Rekordumsatz aber tiefrote Zahlen: Aurora Cannabis-Aktie lässt Anleger ratlos zurück
Aurora Cannabis präsentiert Rekordwerte beim Medizinalgeschäft und beim bereinigten EBITDA. Doch Anleger reagieren zurückhaltend.
Werte in diesem Artikel
• Rekord bei Medizinalumsatz und bereinigtem EBITDA
• Quartalsmargen und Ergebnis unter Druck
• Gedämpfter Ausblick belastet die Börsenstimmung
Der Cannabis-Konzern Aurora Cannabis hat für das Geschäftsjahr 2026 Rekordzahlen beim globalen Medizinalcannabis-Umsatz und beim bereinigten EBITDA gemeldet. Der Medizinalumsatz kletterte auf 288,6 Millionen kanadische Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA legte um 32 Prozent auf 53,8 Millionen kanadische Dollar zu, ebenfalls ein Bestwert in der Unternehmensgeschichte. Die Aktie zeigt sich davon unbeeindruckt: An der NASDAQ verliert das Papier dennoch 8,36 Prozent und notiert bei 3,015 US-Dollar.
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Schlussquart mit Wachstum aber enttäuschenden Margen
Im vierten Quartal erzielte Aurora einen Gesamtumsatz von 84,8 Millionen kanadische Dollar, ein Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Medizinalcannabis-Umsatz stieg auf 77,1 Millionen kanadische Dollar, 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, und trug 91 Prozent zum Quartalsumsatz bei. Treiber waren Deutschland, wo der Markt wächst, sowie Polen und das kanadische Versicherungsgeschäft mit einem breiteren Produktportfolio. Die bereinigte Bruttomarge vor Bewertungsanpassungen gab jedoch nach: Sie fiel auf 60 Prozent, nach 65 Prozent im Vorjahresquartal. Aurora begründet das mit strategischen Preissenkungen und einem veränderten Umsatzmix.
Konsumentengeschäft wird aufgegeben
Das Konsumgeschäft schrumpfte im vierten Quartal auf 3,6 Millionen kanadische Dollar, gegenüber 8,2 Millionen im Vorjahresquartal. Aurora steuert diesen Rückgang bewusst: Das Unternehmen fährt das Konsumenten- und das Pflanzenvermehrungs-Segment planmäßig herunter, um Ressourcen vollständig auf das globale Medizinalgeschäft zu konzentrieren. Die Bevo-Beteiligung wurde bereits im Februar 2026 abgestoßen. Im April 2026 folgte die Übernahme von Safari Flower Company, einem EU-GMP-zertifizierten Hersteller in Europa, für 26,5 Millionen kanadische Dollar. Aurora will damit die Abhängigkeit von Drittanbietern reduzieren und die Kapazitäten für internationale Märkte ausbauen.
Kosten steigen - Nettoverlust weitet sich aus
Die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten stiegen im vierten Quartal auf 40,3 Millionen kanadische Dollar, nach 35,4 Millionen im Vorjahr. Gründe sind höhere Personalkosten, gestiegener Vertragsaufwand in Europa und Australien sowie eine Wertberichtigung von 1,9 Millionen kanadische Dollar infolge der Insolvenz zweier Kunden. Das bereinigte EBITDA lag im vierten Quartal bei 9,2 Millionen kanadische Dollar, gegenüber 14,1 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust aus dem laufenden Geschäft weitete sich auf 27,6 Millionen kanadische Dollar aus, nach 12,1 Millionen ein Jahr zuvor. Die liquiden Mittel belaufen sich auf rund 164,7 Millionen kanadische Dollar bei schuldenfreiem Cannabisgeschäft.
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Aurora sinkende Gesamtumsätze. Belastend wirkt vor allem die ab 1. April 2026 geltende Absenkung der staatlich erstatteten Preise im kanadischen Medizinalgeschäft. Aurora stellt den Umsatz für 2027 in Aussicht, der eher dem Cannabis-Nettoumsatz des Geschäftsjahres 2025 entsprechen dürfte. Auch das bereinigte EBITDA soll unter dem Vorjahreswert liegen. Wie schnell das internationale Wachstum in Deutschland und Polen diesen Einschnitt kompensieren kann, bleibt abzuwarten.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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