Versicherer beklagen zu viel Regulierung


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Die in Deutschland tätigen Versicherer beklagen ein Übermaß an Regulierung auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Darunter litten sowohl die Kunden, wenn Entscheidungen länger dauerten als nötig, als auch die Unternehmen, deren bürokratischer Aufwand ständig steige, hieß es bei einem Mediengespräch des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Als Beispiel nannte der Vorsitzende des GDV-Präsidialausschusses Unternehmenssteuerung und Regulierung, Christoph Jurecka, die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. "Wir sind sehr für eine standardisierte, hochwertige Nachhaltigkeitsberichterstattung", sagte er. "Allerdings überfordern Dichte und Fülle der Berichtsanforderungen die Unternehmen", so der Finanzvorstand der Munich Re.

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Bei der Berichterstattung sollten nur diejenigen Inhalte in den Fokus genommen werden, die nachweislich zu mehr Nachhaltigkeit führen, vor allem mit Blick auf den Klimawandel. "Nachhaltigkeitsberichte sollten keine Datenfriedhöfe sein", mahnte er. Auch andere Regelwerke, die den Versicherungssektor beträfen, etwa Solvency 2 oder die Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Versicherern, litten unter Doppel- oder Überregulierung. Fehlende Ausnahmen für kleine und mittlere Unternehmen seien hier eher die Regel als die Ausnahme. "Es macht keinen Sinn, dass ein kleiner Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mit einer Handvoll Beschäftigten die gleichen Anforderungen erfüllen muss wie ein DAX-Konzern", kritisierte Jurecka.

GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen warnte auch vor Hürden bei der digitalen Transformation. Die Datenschutzgrundverordnung halte hartnäckig am Grundsatz der Datenminimierung fest, was in einer beginnenden Datenökonomie nicht mehr zeitgemäß sei. "Insbesondere im Bereich selbstlernender Künstlicher Intelligenz ist es kontraproduktiv, die Datenverarbeitung stark zu beschränken", so Asmussen. Selbst beim Teilen geschäftlicher E-Mail-Adressen würden hohe regulatorische Anforderungen verlangt. Asmussen forderte eine dringend Anpassung der Regeln.

Die Verordnung schränke die Versicherer auch dabei ein, Versicherungsanträge vollständig digital und ohne menschliches Eingreifen zu bearbeiten, beklagte er. Sie erlaube zwar die automatische Verarbeitung von Daten mit Zustimmung der Kunden. Datenschutzbehörden forderten jedoch eine zusätzliche Option zur Überprüfung durch Sachbearbeiter. "Es sollte ausreichen, dass Versicherte eine menschliche Überprüfung verlangen können, wenn sie mit dem digitalen Ergebnis unzufrieden sind", sagte Asmussen.

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Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/mgo

(END) Dow Jones Newswires

October 10, 2023 07:48 ET (11:48 GMT)

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