ROUNDUP/Studie der Unfallforschung: Damit der Reisebus nicht zur Falle wird


Werte in diesem Artikel
Aktien

46.49 EUR -0.18 EUR -0.39 %

81.15 EUR -1.00 EUR -1.22 %

30.02 EUR -0.56 EUR -1.83 %

MÜNSTER (dpa-AFX) - Zwar sind schwere Reisebusunfälle vergleichsweise selten, doch ein verunglückter Reisebus kann Forschern zufolge schnell zur Falle werden. Eine am Dienstag präsentierte Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt anhand von Unfallsimulationen und technischen Analysen, welche großen Defizite es bei den Evakuierungsmöglichkeiten umgestürzter Busse gibt - und mit welchen in vielen Fällen simplen Vorschlägen für Neufahrzeuge, die Experten Abhilfe schaffen wollen.

Werbung

Das Szenario, das die Forscher mit Probanden im Versuchsaufbau grob nachbilden, ist schaurig: Ein voll besetzter Reisebus ist von der Fahrbahn abgekommen und umgekippt, die Türen sind versperrt. Er könnte in Brand geraten, dichter Qualm könnte die Orientierung in dem ohnehin aus dem Lot geratenen Innenraum zusätzlich erschweren. Es könnte Verletzte geben, Menschen die in Panik geraten. "Wenn ein Bus von der Fahrbahn abkommt, macht das irre Lärm", sagt UDV-Forschungsleiter Siegfried Brockmann.

All das gibt es im Simulator auf dem Crashtest-Gelände nicht - und doch stehen die Testpersonen erheblichen Problemen gegenüber: "Das sind schon enorme Kräfte, die da wirken", beschreibt Angelika Laumann, 51 Jahre, das Gefühl, das sich einstellt, wenn der Bus erst ein wenig, später um volle 90 Grad auf die Seite gekippt wird - und das viel langsamer als beim echten Crash. "Beklemmend und beängstigend", sagt Bianca Ruhoff, 32, nachdem sie sich durchaus mühevoll durch die Dachluke nach draußen gekämpft hat. Viele beklagen, wie schwer es gewesen sei, den gestrafften Beckengurt zu lösen, wenn das eigene Gewicht auf dem Gurtschloss liege.

Weitere Versuchsreihen, technische Analysen und Befragungen zeichnen ein ganz ähnliches Bild: So habe sich gezeigt, dass Dachluken oder Seitenscheiben oft nur mit "großen turnerischen Qualitäten" nutzbar seien, sagt Unfallforscher Brockmann. Splitterreste, wenn der Nothammer zum Einsatz kommen muss, erschweren den Ausstieg. Hinzu kommen große Höhen, die beim Ausstieg überwunden werden müssen. Heckscheiben seien in der Realität häufig durch Fahrradträger oder Skiboxen versperrt. Deswegen schlagen die Experten den Einbau von Frontscheiben vor, die sich im Notfall von innen entfernen lassen. "Das ist kein Hexenwerk: Es genügt ein kleiner Druckschlauch entlang der Klebenaht, um die Scheibe splitterfrei herauszusprengen", sagt Brockmann. Bei einer serienmäßigen Konstruktion sei das eine kleine Investition für ein großes Mehr an Sicherheit.

Werbung

Dreipunktgurte wie im Auto statt der bisher üblichen Beckengurte bringen laut UDV ein zusätzliches Maß an Sicherheit. Lichtleisten zu den nächstgelegenen Notausstiegen könnten helfen, die Orientierung zurückzugewinnen. Eine schon ältere Forderung wiederholen die Unfallforscher auch: Die Brandschutzanforderungen für die Innenraummaterialien müssten endlich besser werden, "um Zeit zu gewinnen, die wir für die Evakuierung einfach brauchen", sagt Brockmann.

Grundsätzlich kritisiert er, dass der Reisebus das einzige Massenverkehrsmittel sei, für das der Gesetzgeber keine maximalen Evakuierungszeiten vorschreibe. Während ein Passagierflugzeug keine Zulassung bekommen würde, wenn es nicht binnen 90 Sekunden geräumt werden kann, fehlt eine solche Vorschrift beim Reisebus. Ohne eine solche Regelung würden die Busunternehmen die Bequemlichkeit vor die Sicherheit stellen, glaubt Brockmann. Er hält drei Minuten für die Evakuierung eines aufrecht stehenden Busses durch die Tür für realistisch. Ein Problem: Die Gänge seien derart eng, dass korpulente Menschen sich häufig nur seitlich bewegen könnten. Hier dürften verschiebbare Sitze oder Griffe an den Kopfstützen nicht zusätzlich Bewegungsraum verringern.

Reisebusse gelten zwar als vergleichsweise sicheres Verkehrsmittel; betrachtet man das Unglücksrisiko jedoch pro gefahrenem Fahrzeug-Kilometer, ist es den Unfallforschern zufolge etwa vierfach höher als beim Auto. Bei allen Arten von Unfällen und auf alle Arten von Bussen bezogen werden in Deutschland jährlich etwa 6000 Buspassagiere verletzt, davon rund 500 schwer. Todesfälle sind selten und ihre Zahl schwankt von Jahr zu Jahr stark. "Es geht um die seltenen, aber dann doch die gravierenden Fälle und um die Möglichkeiten, die Evakuierung ohne große Schwierigkeiten zu verbessern", sagt Brockmann./fld/DP/zb

Aktuelle Volkswagen (VW) vz. Aktie News

Werbung

Volkswagen (VW) vz. Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Volkswagen (VW) vz. nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
Datum Rating Analyst
10.09.26 Volkswagen (VW) vz Buy Jefferies & Company Inc.
07.09.26 Volkswagen (VW) vz Market-Perform Bernstein Research
07.09.26 Volkswagen (VW) vz Outperform RBC Capital Markets
07.09.26 Volkswagen (VW) vz Buy Jefferies & Company Inc.
04.09.26 Volkswagen (VW) vz Market-Perform Bernstein Research

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.