foto- und Videobearbeitung. An dritter Stelle steht Microsoft mit 3,65 Prozent. Der Softwarekonzern veröffentlichte zuletzt einen Bericht zur Nutzung von KI im Bildungswesen, der eine breite Verbreitung und einen wachsenden Bedarf an Unterstützung bei Schulen und Hochschulen aufzeigt. Dahinter folgen mit Amazon, Alphabet, das im Index mit den Gattungen A und C vertreten ist, Broadcom, Meta Platforms, Tesla und Taiwan Semiconductor weitere Technologiewerte, die zusammen die weiterhin starke Gewichtung des Sektors im Weltindex unterstreichen.

USA vor Japan und Großbritannien: Wie der Fonds regional und nach Branchen aufgestellt ist

Regional dominieren die USA mit knapp 64 Prozent, mit deutlichem Abstand gefolgt von Japan mit rund 4,6 Prozent, Großbritannien mit gut 3 Prozent und Kanada mit knapp 2,6 Prozent. Schwellenländer wie China, Taiwan und Indien sind mit jeweils rund 2 Prozent vertreten und sorgen für die im Vergleich zu einem reinen Industrieländer-ETF breitere Streuung. Nach Sektoren führt Technologie mit gut 28 Prozent, gefolgt von Finanzdienstleistungen mit 13,5 Prozent, zyklischen Konsumgütern mit knapp 11,6 Prozent und Gesundheitswesen mit gut 10 Prozent. Bei der Rendite steht seit Auflage im Dezember 2024 ein Plus von rund 23 Prozent zu Buche, über ein Jahr waren es rund 28 Prozent, beides historische Werte aus einer noch jungen und damit kurzen Handelsspanne ohne einen vollständigen Marktzyklus. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei rund 10 Prozent, ein für einen breit gestreuten Aktien-ETF moderater Wert, der maximale Verlust im selben Zeitraum bei rund 7 Prozent.

Für wen sich der Fonds als Kernbaustein eignet

Der Fonds eignet sich als alleiniger, zentraler Grundbaustein eines Depots für Anleger, die mit einem einzigen ETF sowohl Industrie- als auch Schwellenländer abdecken wollen, ohne mehrere Fonds kombinieren zu müssen. Die niedrigen laufenden Kosten und die breite Streuung über mehr als 2.300 Einzelwerte sprechen für einen langfristigen, passiven Vermögensaufbau. Die noch kurze Historie seit Ende 2024 bedeutet allerdings, dass sich weder der Fonds selbst noch das Konzept der hybriden Replikation bislang in einem ausgeprägten Abschwung oder über einen vollständigen Marktzyklus bewährt haben, ein Punkt, den sicherheitsorientierte Anleger im Hinterkopf behalten sollten. Wer stattdessen einen ETF mit deutlich längerer Historie und höherem Fondsvolumen bevorzugt, etwa aus Gründen der Liquidität oder schlicht des Track Records, findet in etablierten Wettbewerbern wie dem bereits erwähnten iShares-ETF eine Alternative mit denselben Grundeigenschaften.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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Bildquellen: Alexander Mak / Shutterstock.com, michelmond / Shutterstock.com

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