Mageres Plus

ETF Compass 1. Halbjahr 2026: Warum der DAX zum Nachzügler wurde

08.07.26 03:22 Uhr

ETF Compass 1. Halbjahr 2026: Warum der DAX zum Nachzügler wurde | finanzen.net

Absolut betrachtet war das erste Halbjahr 2026 für den deutschen Aktienmarkt kein schlechtes. Der DAX beendete die erste Jahreshälfte bei 24.995,81 Punkten und lag damit seit Jahresbeginn rund 2,9 Prozent im Plus.

Zum großen Wurf reichte das trotzdem nicht, denn im internationalen Vergleich blieb der Leitindex klar zurück. Der EuroStoxx 50 gewann gut 9 Prozent, der US-Techindex Nasdaq 100 sogar rund 20 Prozent. Deutschland war damit der Nachzügler unter den großen Börsen, ein Etikett, das der DAX erst zum Start der zweiten Jahreshälfte abschütteln konnte.

Der Weg dahin war ein permanentes Hin und Her, getrieben von zwei Kräften. Die erste war die Geopolitik. Ende Februar griffen die USA und Israel den Iran an, Teheran schlug zurück, und die Sorge um den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus belastete die Märkte über Monate. Der DAX verlor nach Kriegsausbruch binnen Tagen rund zehn Prozent. Die zweite Kraft war hausgemacht und traf ausgerechnet die früheren Favoriten. Rüstungsprimus Rheinmetall gab nach Gewinnmitnahmen gut 38 Prozent nach, SAP verlor 35 Prozent, dazu schwächelten die Autobauer mit minus 24 bis 34 Prozent. Dass der Index überhaupt zulegte, verdankt er den KI-Gewinnern Infineon mit plus 116 Prozent, Hochtief mit plus 50 Prozent und Siemens Energy mit plus 38 Prozent.

Wer den Leitindex eins zu eins abbildete, verbuchte ein entsprechend mageres Plus. Der größte DAX-Fonds, der iShares Core DAX UCITS ETF (DE) (ISIN DE0005933931 / WKN 593393), thesaurierend, physisch repliziert und mit rund 8,79 Mrd. Euro der Platzhirsch, kam seit Jahresbeginn auf rund 2,4 Prozent. Praktisch gleichauf, aber etwas günstiger lag der Xtrackers DAX UCITS ETF 1C (ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA) mit 2,6 Prozent. Für Anleger mit Ausschüttungswunsch lieferte der viermal jährlich zahlende Deka DAX (ausschüttend) UCITS ETF (ISIN DE000ETFL060 / WKN ETFL06) eine Kursperformance von nur 0,8 Prozent, allerdings lag die Ausschüttungsrendite bei gut 2 Prozent.

Etwas besser fuhr, wer den Leitindex nachhaltig gefiltert kaufte. Der Xtrackers DAX ESG Screened UCITS ETF 1D (ISIN LU0838782315 / WKN DBX0NH) schließt unter anderem Rüstung, Tabak und Kohle aus und hält damit auch keine Rheinmetall-Aktien. Den größten DAX-Verlierer musste er also gar nicht mittragen, was sich auszahlte. Im ersten Halbjahr stand ein Plus von 4,2 Prozent. Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 0,09 Prozent, der Fonds verwaltet rund 554 Mio. Euro und schüttet jährlich aus.

Schwächer als der breite DAX schnitt dagegen die Dividendenstrategie ab. Der iShares DivDAX UCITS ETF (DE) (ISIN DE0002635273 / WKN 263527) bündelt die 15 renditestärksten DAX-Titel und ist mit rund 574 Mio. Euro der größte Fonds auf diesen Auswahlindex. Weil das Halbjahr von den Kursgewinnen der Wachstumswerte lebte und klassische Zahler wie Versorger und Versicherer weniger gefragt waren, kam er nur auf 1,6 Prozent. Immerhin liegt seine Ausschüttungsrendite mit rund 3 Prozent am höchsten.

Die eigentliche Musik spielte in der zweiten Reihe. Den Mittelstand deckt der iShares MDAX UCITS ETF (DE) (ISIN DE0005933923 / WKN 593392) ab, mit rund 1,6 Mrd. Euro der größte MDAX-Fonds, thesaurierend und mit einer TER von 0,51 Prozent. Über fünf Jahre ist der MDAX der große Nachzügler des deutschen Marktes. Im ersten Halbjahr 2026 aber drehte das Blatt, der Fonds legte rund 6,2 Prozent zu und ließ den DAX klar hinter sich. Ähnlich stark lief die Technologie. Der iShares TecDAX UCITS ETF (DE) (ISIN DE0005933972 / WKN 593397), ebenfalls thesaurierend bei 0,51 Prozent TER, kam auf 8,7 Prozent, getragen vom Schwergewicht Infineon, das gut 19 Prozent des Portfolios ausmacht.

Sehr gut schlug sich auch das kleinste Segment. Der Amundi SDAX UCITS ETF Dist (ISIN LU2611732475 / WKN ETF195), derzeit der einzige ETF auf den SDAX, bildet 70 kleinere Werte ab und verbuchte 8,2 Prozent Gewinn. Das Manko ist die höchste Kostenquote im Feld mit einer TER von 0,70 Prozent bei zugleich kleinstem Volumen von rund 158 Mio. Euro. Wer sich das Sortieren zwischen den Größenklassen sparen wollte, fuhr mit dem Vanguard Germany All Cap UCITS ETF (EUR) Distributing (ISIN IE00BG143G97 / WKN A2JF6S) auch noch recht ordentlich. Der mit 0,07 Prozent günstigste Fonds der Auswahl deckt rund 146 Titel vom Blue Chip bis zum Nebenwert ab und kam seit Jahresbeginn auf 3,5 Prozent.

Fazit: Der DAX war im ersten Halbjahr 2026 der Nachzügler unter den großen Börsen, ausgebremst von Rheinmetall, SAP und den Autobauern. Wer breiter streute, gezielt auf die zweite Reihe setzte oder den Rüstungssektor ausklammerte, verdiente spürbar mehr als mit dem reinen Leitindex. Für die zweite Jahreshälfte bleiben die Nahost-Lage, die US-Zollpolitik und die Tragfähigkeit der KI-Rally die entscheidenden Unbekannten.

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