RWI sieht 2020 BIP-Rückgang um 4,7 Prozent


Von Andreas Kißler

ESSEN/BERLIN (Dow Jones)--Das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung rechnet inzwischen wie auch andere Institute mit einer weniger starken Abwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft als zuvor angenommen. In seiner neuen Prognose erwartet das RWI, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 4,7 Prozent zurückgeht. Im Juni hatte es noch einen Rückgang von 5,8 Prozent prognostiziert. Für 2021 erwartet das RWI laut einer Mitteilung statt 6,4 jetzt 4,5 Prozent Wirtschaftswachstum, für 2022 einen Anstieg von 2,3 Prozent.

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Die deutsche Wirtschaft sei "im zweiten Quartal weniger stark eingebrochen als noch im Juni erwartet", hoben die Essener Wirtschaftsforscher hervor. Die Konsumausgaben des Staates und die Bauinvestitionen seien gestiegen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibe angespannt, die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr bei 5,9 Prozent und im nächsten bei 5,8 Prozent liegen, und 2022 dann auf 5,5 Prozent zurückgehen. Die Zahl der Arbeitslosen soll 2020 bei 2,682 Millionen, 2021 bei 2,650 Millionen und 2022 bei 2,510 Millionen liegen.

Dabei dürfte die Inflationsrate in diesem Jahr unter anderem durch niedrige Energiepreise und die zeitweilige Senkung der Mehrwertsteuer auf 0,5 Prozent zurückgehen. In den kommenden beiden Jahren dürfte sie auf 1,5 Prozent und 1,7 Prozent steigen. Hierfür sollen nach den Erwartungen der Ökonomen die auslaufende Steuersenkung und eine deutliche steigende Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten sorgen.

Verschuldung 2022 wieder unter 60 Prozent

Die öffentlichen Haushalte würden 2020 und 2021 voraussichtlich Defizite von 115,9 und 79 Milliarden Euro aufweisen, die 2022 dann auf 37 Milliarden Euro zurückgehen. Damit steige die Schuldenquote in diesem Jahr zwar rapide auf rund 62,9 Prozent des BIP an, aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Erholung dürfte sie 2022 mit 58,6 Prozent aber wieder die von der EU vorgegebene Maastricht-Marke von 60 Prozent unterschreiten.

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"Größter Unsicherheitsfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung ist der weitere Verlauf der Corona-Pandemie", erklärte das Institut. Annahme der Prognose sei, dass die Corona-Infektionszahlen im Winter wieder etwas ansteigen und es lokal begrenzt zu erneuten Einschränkungen des Wirtschaftsgeschehens kommt. Im Frühjahr dürften diese Effekte dann wieder abnehmen. Angenommen wird aber, dass einschneidende Maßnahmen und insbesondere ein erneuter Shutdown vermieden werden können.

"Der Einbruch der Produktion war weniger stark als zunächst angenommen, aber die bestehenden Beschränkungen behindern weiterhin die wirtschaftliche Normalisierung", sagte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. Stiegen die Infektionszahlen deutlich stärker an als angenommen, würde die wirtschaftliche Erholung sehr viel stärker gedämpft. "Sollten die Fallzahlen schneller zurückgehen, könnte sich die Wirtschaft deutlich schneller erholen."

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/apo

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September 15, 2020 05:00 ET (09:00 GMT)

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