'Relief-Rally' im Software-Sektor: Wie die Aktien von SAP, ServiceNow & Co. vom verschobenen OpenAI-IPO profitieren
Weil OpenAI seinen Börsengang wohl auf nächstes Jahr verschiebt, feiert die Software-Branche: Darum profitiert der Sektor, wenn KI-Zweifel aufkommen.
Werte in diesem Artikel
- Mögliche Verschiebung des OpenAI-Börsengangs sorgt für Erleichterung in der Softwarebranche
- ServiceNow, Workday und Figma gehören zu den größten Tagesgewinnern
- Analysten sehen nachlassendes Negativsentiment für den Sektor
Software-Aktien haben vor dem Wochenende eine der stärksten Sektorbewegungen des bisherigen Jahres hingelegt. Auslöser war ein Bericht der "New York Times", wonach OpenAI seinen lange erwarteten Börsengang möglicherweise aufgrund von finanziellen Herausforderungen auf 2027 verschiebt. Für viele Marktteilnehmer war das ein Signal: Die existenzielle KI-Bedrohung für klassische Unternehmens-Software könnte übertrieben worden sein. KI-Profiteure wie Chip-Unternehmen gerieten gehörig unter Druck, während Software an der Spitze des S&P 500 stand.
Software-Aktien mit kräftiger Rally am Freitag
Die Kursgewinne vom Freitag verteilten sich dennoch ungleich über den Sektor. Die ServiceNow-Aktie gewann an der NYSE kräftige 9,85 Prozent auf 98,34 US-Dollar hinzu und zählte damit zu den absoluten Spitzenreitern im S&P 500. Ähnlich stark legte Workday an der NASDAQ zu: Das Papier gewann 9,18 Prozent auf 124,21 US-Dollar. Die erst im vergangenen Jahr an die Börse gebrachte Figma-Aktie verteuerte sich um 10,57 Prozent auf 18,62 US-Dollar. Salesforce gewann 5,45 Prozent auf 158,37 US-Dollar, AppLovin schloss 6,99 Prozent höher bei 477,08 US-Dollar.
Auch die Aktien des deutschen Softwareriesen SAP SAP zogen via XETRA 2,16 Prozent auf 135,14 Euro an. Bei den ADRs belief sich das Plus sogar auf 4,75 Prozent auf 155,09 US-Dollar. Breiter gefasst übertraf der Softwaresektor die Chipbranche an diesem Tag um rund sieben Prozentpunkte, wie Dow-Jones-Marktdaten zeigen.
Hintergründe der Rally: Der verschobene OpenAI-Börsengang
Den entscheidenden Anstoß lieferte ein Bericht der "New York Times" vom 25. Juni 2026, dem zufolge OpenAI seinen Börsengang wegen finanzieller Schwierigkeiten frühestens 2027 anstreben könnte. OpenAI äußerte sich dazu zunächst nicht. Raymond-James-Analyst Adam Tindle beobachtete, dass ausgerechnet jene Titel am stärksten stiegen, die zuletzt als besonders KI-gefährdet galten - zum Beispiel bei ServiceNow.
Ganz anders die Reaktion bei Oracle: Der Konzern, der mit einem 300-Milliarden-Dollar-Cloud-Vertrag tief an OpenAIs Infrastruktur gebunden ist, verlor am Freitag rund drei Prozent. Morningstar-Analyst Luke Yang erklärte gegenüber MarketWatch, der IPO-Aufschub sei eine "gute Nachricht für die Anwendungsseite, aber eine schlechte für die Cloud-Infrastruktur".
Warum der Software-Sektor KI-Zweifel feiert
Der Grund für die Kursreaktion liegt im Narrativ, das den Software-Sektor seit Monaten belastet. Die überwiegende Marktmeinung lautete: KI werde klassische Unternehmens-Software verdrängen und ganze Produktkategorien obsolet machen. Für Anbieter wie ServiceNow, Workday oder Salesforce, die auf Abonnements für Workflow- und CRM-Plattformen setzen, war das eine strukturelle Bedrohungsthese. Dass OpenAI nun selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein soll und den eigenen Börsengang nicht wie geplant stemmen kann, schwächt diese These erheblich.
RBC-Capital-Markets-Analyst Rishi Jaluria formulierte es gegenüber MarketWatch prägnant: Das Sentiment im Sektor sei zwar nach wie vor stark negativ, der Tiefpunkt dieser Negativität könnte aber bereits überwunden worden sein. Gleichzeitig warnte er davor, nun zu euphorisch zu reagieren: Unternehmen würden ihre Software-Suiten nicht von heute auf morgen durch KI ersetzen. Die flächendeckende Substitutionsthese entspreche schlicht nicht der Realität, die er bei Unternehmenskunden beobachte.
Was Anleger jetzt wissen müssen
Vor einem voreiligen Schluss sei gewarnt: Ein einzelner Handelstag trägt keine strukturelle Trendwende. Jaluria räumte ein, der Markt zweifle weiter an der langfristigen Wachstumsperspektive des Sektors. Was sich verändert hat, ist der Ton: Aus einem Sektor, über dem KI wie ein pauschales Verdammungsurteil hing, wird einer, in dem Anleger wieder differenzieren.
Aktien wie die von ServiceNow hatten zuletzt besonders stark unter KI-Sorgen gelitten und profitieren entsprechend überproportional von der Neubewertung. Salesforce kämpft unterdessen auf einem anderen Niveau: Das Unternehmen hat jüngst die KI-Kundenservice-Plattform Fin für 3,6 Milliarden USD übernommen und setzt damit aggressiv auf KI als Wachstumstreiber statt als Bedrohung.
Beobachtungswürdig bleibt, ob der Schwung in den kommenden Wochen anhält oder die Negativstimmung im Sektor zurückkehrt, wenn konkrete Quartalszahlen und Unternehmenskommentare die Frage beantworten müssen, ob der Schaden durch KI-Substitution tatsächlich ausbleibt.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 02.07.26 | SAP SE Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
| 29.06.26 | SAP SE Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 25.06.26 | SAP SE Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 19.06.26 | SAP SE Buy | UBS AG | |
| 19.06.26 | SAP SE Buy | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) |
