UBA: Emissionen deutscher Anlagen steigen 2021 mit 11% unerwartet stark
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Die Treibhausgasemissionen von deutschen Anlagen und im Luftverkehr sind im vergangenen Jahr unerwartet stark gestiegen. Laut Umweltbundesamt (UBA) war 2021 die wirtschaftliche Erholung Hauptgrund für den Anstieg um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zudem gab es trotz der hohen Kohlendioxid-Preise im europäischen Emissionshandel einen starken Anstieg der Emissionen aus Kohleverbrennung. Als Konsequenz fordert das Umweltbundesamt eine schnellere Abkehr von fossiler Energien.
Denn die Emissionen in Deutschland stiegen stärker als in den anderen am europäischen Emissionshandel teilnehmenden Ländern. Außerdem erhöhte sich der deutsche Treibhausgasausstoß im Emissionshandelssektor deutlich stärker als der zuvor gemeldete gesamte deutsche Zuwachs von 4,5 Prozent.
Insgesamt wurde das Emissions-Niveau der deutschen Anlagen und des Luftverkehrs im Vergleich zum Niveau vor der Corona-Pandemie nur um etwa 8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente unterschritten, so das Fazit des Jahresberichts des Umweltbundesamts. Rund 1.730 deutsche stationäre Anlagen sind im Europäischen Emissionshandelssystem (EU-ETS) erfasst. Deren Emissionen stiegen lagen bei rund 355 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente.
Wiederanstieg unerwartet deutlich
"Der Wiederanstieg der Emissionen im Jahr 2021, dem zweiten Jahr der Pandemie, war erwartbar, jedoch nicht dessen Ausmaß", erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. "Hier müssen wir entschieden gegensteuern und die schnellere Abkehr von fossilen Energien vorantreiben."
Zudem helfe ein ambitionierter Klimaschutz auch gegen Deutschlands Energieabhängigkeit von Russland. Laut Messner könnte ein reformierter Emissionshandel hierfür maßgebliche Impulse setzen.
Emissionsobergrenzen im Handel sollten abgesenkt werden
Jürgen Landgrebe von der Deutschen Emissionshandelsstelle forderte, dass bei den laufenden Verhandlungen zur Neuausrichtung der europäischen Klimapolitik die europäischen Staats- und Regierungschefs sowie das Europäisches Parlament konsequent auf eine ambitionierte Reform des Emissionshandels setzen sollten.
"Dafür ist insbesondere entscheidend, dass die Emissionsobergrenzen im EU-ETS deutlich abgesenkt werden", sagte Landgrebe. Außerdem würden mit den stark gestiegenen Auktionserlösen aus dem europäischen Emissionshandel erhebliche finanzielle Spielräume in der EU zur Bekämpfung des Klimawandels geschaffen.
Diese Mittel müssten für eine gezielte Unterstützung und soziale Abfederung der gesellschaftlichen Anstrengungen zur Dekarbonisierung genutzt werden, so die Forderung der Deutschen Emissionshandelsstelle.
Besonders hoher Anstieg bei Energieanlagen und Luftverkehr
Erstmals seit 2013 stiegen im vergangenen Jahr die Emissionen der deutschen Energieanlagen wieder an. Sie lagen mit 235 Millionen Tonnen CO2 um 14 Prozent über dem Vorjahresniveau. Laut Umweltbundesamt resultierte der Anstieg aus der gestiegenen Stromnachfrage aufgrund der konjunkturellen Erholung sowie aus den zunehmenden Emissionen aus der Verbrennung von Stein- und Braunkohle. Letzteres lag dem Bericht zufolge an der deutlich geringeren Einspeisung der Windkraftanlagen sowie dem überproportionalen Preisanstieg bei Erdgas, welcher trotz der hohen CO2-Preise den Einsatz von Stein- und Braunkohlekraftwerken gegenüber den Erdgasanlagen wirtschaftlich begünstigte.
Auch in der energieintensiven Industrie erhöhten sich die Emissionen. Diese stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf 120 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Damit wuchsen sie nach zwei Jahren mit konjunkturbedingten Rückgängen wieder und erreichten fast wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie.
Die größten Anstiege gab es in der Eisen- und Stahlindustrie mit 13 Prozent, gefolgt von Industrie- und Baukalk mit plus 9 Prozent. In der chemischen Industrie, der Zementklinkerherstellung und der Papier- und Zellstoffindustrie stiegen die Emissionen geringer an mit Werten zwischen 2 und 3 Prozent. Demgegenüber sanken jene der Raffinerien um rund 2 Prozent.
Besonders deutlich war der Emissionsanstieg im Luftverkehr mit 20 Prozent. Das Umweltbundesamt führte dies auf die Erholung des Luftverkehrssektors im vergangenen Jahr nach dem coronabedingten starken Rückgang der Transportleistungen 2020 zurück.
Deutschland hinkt auch im langjährigen Vergleich hinter Europa her
Im langjährigen Vergleich sind die Emissionen des Europäischen Emissionshandelssystems gegenüber 2005 europaweit um rund 38 Prozent und damit stärker zurückgegangen als in Deutschland mit etwa 31 Prozent.
Das Emissionsniveau im Europäischen Emissionshandelssystem liege damit bereits nah an der aktuell geltenden Zielvorgabe für 2030 von minus 43 Prozent. Dies unterstreiche "den großen Spielraum für eine Ambitionssteigerung" in dem Emissionshandelssystem, so das Fazit des Umweltbundesamts.
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June 15, 2022 08:30 ET (12:30 GMT)