NVIDIA-Aktie vor dem Quartalsbericht: Warum die Marge über den Börsenherbst entscheidet
Heute Abend legt NVIDIA Zahlen vor, und nach fünf Übertreffen in Folge richtet sich der Blick diesmal vor allem auf die Marge und die Rubin-Visibilität.
Werte in diesem Artikel
- Umsatzprognose und Bruttomarge stehen im Zentrum der Erwartungen an NVIDIA
- Vier Quartale in Folge reagierten Anleger mit Skepsis auf die Zahlenvorlage
- Milliardenschwere Deals mit OpenAI werfen Fragen zur Finanzierung auf
NVIDIA veröffentlicht heute Abend die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027. Der Termin gilt als Belastungsprobe für die gesamte Technologierally des Jahres. Nach fünf Quartalen mit übertroffenen Erwartungen fragen Anleger nicht mehr nur nach Wachstum, sondern nach der Nachhaltigkeit der Marge und der neuen Rubin-Architektur. An der NASDAQ notiert die NVIDIA-Aktie bei 210,73 US-Dollar, einem Minus von 1,09 Prozent.
NVIDIA-Aktie vor Schwankungen: Bruttomarge als Nadelöhr der Erwartungen
Im Zentrum der Debatte steht die Bruttomarge. NVIDIA hatte für das zweite Quartal eine GAAP-Bruttomarge von 74,9 Prozent und eine Non-GAAP-Marge von 75,0 Prozent in Aussicht gestellt, jeweils mit einer Toleranz von 50 Basispunkten. TradingKey verweist auf steigende Kosten bei Speicherchips, Wafern und fortschrittlichem Packaging als möglichen Belastungsfaktor und sieht die entscheidende Frage darin, ob NVIDIA sein Margenziel im mittleren 70-Prozent-Bereich für das Gesamtjahr bestätigt. Laut einer Einschätzung von 24/7 Wall St. besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Non-GAAP-Marge zwischen 74 und 76 Prozent landet und damit im Rahmen der eigenen Prognose bleibt; ein Wert oberhalb von 76 Prozent würde demnach auf schneller als geplant steigende Fertigungsausbeuten bei Blackwell-Chips hindeuten.
Zusätzliche Unsicherheit bringt ein Bericht von Bloomberg News, wonach NVIDIA große Kunden über Preiserhöhungen von mehr als 15 Prozent bei Servern mit den Chip-Generationen Vera Rubin und Grace Blackwell informiert haben soll, wirksam für ab Anfang kommenden Jahres ausgelieferte Systeme. Reuters konnte diesen Bericht eigenen Angaben zufolge nicht unabhängig bestätigen. Sollten sich höhere Preise bewahrheiten, könnten sie einerseits Margendruck abfedern, andererseits Fragen zur Preisdurchsetzbarkeit bei Großkunden aufwerfen.
Rubin-Rampe und ein zunehmend kritischeres Anlegerpublikum
Mit der Vera-Rubin-Plattform hatte NVIDIA im ersten Quartal des Geschäftsjahres seine nächste Chip-Generation vorgestellt, inklusive der Vera-CPU, die laut Unternehmensangaben als erster Prozessor speziell für agentische KI-Anwendungen konzipiert wurde. Laut Marktbeobachtung soll die Massenproduktion bereits angelaufen sein, Serienauslieferungen der Partner werden für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. CEO Jensen Huang stützt einem Bericht von 24/7 Wall St. zufolge ein kumuliertes Umsatzziel von 1 Billion US-Dollar aus den Chip-Familien Blackwell und Rubin zwischen 2025 und Ende 2027.
Wie belastbar diese Rampe ist, dürfte die Kursreaktion maßgeblich prägen. Die NVIDIA-Aktie fiel nach den beiden jüngsten Quartalsberichten binnen 30 Tagen jeweils deutlich, um 9,34 Prozent beziehungsweise 10,67 Prozent, obwohl NVIDIA in fünf aufeinanderfolgenden Quartalen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn über den Erwartungen lag. TradingKey wertet zudem vier aufeinanderfolgende Kursrückgänge am Tag nach der Zahlenvorlage als Indiz für einen Fokuswechsel der Anleger, weg von der reinen Frage nach übertroffenen Prognosen, hin zur Frage nach der Nachhaltigkeit des Wachstums.
OpenAI-Deal und Marktumfeld setzen Rahmen
Parallel zur Zahlenvorlage wirkt ein milliardenschweres Engagement NVIDIAs nach: Der Konzern hatte laut einem Bericht von Reuters vom 17. August eine Garantie von bis zu 105 Milliarden US-Dollar zugesagt, damit OpenAI ein Rechenzentrum in Ohio anmieten kann, zusätzlich sind 1,5 Milliarden US-Dollar an Investitionen in den Projektpartner SB Energy vorgesehen. Reuters ordnet die Vereinbarung in eine Reihe von Finanzierungsengagements NVIDIAs rund um seine eigenen Chip-Kunden ein und beziffert das potenzielle Umsatzvolumen mit OpenAI bis 2030 auf rund 600 Milliarden US-Dollar.
Der Bericht fällt zudem in ein angespanntes Marktumfeld: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte in der Woche zum 21. August den höchsten Stand seit 2007, der S&P 500 lag am Freitag rund 2 Prozent unter seinem Rekordhoch, der Philadelphia-Halbleiterindex verlor in der Woche zum 21. August etwa 5 Prozent. Zusammen mit dem Fed-Notenbanktreffen in Jackson Hole vom 27. bis 29. August gilt der NVIDIA-Bericht damit als Test für die Annahmen hinter der Aktienmarktrally des Jahres. Laut TipRanks stufen 28 von 28 erfassten Häusern die Aktie mit Kaufempfehlungen ein, das mittlere Kursziel liegt bei 304,58 US-Dollar bei einer Spanne von 250 bis 425 US-Dollar. Cantor Fitzgerald, KeyBanc, Rosenblatt Securities und JPMorgan bekräftigten am heutigen Montag ihre Kaufeinstufungen mit Kurszielen von 350, 330, 325 und 280 US-Dollar, BMO Capital hatte die Bewertung am 20. August mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 340 US-Dollar neu aufgenommen.
Wie die Anleger auf die Kombination aus Margenausblick und Rubin-Fortschritt reagieren, dürfte sich in den Handelstagen nach der Zahlenvorlage zeigen.
Julia Walter, Bettina Schneider, Benedict Kurschat, Melanie Schürmann, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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