ROUNDUP: Klinik-Atlas soll abgespeckt werden


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BERLIN (dpa-AFX) - Das neue staatliche Vergleichsportal zu Krankenhäusern in Deutschland soll nach massiver Kritik an angezeigten Daten überarbeitet und abgespeckt werden. "Wir unterziehen den Klinik-Atlas einem umfassenden Update, machen ihn für Patientinnen und Patienten sehr viel leichter verständlich", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) der "Rheinischen Post" (Mittwoch). Statt wie bisher für 23 000 verschiedene Eingriffe solle die neue Version "zunächst für die 20 wichtigsten Eingriffe zeigen, wie gut welches Haus hier ist". Vorgesehen ist dafür ein Update des Portals, das in wenigen Tagen kommen soll.

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Der Mitte Mai gestartete "Bundes-Klinik-Atlas" soll über Leistungen und Behandlungsqualität von rund 1700 Krankenhäusern informieren. Er hatte nach einer Woche bereits ein erstes Update bekommen. Die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister der Länder forderten danach, weiterhin vorhandene Fehler zu beheben, um Patienten nicht durch Falschinformationen zu gefährden. Grund seien nicht mehr aussagefähige Daten. Auch von medizinischen Gesellschaften und der Klinikbranche, die ein eigenes Informationsportal betreibt, kam Kritik.

Eine Ministeriumssprecherin sagte in Berlin, der Atlas sei ein Digitalprojekt, das ständig verbessert werde. Man nehme auch Hinweise aus der Praxis auf. In der nun kommenden neuen Version sollen Gruppen von Krankheiten dargestellt werden, wie Lauterbach sagte. "Geführt werden die Patienten auf der Startseite über größere Kacheln mit allgemeinen Begriffen wie zum Beispiel Krebs, Herz oder Knochen und Gelenke. Dahinter fächern wir dann einzelne Erkrankungen und Operationen auf wie Darmkrebs, Brustkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Bypass- und Stent-Operationen oder den Einsatz von künstlichen Knie- und Hüftgelenken."

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sprach von einer "Bankrotterklärung". Vorstandschef Gerald Gaß sagte, man können diesem Gebaren auf Kosten des Steuerzahlers nur noch kopfschüttelnd zuschauen. Wer auf welcher Grundlage für den Atlas festlege, welche Operationen "wichtig" seien und angezeigt werden, bleibe offen. "Der Minister muss diesen Klinik-Atlas sofort abschalten und grundsätzlich so überarbeiten und von Fehlern befreien, dass ihn die Patientinnen und Patienten unbesorgt nutzen können", forderte Gaß.

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Der Unions-Gesundheitsexperte Tino Sorge (CDU) kritisierte, Lauterbach habe mit seinem Klinik-Atlas einen Fehlstart nach Maß hingelegt. "Dem berechtigten Wunsch nach Transparenz im Gesundheitswesen hat er damit einen Bärendienst erwiesen." Lauterbach müsse die Patientinnen und Patienten um Entschuldigung bitten.

Der Minister wies Kritik erneut zurück. "Zum großen Teil ist sie unberechtigt. Die verwendeten Behandlungsdaten, hinter denen 16 Millionen Versicherte stehen, stimmen. Wären Daten falsch gewesen, hätte ich den Atlas vom Netz genommen." Dennoch habe die Debatte gezeigt, dass der Atlas zu komplex für Laien sei./vrb/sam/DP/ngu

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