RWE-Studie belegt Klimavorteil von Flüssiggas - andere Studien nicht
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Von Petra Sorge
BERLIN (Dow Jones)--Der Energieversorger RWE bewirbt eine neue Studie, wonach verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas - LNG) umweltfreundlicher sei als Dieselkraftstoff. Das habe ein zweijähriges wissenschaftliches Pilotprojekt des DAX-Unternehmens mit dem Hafen Duisburg und der Universität Duisburg-Essen ergeben, das von der Europäischen Union kofinanziert wurde. Die CO2-Emissionen von Erdgas-Lkw lagen demnach um rund 10 Prozent, der vergleichbare Ausstoß von Kohlenmonoxid und Stickstoffoxid um über 50 Prozent unter denen herkömmlicher Diesel. Andere Studien waren zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen.
"Flüssiggas ist schon heute eine gute Lösung zur Emissionsreduzierung sowohl im Schwerlastverkehr als auch der Schifffahrt - solange bis alternative Antriebe, wie Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe, wirtschaftlich und in ausreichender Menge zur Verfügung stehen", erklärte der zuständige Projektleiter von RWE Supply & Trading, Andree Stracke. Laut der Studie ist ein weiterer Vorteil von LNG, dass es die Lärmbelastigung beim Fahren reduziert. Für das Projekt zwischen Anfang 2018 und Mitte 2020 wurden rund rund 1,5 Millionen Euro investiert.
Dagegen hatte eine Studie der niederländischen Organisation für angewandte naturwissenschaftliche Forschung (TNO) im Auftrag der niederländischen Regierung im vergangenen Jahr keinen eindeutigen Klimavorteil von Erdgas-Trucks belegen können. Während des kombinierten Stadt-, Land- und Autobahnverkehrs stießen die LNG-Lkw sogar zwei bis fünf Mal mehr Stickoxide aus, als der Diesel-Lkw mit dem niedrigsten Testergebnis, erklärte der auf Verkehrsthemen spezialisierte europäische Umweltdachverband Transport & Environment die Ergebnisse. Auch bei der Feinstaubbelastung hätten die Forscher keinen Unterschied zwischen beiden Kraftstoffen feststellen können.
Zwar hätten die getesteten LNG-Lkw mit Fremdzündungsmotor 3 bis 5 Prozent weniger Treibhausgasemissionen ausgestoßen. Würden aber auch die vorgelagerten Emissionen betrachtet, dann seien "LNG-Lkw mit Fremdzündung klimaschädlicher als der Diesel-Lkw mit dem niedrigsten Testergebnis, während HPDI-Gas-Lkw lediglich einen geringfügigen Vorteil bringen", so der Verband.
Im Januar hatte auch der Internationale Rat für sauberen Verkehr ICCT vor dem massenhaften Einsatz von Flüssiggas im weltweiten Schiffsverkehr gewarnt. Eine Studie der Organisation hatte ergeben, dass in der Betrachtung des gesamten Lebenszyklus LNG rund 70 bis 82 Prozent mehr Treibhausgasemissionen verursacht als Marinediesel. Grund sei das extrem klimaschädliche Methan im LNG, das aus den Schiffsmotoren freigesetzt werden könne: Es gibt über 20 Jahre rund 86-mal mehr Hitze in die Atmosphäre ab als Kohlendioxid.
RWE-Duisburg-Studie: https://duepublico2.uni-due.de/receive/duepublico_mods_00073258
TNO-Report: https://publications.tno.nl/publication/34633965/pl7KqC/TNO-2019-R10193.pdf
Studienzusammenfassung durch Transport & Environment: https://www.transportenvironment.org/sites/te/files/publications/2019_09_do_gas_trucks_reduce_emissions_paper_DE.pdf
ICCT-Studie: https://theicct.org/publications/climate-impacts-LNG-marine-fuel-2020
Kontakt zur Autorin: petra.sorge@wsj.com
DJG/pso/apo
(END) Dow Jones Newswires
November 06, 2020 05:51 ET (10:51 GMT)
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