Scholz: Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke helfen jetzt nicht weiter


BERLIN (Dow Jones)--Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Forderungen nach einer längeren Laufzeit für die verbliebenen Atomkraftwerke zurückgewiesen. Atomstrom würde Deutschland in der aktuellen Situation auf absehbare Zeit nicht weiterhelfen, wie Scholz in einem Interview mit dem Münchener Merkur erklärte.

Werbung

"Die Fachleute sagen uns: Das wird nicht funktionieren. Der Atomausstieg ist lange beschlossen, die Brennelemente und nötigen Wartungsintervalle der Anlagen sind genau auf den Ausstieg abgestimmt worden. Die Brennstäbe reichen bis Jahresende. Neue Brennstäbe zu besorgen, dauert nach diesen Aussagen zwölf bis 18 Monate. Mindestens. Deshalb hilft uns die Atomkraft jetzt nicht weiter, nicht in den beiden nächsten Jahren, auf die es ankommt", sagte Scholz der Zeitung.

Er befürworte den Ausstieg aus der Atomenergie aus vollem Herzen. Aber wenn es problemlos möglich wäre, die Laufzeit um ein oder zwei Jahre zu verlängern, würde sich jetzt wohl kaum jemand dagegen stellen. "Da das aber offenbar nicht möglich ist, halte ich mich mit der Frage nicht lange auf", so Scholz. Die Argumente der Fachleute, die gegen eine Verlängerung sprechen, seien bisher nirgends widerlegt worden.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit betonte zudem, dass für eine längere Laufzeit umfangreiche Sicherheitschecks der Atomkraftwerke notwendig wären. Für diese müssten die Kraftwerke für längere Zeit vom Netz gehen.

Werbung

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte, dass die Regierung die Abhängigkeit von russischer Energie verringern wolle. Russland spiele aber bei den Brennstäben für Atomkraftwerke eine große Rolle, daher würde eine Verlängerung der Atomkraft auch aus diesen Gründen wenig sinnvoll sein.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/smh

(END) Dow Jones Newswires

June 20, 2022 07:01 ET (11:01 GMT)

Werbung