Stahlindustrie fordert kostenfreie EU-Verschmutzungszertifikate
BERLIN (Dow Jones)--Zum Schutz vor einer Abwanderung der Produktion aus der EU hat die deutsche Stahlindustrie eine freie Zuteilung von Verschmutzungszertifikaten gefordert. "Im Zeitraum von 2021 bis 2030 werden der Stahlindustrie rund 20 Prozent der erforderlichen Emissionszertifikate fehlen", erklärte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, angesichts der schärferen Klimaforderungen des Europäischen Parlaments. Zudem würde jede weitere Beschneidung der freien Zertifikate die Kostenbelastung massiv erhöhen.
Sowohl die Kommission als auch das Bundesumweltministerium unterstützen jedoch eine Verknappung der Zertifikate im europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS. Damit sollen Schlupflöcher gestopft und der CO2-Preis hoch gehalten werden. Stahlpräsident Kerkhoff warnt jedoch, dass der fehlende Investitionsspielraum "dann die Transformation hin zur grünen Stahlproduktion zu ersticken" drohe.
Offen zeigte sich der Verband für das von der EU-Kommission diskutierte Instrument des Grenzausgleichs, darunter einem Klimazoll. Dies könne "die bereits bestehenden Instrumente zur Abwehr von Carbon Leakage sinnvoll ergänzen, darf diese jedoch nicht ersetzen". Das Europaparlament hatte sich für eine Reduktion der CO2-Emissionen um 60 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 ausgesprochen. Damit geht es sogar noch über das 55-Prozent-Ziel der Kommission hinaus.
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October 08, 2020 06:46 ET (10:46 GMT)