Alphabet-Aktie im Blick: Google drohen Milliardenklagen - EU-Kartellstrafe entfacht neue Prozesswelle
Nach einer EU-Rekordstrafe wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act sieht sich Alphabet einer wachsenden Zahl privater Schadensersatzklagen europäischer Wettbewerber gegenüber.
Werte in diesem Artikel
• EU-Kommission verhängte Ende Juli 2026 eine Strafe von 890 Millionen Euro gegen Google
• Mehrere europäische Preisvergleichsportale wie Idealo, PriceRunner und Kelkoo fordern bereits Schadensersatz
• US-Präsident Donald Trump kündigte als Reaktion eine Handelsuntersuchung an
Erste Strafe unter dem Digital Markets Act
Die EU-Kommission bestrafte Google und den Mutterkonzern Alphabet laut Reuters mit 890 Millionen Euro, weil der Konzern eigene Dienste bevorzugt und App-Entwickler daran gehindert habe, Nutzer auf günstigere Angebote außerhalb des Play Store zu lenken. Es handelt sich um die erste Strafe, die unter dem neuen Digital Markets Act verhängt wurde. Laut Reuters könnte das Urteil weitere Wettbewerber ermutigen, ebenfalls zu klagen.
Wettbewerber ziehen gegen Alphabet vor Gericht
Mehrere Unternehmen haben laut Reuters bereits Klagen eingereicht oder Vergleiche erzielt. Idealo aus Deutschland habe im November vor einem Berliner Gericht 465 Millionen Euro Schadensersatz zugesprochen bekommen, die höchste je in Deutschland verhängte Kartellstrafe. Das schwedische Unternehmen PriceRunner, welches 2022 von Klarna gekauft wurde, habe vor einem Stockholmer Gericht im Juli ein Urteil über rund 1,97 Milliarden US-Dollar inklusive Zinsen erwirkt. Klarna-Anwalt Pontus Scherp rechne laut Reuters jedoch mit einem mehrjährigen Berufungsverfahren. Der britische Anbieter Kelkoo fordere laut eigenen Angaben gegenüber Reuters mehrere Milliarden Pfund Schadensersatz, während die italienische Moltiply Group, Betreiberin von Trovaprezzi.it, 2,97 Milliarden Euro verlange. Zwei von der Prozessfinanzierungsgesellschaft LitFin unterstützte Klägergruppen in Amsterdam fordern zusammen mehr als 1 Milliarde US-Dollar wegen Googles Shopping-Auktionen. Die britischen Unternehmen Foundem und Connexity hätten sich laut Reuters bereits außergerichtlich mit Google geeinigt.
Milliardenschwere Vorgeschichte
Die aktuelle Klagewelle baut laut Reuters auf einer langen Reihe von EU-Sanktionen gegen Google auf, die sich in den vergangenen zehn Jahren auf insgesamt rund 10,4 Milliarden Euro summiert hätten. Dazu zählt laut BBC die Strafe von 2,42 Milliarden Euro aus dem Jahr 2017 wegen der Bevorzugung des eigenen Preisvergleichsdienstes. Hinzu kommt eine Strafe von 4,1 Milliarden Euro wegen des Missbrauchs der Marktmacht über das Betriebssystem Android, die der Europäische Gerichtshof laut BBC im Juli 2026 endgültig bestätigte. Google habe demnach Gerätehersteller verpflichtet, Google Search und Chrome vorzuinstallieren, Hersteller für exklusive Vorinstallationen bezahlt und den Vertrieb alternativer Android-Versionen erschwert. 2025 kam laut BBC eine weitere Strafe von 2,95 Milliarden Euro wegen der Bevorzugung eigener Produkte bei der Anzeige von Online-Werbung zulasten von Wettbewerbern hinzu. Ein Google-Sprecher habe zum Android-Urteil erklärt, die Entscheidung werde den erheblichen Investitionen des Unternehmens in ein offenes und interoperables Android nicht gerecht.
Google weist Vorwürfe zurück
Google bestreite laut Reuters die Berechtigung der Klagen. Ein Unternehmenssprecher habe erklärt, man sei mit den Klagen nicht einverstanden, da es den klagenden Unternehmen um Auszahlungen statt um Investitionen in die eigenen Produkte gehe. Google setze laut Prozessfinanzierer Matej Pardo (LitFin) zudem darauf, dass sich Verfahren über Jahre hinziehen könnten. Im Fall der Shopping-Strafe seien laut Reuters fast zwei Jahrzehnte zwischen mutmaßlichem Verstoß und ausgeschöpften Rechtsmitteln vergangen.
Politische Dimension: Trump droht mit Handelsuntersuchung
Die Sanktionen haben laut Reuters auch transatlantische Spannungen ausgelöst. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die EU-Entscheidung als illegale "Abzocke" amerikanischer Unternehmen und kündigte an, umgehend eine Untersuchung nach Section 301 des US-Handelsgesetzes von 1974 einzuleiten. Die EU werde laut Trump einen hohen Preis für ihr Vorgehen zahlen.
Belastung für Alphabets Finanzen
Die Klagen treffen Google laut Reuters zu einem finanziell angespannten Zeitpunkt: Alphabets freier Cashflow sei im zweiten Quartal 2026 erstmals seit dem Börsengang des Konzerns negativ ausgefallen, was Reuters auf die hohen KI-Investitionen zurückführt. Zugleich stünden Technologie- und Chipwerte unter Druck, da Anleger die Nachhaltigkeit der KI-Infrastrukturausgaben zunehmend hinterfragten.
Markus Maier, Redaktion finanzen.net
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 03.08.26 | Alphabet A (ex Google) Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 24.07.26 | Alphabet A (ex Google) Neutral | UBS AG | |
| 23.07.26 | Alphabet A (ex Google) Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 23.07.26 | Alphabet A (ex Google) Overweight | JP Morgan Chase & Co. | |
| 23.07.26 | Alphabet A (ex Google) Outperform | RBC Capital Markets |
