Das Altersvorsorgedepot - Ein Plädoyer für den mündigen Investor
Manchmal dauert es in der deutschen Rentenpolitik etwas länger, bis die Realität den Elfenbeinturm erreicht.
Doch mit dem geplanten Altersvorsorgedepot scheint nun endlich ein Knoten zu platzen. Als Vermögensverwalter, der seit Jahrzehnten die frustrierenden Rendite-Verläufe beitragsgarantierter Versicherungsprodukte beobachtet, kann ich nur sagen: Es wurde Zeit.
Das deutsche Problem war nie das Sparen an sich - wir sind Weltmeister im Zurücklegen. Unser Problem war die Angst vor Schwankungen - vor allem in der politischen Debatte. Die starren Beitragsgarantien der alten Welt zwangen Anbieter dazu, das Kapital in renditeschwache Staatsanleihen zu stecken. Das Ergebnis? Nach Inflation blieb oft ein Minus. Das Altersvorsorgedepot bricht dieses Dogma. Es ermöglicht erstmals die staatlich geförderte Investition in ETF und Aktien, ohne dass ein teures Versicherungsmäntelchen das Wachstum erstickt.
Das Altersvorsorgedepot kann ein Erfolgsmodell werden:
Keine Abschluss- oder Verwaltungsprovisionen für Versicherungen. Jeder Euro, der nicht in Gebühren fließt, arbeitet durch den Zinseszinseffekt doppelt für die Rente. Während eine Rentenversicherung oft einem starren Korsett unterliegt, bleibt das Depot dynamisch. Anleger können Strategien anpassen, wenn sich die Marktbedingungen oder die persönliche Risikotoleranz ändern. Sie sehen täglich transaprent, was Ihr Vermögen macht. Das fördert die Eigenverantwortung - eine Eigenschaft, die wir in der Altersvorsorge dringend stärken müssen.
Die politischen Bedenkenträger unken, der "Normalbürger" sei mit der Auswahl von Aktien überfordert. Ich halte das für eine unterschwellige Arroganz. Ja, die Volatilität am Aktienmarkt erfordert starke Nerven. Aber die deutschen Anleger und auch die Finanzbranche haben sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt.
Für uns als Vermögensverwalter gilt seit Langem: Wir erklären Mandanten, dass Risiko nicht gleich Verlust ist, sondern der Preis für Rendite. Wer 30 Jahre Zeit hat, für den ist die tägliche Schwankung irrelevant; für ihn oder sie ist die Inflation das wahre Risiko.
Natürlich steckt der Teufel im Detail - etwa bei der steuerlichen Behandlung der Auszahlungsphase oder der genauen Ausgestaltung der staatlichen Zulagen. Doch die Richtung stimmt. Das Altersvorsorgedepot ist die Chance, die Aktienkultur in Deutschland noch stärker gesellschaftlich zu verankern und Eigeninitiative zu fördern.
Das Altersvorsorgedepot ist kein Allheilmittel, aber es ist das schärfste Schwert, das wir seit langem gegen die drohende Altersarmut aufgrund des schwächelnden umlagefinanzierten Rentensystems erhalten haben. Wer jetzt nicht handelt und die neue Freiheit nutzt, der lässt die Zeit gegen sich arbeiten. Und Zeit ist bei der Geldanlage die einzige Ressource, die man nicht nachkaufen kann.
Diesen und weitere Vermögensverwalter mit Ihren Meinungen und Online-Anlagestrategien finden Sie auf https://www.v-check.de/
Stephanie Schimmer, Portfoliomanagerin der Top Vermögen in Starnberg
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