Nebius-Aktie reagiert trotz Genehmigung für Rechenzentrum in Vineland negativ
Laut D.A. Davidson ist ein zentrales Ausführungsrisiko für den Microsoft-Deal beseitigt, trotzdem gerät die Nebius-Aktie unter Druck.
Werte in diesem Artikel
- Rechenzentrums-Genehmigung soll Microsoft-Deal absichern, Aktie reagiert gegenteilig
- Ein Analyst macht seine Kürzung des Kursziels innerhalb weniger Tage rückgängig
- Nebius erhöht sein Kapazitätsziel, das Marktumfeld für Technologiewerte schwächelt
Das Planungsgremium der Stadt Vineland in New Jersey hat am Montagabend Phase 2 des dortigen Rechenzentrums genehmigt, das für den milliardenschweren Cloud-Deal von Nebius mit Microsoft zentral ist. Trotz dieser aus Analystensicht wichtigen Hürde gab die Nebius-Aktie am Dienstag um kräftige 7,60 Prozent auf 248,43 US-Dollar nach, belastet von Bewertungsbedenken und einem schwachen Marktumfeld für Technologiewerte.
Im NASDAQ-Handel am Mittwoch verlor die Aktie weitere 9,87 Prozent auf 223,90 US-Dollar.
Vineland-Genehmigung sichert Microsoft-Kapazität ab
Nebius hatte im September 2025 einen Fünfjahresvertrag mit einem Anfangswert von 17,4 Milliarden US-Dollar mit Microsoft geschlossen. Der Deal sieht vor, dass Nebius dem Softwarekonzern dedizierte Kapazität aus dem neuen Rechenzentrum in Vineland, New Jersey, liefert. Genau dieses Projekt hatte sich verzögert: Das Planungsgremium der Stadt hatte seine Zustimmung wegen öffentlichen Widerstands gegen Lärm, Wassernutzung, Emissionen und LNG-Lagerung zurückgehalten. Mit der Genehmigung von Phase 2, die dem bereits im Bau befindlichen Projekt weitere 600.000 Quadratfuß Fläche hinzufügen soll, sieht D.A. Davidson diese Hürde als genommen an.
Der Entwickler DataOne hatte ursprünglich eine rund 300-Megawatt-Anlage genehmigt bekommen und in der Folge einen größeren Ausbau vorgeschlagen, der wegen der Änderungsanträge ins Stocken geraten war. Nach Einschätzung von D.A. Davidson ist mit der Genehmigung von Phase 2 ein wesentliches Ausführungsrisiko für die Microsoft-Kapazität aus Vineland beseitigt.
Analyst macht Kürzung rückgängig, Kurs bricht trotzdem ein
Gil Luria von D.A. Davidson hatte sein Kursziel für Nebius am 11. August um 30 Prozent auf 175 US-Dollar gesenkt (Einstufung: Hold), aus Sorge, das Unternehmen könne wegen Verzögerungen bei der Genehmigung zum Sinnbild für Probleme in der Baubranche der Rechenzentren werden. Nach dem Beschluss aus Vineland hob er das Kursziel am 18. August wieder auf 250 US-Dollar an und erklärte, die Genehmigung habe ein erhebliches Risiko beseitigt, das rund drei Milliarden US-Dollar Umsatz für das Jahr 2026 bedroht hatte. Nebius selbst hatte im Rahmen der Zahlen zum zweiten Quartal sein Umsatzziel von 3 bis 3,4 Milliarden US-Dollar für 2026 bekräftigt und das Ziel für kontrahierte Stromkapazität von zuvor über vier Gigawatt auf fünf Gigawatt angehoben.
Trotz dieser positiven Signale fiel die Nebius-Aktie am Dienstag, was mehrere Marktbeobachter auf Bewertungsbedenken nach der vorangegangenen Kursrally zurückführten. Investing.com ordnete den Rückgang als gesunde, wenn auch scharfe Konsolidierung nach einer außergewöhnlichen Kursrally ein, ausgelöst durch die Zahlen zum zweiten Quartal, und nicht als Zeichen einer fundamentalen Verschlechterung der Geschäftsaussichten.
Marktumfeld verstärkt den Druck auf die Nebius-Aktie
Zusätzlich belastet wurde die Aktie durch ein schwieriges Marktumfeld: Der NASDAQ Composite gab am Dienstag nach, gebremst von steigenden langfristigen Anleiherenditen infolge von Inflationssorgen und umfangreichen Anleiheemissionen von Unternehmen aus dem Bereich KI-Infrastruktur. Auch NVIDIA, ein wichtiger strategischer Partner und Investor von Nebius, notierte schwächer und verstärkte damit den Druck auf den gesamten Sektor.
Die Zahlen zum zweiten Quartal, die Nebius am 12. August veröffentlicht hatte, waren zunächst mit deutlichen Kursgewinnen aufgenommen worden. Der Umsatz der KI-Cloud-Sparte war um fast das Sechsfache gestiegen und hatte den Gesamtumsatz auf 582,3 Millionen US-Dollar getrieben, womit die Markterwartungen übertroffen wurden. Der Wert der KI-Cloud-Deals hatte sich zudem nahezu vervierfacht, mit vier Verträgen im Durchschnittswert von jeweils über einer Milliarde US-Dollar.
Ob die Genehmigung aus Vineland tatsächlich als Wendepunkt für die Ausführungsstory von Nebius taugt, dürfte sich erst zeigen, wenn das Unternehmen konkrete Fortschritte beim Ausbau der Kapazität nachweist.
Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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