Abnehmduell kippt: Eli Lilly setzt Novo Nordisk unter Zugzwang - Aktien zeigen neue Machtverhältnisse
Eli Lilly und Novo Nordisk haben ihre Jahresprognosen angehoben, doch die Anleger bewerten die Perspektiven der beiden Abnehmriesen zunehmend unterschiedlich.
Werte in diesem Artikel
- Novo Nordisk kämpft trotz angehobener Prognose um das Vertrauen der Anleger
- Studienrückschlag bei Herz-Kreislauf-Wirkstoff belastet die Stimmung bei Novo Nordisk
- Eli Lilly hält im Adipositas- und Diabetesmarkt den deutlich größeren Marktanteil
Eli Lilly und Novo Nordisk haben ihre Quartalszahlen vorgelegt. Während Anleger die Ergebnisse von Lilly honorierten, gerät die Novo-Nordisk-Aktie unter Druck. Beide Unternehmen übertrafen die Erwartungen und hoben ihre Jahresprognosen an, doch die Investoren bewerten die Zukunftsaussichten der beiden Rivalen im Abnehmmittelmarkt zunehmend unterschiedlich.
Novo Nordisk verliert Marktanteile an Eli Lilly
Der Vorsprung von Eli Lilly im Adipositas- und Diabetesmarkt wächst. In den USA kam der Pharmakonzern im zweiten Quartal 2026 auf einen Marktanteil von 60,9 Prozent, wie aus der jüngsten Ergebnispräsentation hervorgeht. Novo Nordisk kam im selben Zeitraum nur noch auf 38,8 Prozent. Lilly meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 22,97 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von starker Nachfrage nach den Mitteln Mounjaro und Zepbound. Das Unternehmen hob die Umsatzprognose für 2026 auf 85,00 bis 87,00 Milliarden US-Dollar an, zuvor waren 82,00 bis 85,00 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt worden.
Novo Nordisk legte einen Tag vor dem großen US-Konkurrenten eigene Zahlen vor: Der bereinigte Nettoumsatz stieg auf 78,5 Milliarden dänische Kronen, ein Plus von 7 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Der Konzern hob die Jahresprognose an, das bereinigte Umsatzwachstum wird nun bei 0 bis minus 6 Prozent bei konstanten Wechselkursen erwartet, nachdem zuvor ein Rückgang von bis zu 12 Prozent im Raum stand. Trotz der Anhebung rechnet Novo Nordisk weiterhin mit einer Spanne zwischen stabilem Umsatz und einem Rückgang von bis zu sechs Prozent, während Lilly von kräftigem Wachstum ausgeht.
Rückschläge in der Pipeline belasten Novo Nordisk
Neben dem Marktanteilsverlust sorgen Studienergebnisse für Verunsicherung. Die Phase-3-Studie ZEUS zum Herz-Kreislauf-Wirkstoff Ziltivekimab verfehlte im Juli ihren primären Endpunkt, ein Rückschlag für Novo Nordisks Ambitionen, das Portfolio über Adipositas und Diabetes hinaus zu diversifizieren. In der Studie REIMAGINE 4 zeigte der Kandidat CagriSema bei Typ-2-Diabetikern zwar Nichtunterlegenheit beim Gewichtsverlust gegenüber Lillys Tirzepatid, verpasste die Nichtunterlegenheit bei der Blutzuckersenkung jedoch. BMO-Capital-Markets-Analyst Evan Seigerman äußerte sich dahingehend, der Weg zu nachhaltigem Wachstum bleibe trotz der angehobenen Prognose unklar.
Auch die Wegovy-Pille, Novo Nordisks orales GLP-1-Präparat, blieb im zweiten Quartal in den USA leicht unter den Erwartungen der Analysten, was laut CNBC bei einigen Investoren für Enttäuschung sorgte. Das Unternehmen verweist dagegen auf mehr als 5 Millionen Patienten seit dem US-Start im Januar und kündigte für September dieses Jahres den Marktstart in Deutschland an, den ersten in einem EU-Land. Bernstein-Analystin Courtney Breen sieht Lilly weiterhin am besten positioniert, um vom Wachstum des globalen Inkretin-Marktes zu profitieren, der laut Branchenschätzungen bis in die 2030er-Jahre einen Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.
Analysten uneins über Novo Nordisk
Die Einschätzungen der Analystenhäuser zur Novo-Nordisk-Aktie fallen nach den Zahlen gemischt aus. Die Deutsche Bank bestätigte am 6. August 2026 ihr Hold-Rating mit einem Kursziel von 290,00 dänischen Kronen, Goldman Sachs senkte das Kursziel am selben Tag von 310,00 auf 285,00 dänische Kronen bei einem Neutral-Votum. Barclays und UBS stuften die Aktie am selben Tag ebenfalls verhalten ein.
Jefferies-Analyst Michael Leuchten brachte die Stimmung am Dienstag auf den Punkt: Insgesamt blieben für 2027 viele Fragen offen. Ein Citi-Analyst urteilte unterdessen knapper, es gebe insgesamt nichts, was inspiriere. Novo-Nordisk-CEO Mike Doustdar verteidigte die Strategie rund um die Wegovy-Pille und verwies auf geplante Markteinführungen in weiteren Ländern als möglichen Wachstumstreiber.
Novo Nordisk-Aktie mit schwächerer Performance
Auch am Aktienmarkt zeigt sich, wie sich beide Unternehmen voneinander entfernen. Während die Novo Nordisk-Aktie seit Jahresstart rund 5 Prozent an Wert verloren hat, haben Eli Lilly-Investoren 2026 bislang ein Plus von rund elf Prozent in ihren Depots.
Am Freitag gehörte Novo Nordisk unterdessen zu den Gewinnern und legte an der Börse in Dänemark 3,92 Prozent auf 305,10 DKK zu, während sich die Eli Lilly-Aktie an der NYSE bei 1.185,71 US-Dollar und damit 0,52 Prozent tiefer zeigte.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Novo Nordisk, Jonathan Weiss / Shutterstock.com
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 07.08.26 | Novo Nordisk Halten | DZ BANK | |
| 06.08.26 | Novo Nordisk Hold | Deutsche Bank AG | |
| 06.08.26 | Novo Nordisk Neutral | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 06.08.26 | Novo Nordisk Equal Weight | Barclays Capital | |
| 06.08.26 | Novo Nordisk Neutral | UBS AG |
