Wahlzyklus

Aktien und Zwischenwahlen: Droht dem Markt ein klassischer Sommer-Einbruch?


Aktien und Zwischenwahlen: Droht dem Markt ein klassischer Sommer-Einbruch?

Die Börsengeschichte zeigt in Zwischenwahljahren ein auffälliges Muster. Droht Anlegern nun ein klassischer Sommer-Rücksetzer?

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• In 16 von 17 Midterm-Zyklen seit 1950 verlor der S&P 500 zwischen Mai und Oktober an Wert
• Juni und September sind die schwächsten Monate
• Nach jeder Zwischenwahl seit mindestens 1962 legte der S&P 500 in den folgenden zwölf Monaten zu

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Das Zwischenwahl-Muster im S&P 500

Der S&P 500 erzielt in Zwischenwahljahren historisch deutlich schwächere Renditen als in anderen Jahren des Vier-Jahres-Wahlzyklus. Laut einer Analyse von CNBC auf Basis des Stock Trader's Almanac liegt die durchschnittliche Jahresrendite in Midterm-Jahren merklich unter dem langfristigen Schnitt des Index. Die genauen Werte variieren je nach Datenbasis und Betrachtungszeitraum - verschiedene Studien, darunter Analysen von Ned Davis Research, bewegen sich in einer Spanne von etwa 6 bis 8 Prozent für Midterm-Jahre, verglichen mit rund 10 bis 14 Prozent in Post-Wahljahren des Vier-Jahres-Zyklus. Das eigentliche Muster liegt jedoch nicht in der Jahresrendite, sondern in den Sommermonaten. Laut einer Studie von Dow Jones Market Data, auf die sich MarketWatch stützt, fällt der S&P 500 zwischen Ende April und Ende September in Zwischenwahljahren im Schnitt um 2,76 Prozent, während er in Post-Wahljahren des Vier-Jahres-Zyklus in demselben Zeitraum durchschnittlich 3,64 Prozent zulegt.

BlackRock hält in einer Analyse fest, dass Zwischenwahljahre im historischen Durchschnitt die schwächsten Jahre des Vier-Jahres-Wahlzyklus sind, und dass die Volatilität in diesen Jahren erhöht ist. Die jüngsten Midterms bestätigen das Bild: 2022 brach der S&P 500 um rund 18 Prozent ein, 2018 verlor er mehr als 4 Prozent. Damit waren sie die schwächsten Zwischenwahljahre seit der Finanzkrise 2008 - ganz im Gegensatz zu 2010 und 2014, die der Index jeweils mit einem Plus beendete.

Juni und September: Die schwachen Monate

Die monatliche Aufschlüsselung zeigt zwei klare Schwerpunkte. Für den S&P 500 ist Juni laut CNBC historisch der schlechteste Monat in Zwischenwahljahren. Eine quantitative Auswertung der elf Midterm-Jahre seit 1982, die Market Chart Pattern auf Substack veröffentlicht hat, beziffert den durchschnittlichen Rückgang im Juni auf 1,72 Prozent - der Index schloss in nur 46 Prozent dieser Jahre im Plus. September schneidet ähnlich ab: durchschnittlich minus 1,78 Prozent, mit einer Aufwärtsquote von ebenfalls 46 Prozent. Mai zeigt dagegen eine leicht positive Tendenz von durchschnittlich plus 0,36 Prozent mit einer positiven Quote von 58 Prozent.

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Eine separate Auswertung von Dow Jones Market Data, auf die sich MarketWatch bezieht, bestätigt diesen Befund für eine breitere Datenbasis: Über die 17 erfassten Midterm-Zyklen verzeichnete der S&P 500 in 16 von 17 Fällen zwischen Mai und Oktober einen Rückgang. Im Schnitt erstreckte sich der Abschwung über 115 Kalendertage, beginnend typischerweise Ende April und mit einem Tief Mitte August, wie eine Auswertung der Midterm-Jahre von 1950 bis 2022 dokumentiert.

Ausreißer verzerren den Schnitt

Das Muster wird maßgeblich von extremen Einzeljahren geprägt. Den stärksten Einfluss üben 1974 und 2002 aus: 1974, inmitten der Ölpreiskrise, fiel der S&P 500 von Mai bis Oktober um mehr als 32 Prozent; 2002, nach dem Platzen der Dotcom-Blase und im Schatten des Enron-Skandals, um knapp 31 Prozent. Klammert man diese Ausnahmesituationen aus, schrumpft der durchschnittliche Sommer-Rückgang erheblich. Die einzige klare Ausnahme auf der positiven Seite war 1982, als der Index in diesem Zeitraum um 17 Prozent zulegte - getrieben durch den Beginn von einem der längsten Bullenmärkte der US-Geschichte.

Diese Streubreite ist kein Randdetail. Sie zeigt, dass das Muster zwar statistisch robust ist, in einzelnen Jahren aber von makroökonomischen Schocks überlagert wird, die mit dem Wahlzyklus selbst nichts zu tun haben. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: 2026 fällt in das sechste Jahr einer Präsidentschaft - und historisch hat der S&P 500 in solchen Jahren bis dato kein Jahresminus verzeichnet.

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Politische Unsicherheit als Treiber

Der gängige Erklärungsansatz greift auf das Konzept der politischen Unsicherheit zurück: Vor Zwischenwahlen wissen Unternehmen, Investoren und Märkte nicht, wie sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress verschieben werden - und damit, welche Gesetzgebung in den folgenden zwei Jahren zu erwarten ist. Diese Unsicherheit schlägt sich in höherer Volatilität und gedämpfter Risikobereitschaft nieder. Capital Group hält in ihrer Midterm-Analyse fest, dass die Partei des Präsidenten typischerweise Sitze verliert - ein Ausgang, den die Märkte einkalkulieren.

Erst wenn das Wahlergebnis vorliegt, sinkt die Unsicherheit schlagartig. Das erklärt die auffällige Stärke des vierten Quartals in Zwischenwahljahren: Laut der Market-Chart-Pattern-Analyse schlossen Oktober und November in 82 Prozent der Midterm-Jahre seit 1982 mit einem Plus, mit durchschnittlichen Renditen von plus 4,07 Prozent im Oktober und plus 2,77 Prozent im November. Dieser Mechanismus ist unter dem Begriff "Midterm-Election-Year-Effect" etabliert und gilt als eines der statistisch stabilsten Saisonmuster des US-Aktienmarkts.

Die Zwischenwahl-Rally im vierten Quartal

Der Sommer-Rückgang und die anschließende Erholung bilden eine Einheit. Laut CNBC und dem Stock Trader's Almanac hat der S&P 500 in den zwölf Monaten nach jeder Zwischenwahl seit mindestens 1962 zugelegt - eine makellose Bilanz über mehr als sechs Jahrzehnte. Das dritte und vierte Quartal des Zwischenwahljahres sind in Kombination historisch die stärkste Phase des gesamten Vier-Jahres-Wahlzyklus. Der Übergang vom saisonalen Tief im Sommer zur Jahresendrally folgt dabei stets demselben Muster: Unsicherheit vor der Wahl, Erleichterung danach.

Die Frage, welche Partei den Kongress kontrolliert, spielt für diese Rally laut Capital Group eine untergeordnete Rolle. Wie das Unternehmen in seiner Midterm-Analyse festhält, hat die parteipolitische Zusammensetzung des Kongresses historisch keinen messbaren Einfluss auf die Investmentrenditen gehabt. Was zählt, ist die Auflösung der Ungewissheit als solche.

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Jae C. Hong/AP, Niyazz / Shutterstock.com

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11.01.19 BlackRock Hold Deutsche Bank AG
08.09.17 BlackRock Overweight Barclays Capital
19.10.16 BlackRock Buy UBS AG
09.09.16 BlackRock Buy Deutsche Bank AG
16.06.16 BlackRock Buy Deutsche Bank AG