WDH/ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax mit größtem Minus seit 9/11


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(Artikel im dritten Satz korrigiert: Der deutsche Leitindex)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax (DAX 30) hat zu Wochenbeginn einen der schwärzesten Tage seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte erlebt. Wegen wachsender Rezessionssorgen durch das Coronavirus und die zusätzliche Gefahr eines Ölpreiskrieges flohen die Anleger am Montag panikartig aus dem Aktienmarkt und flüchteten in sichere Häfen. Der deutsche Leitindex hatte zwischenzeitlich fast 1000 Punkte eingebüßt und schloss 7,94 Prozent tiefer bei 10 625,02 Punkten, womit die Gewinne aus dem vergangenen Jahr fast aufgezehrt wurden. Das Minus von diesem Montag ist auf Schlusskursbasis gerechnet der größte prozentuale Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Der MDAX der mittelgroßen Börsentitel ging am Ende um 6,70 Prozent auf Talfahrt und stand damit bei 23 091,71 Punkten.

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Am frühen Nachmittag war der Dax zeitweise um rund 8,5 Prozent in die Tiefe gerauscht. Dies war der höchste Verlust während der Handelszeit seit dem Referendum zum EU-Austritt Großbritanniens im Juni 2016.

Am Ölmarkt waren am Morgen die Preise zeitweise um rund 30 Prozent eingebrochen und damit so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Hintergrund sind die gescheiterten Verhandlungen führender Ölstaaten über eine Drosselung der Fördermenge zur Stabilisierung der Ölpreise.

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners schrieb mit Blick auf den Dax, zum Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Rezessionssorgen komme jetzt noch der Ölpreiskrieg dazu. "Die Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat." Zuflucht suchten sie etwa in Staatsanleihen und bestimmten Währungen.

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So stiegen am deutschen Rentenmarkt die Kurse der Bundeswertpapiere deutlich, während die Renditen entsprechend heftig in den Keller rauschten: Die Umlaufrendite sackte auf ein Rekordtief von minus 0,82 Prozent, nach minus 0,71 Prozent am Freitag. Der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) stieg deutlich um 0,40 Prozent auf 147,49 Punkte. Der Bund-Future (Juni-Kontrakt) sprang um 1,17 Prozent auf 178,34 Punkte hoch.

Der Euro legte ebenfalls stark zu und notierte zuletzt bei 1,1467 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1456 (Freitag: 1,1336) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8729 (0,8821) Euro.

Auch europaweit crashten die Aktienmärkte: Der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50), der Leitindex der Eurozone, sackte um 8,45 Prozent auf 2959,07 Punkte ab. Ähnlich deutlich ging es auch in Paris (CAC 40) und London (FTSE 100) nach unten. Der italienische Leitindex FTSE MIB (FTSE MIB Italien) krachte um mehr als 11 Prozent in die Tiefe.

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In den USA verlor der Dow Jones Industrial (Dow Jones 30 Industrial) zum europäischen Handelsschluss 6,6 Prozent. Der US-Leitindex war zwischenzeitlich kurz vom Handel ausgesetzt worden. Die Aktienmärkte in Asien schlossen tief in der Verlustzone. An der Leitbörse in Tokio stürzte der Nikkei-Index 225 (Nikkei 225) um mehr als 1000 Punkte unter die psychologisch wichtige Marke von 20 000 Punkten. Am Ende ging er rund 5 Prozent tiefer aus dem Handel.

Mit Panik reagierten die Aktienanleger einerseits auf die zunehmende Infektionswelle durch das neuartige Coronavirus und die Sterberate. In Europa stieg vor allem im besonders stark betroffenen Italien die Zahl der Todesfälle sprunghaft an. Große Teile Norditaliens sind inzwischen abgeriegelt. Rein und raus darf man nur noch im Notfall oder aus Arbeitsgründen. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation sieht angesichts der stark wachsenden Zahl an Coronavirusfällen jetzt die Gefahr einer Pandemie.

Andererseits schockierte, dass nach den gescheiterten Verhandlungen von Ölförderstaaten am Freitag nun der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge eskaliert. Angeblich erwägt Saudi-Arabien, seine Fördermenge in den kommenden Monaten zu erhöhen, was dann womöglich auch Russland zu einer ähnlichen Aktion bewegen könnte.

Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets schrieb zur aktuellen Lage am Aktienmarkt: "Die fundamentalen Rahmenbedingungen haben sich so schlagartig verschlechtert, dass es den Investoren immer schwerer fällt, die Risiken im Depot vernünftig zu bewerten." Der Weg des geringsten Widerstandes führe dann erst einmal über den Verkaufsknopf.

In der Dax-Familie gab es fast keine Gewinner, nur die Aktien des Spezialmaschinenbauer ISRA VISION verzeichneten ein Plus von knapp 1 Prozent. Besonders schwere Verluste hingegen erlitten erneut die Aktien der Deutschen Bank (Deutsche Bank). Sie waren im Handelsverlauf bei 5,61 Euro auf ein Rekordtief abgesackt und büßten letztlich am Dax-Ende 13,6 Prozent auf 5,854 Euro ein. Den Papieren der Commerzbank erging es im MDax ähnlich. Sie erreichten zum Handelsschluss ein Rekordtief bei 3,637 Euro und verloren am Ende mehr als 15 Prozent. Die Aussicht auf noch tiefere Zinsen belastete die Bankenbranche. Zudem steigt das Risiko von Kreditausfällen, und das nicht nur wegen einer möglichen virusbedingten Rezession.

Steil abwärts ging es auch für die konjunktursensiblen Papiere der Autobranche. Der bereits durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie den Wandel in Richtung Elektromobilität schwer gebeutelte Sektor sackte europaweit um rund 10 Prozent ab. Im Dax ging es für die Anteile von Daimler um mehr als 13 Prozent abwärts.

Die Papiere der bereits schwer von der Virus-Epidemie betroffenen Lufthansa sackten um mehr als 8 Prozent ab. Die Fluggesellschaft hatte am Freitag bereits mitgeteilt, dass sie wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs infolge der Corona-Epidemie in den nächsten Wochen die Kapazität um bis zu 50 Prozent reduziert.

Endgültige Zahlen und ein vorsichtiger Ausblick auf 2020 kamen zudem vom Waferhersteller Siltronic, dessen Papiere als Schlusslicht im MDax um fast 16 Prozent absackten. Die im Nebenwerteindex SDAX zu findenden Aktien des Windkraftanlagen-Herstellers Nordex büßten nach schwachen Zahlen am Index-Ende rund 14 Prozent ein./la/fba

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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