Gefahr in Verzug?

Rekordanteil an US-Staatsanleihen: Warum Hedgefonds zum Risiko werden


Rekordanteil an US-Staatsanleihen: Warum Hedgefonds zum Risiko werden

Ohne Hedgefonds fände Washington für seine wachsenden Schulden weniger Abnehmer, doch ihre bekannteste Wette auf Staatsanleihen läuft oft mit 20-fachem Hebel oder mehr.

  • Hedgefonds halten mit 2 Billionen US-Dollar einen Rekordanteil von 7 Prozent
  • Fed und BIZ warnen vor hohem Hebel und kurzfristiger Finanzierung über Repos
  • Befürworter sehen in den Fonds eine wichtige Quelle für Liquidität
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Hedgefonds halten so viele US-Staatsanleihen wie nie zuvor, und damit hängt der wichtigste Anleihemarkt der Welt ausgerechnet in einer Phase steigender Renditen stärker an gehebelten Investoren. Nach Schätzung des Office of Financial Research (OFR), einer Forschungsstelle des US-Finanzministeriums, kamen die Fonds Ende 2025 auf Kassabestände von rund 2 Billionen US-Dollar, fast das Dreifache des Niveaus von fünf Jahren zuvor. Gemessen an handelbaren Staatsschulden von 28,9 Billionen US-Dollar ist das ein Rekordanteil von 7 Prozent. Der Zeitpunkt ist heikel: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag am Montag bei rund 5,26 Prozent. Zuvor war sie Anfang Oktober auf den höchsten Stand seit 2002 gestiegen. Die Rendite 30-jähriger US-Treasuries lag zuletzt bei rund 5,66 Prozent, nachdem sie Anfang Oktober ebenfalls ein 24-Jahres-Hoch erreicht hatte.

Hedgefonds springen bei US-Staatsanleihen in die Lücke

Der Zustrom reißt 2026 nicht ab. Nach Daten der US-Notenbank Federal Reserve kauften heimische Hedgefonds im zweiten Quartal netto gut 60 Milliarden US-Dollar an Staatsanleihen, mehr als doppelt so viel wie im ersten Quartal mit gut 26 Milliarden. Im ersten Halbjahr summierten sich die Nettokäufe auf rund 87 Milliarden US-Dollar. Damit besetzen die Fonds eine Rolle, die traditionell Pensionsfonds innehatten. Diese kauften lange Laufzeiten, um Verpflichtungen über Jahrzehnte abzusichern. Laut OECD schwindet dieses Interesse, weil sich die Altersvorsorge von Leistungszusagen hin zu beitragsorientierten Plänen verschiebt, deren Wert von den Anlageerträgen abhängt. Zugleich schichten manche Pensionsfonds in höher verzinste, weniger liquide Anlagen wie Private Credit um.

Hauchdünne Spanne, hoher Hebel

Die neuen Käufer ticken anders. Pensionskassen und Versicherer hätten sehr lange Anlagehorizonte und richteten sich nach ihren Verbindlichkeiten, Hedgefonds gehe es dagegen um Performance, meist auf kürzere Sicht, sagte Noah Hamman, Gründer von AdvisorShares, gegenüber CNBC. Ein Großteil der Aktivität entfällt auf Strategien, die winzige Preisunterschiede zwischen eng verwandten Wertpapieren ausnutzen. Am bekanntesten ist der Basis-Trade: Die Fonds kaufen Anleihen am Kassamarkt und verkaufen zugleich die passenden Terminkontrakte, um an der Differenz zu verdienen. Weil diese Spanne meist minimal ist, finanzieren sie die Positionen über Wertpapierpensionsgeschäfte und bauen Engagements auf, die ihr Eigenkapital um ein Vielfaches übersteigen. Solche Geschäfte würden oft mit dem 20-Fachen oder mehr gehebelt, sagte Don Steinbrugge, Gründer und Chef von Agecroft Partners.

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Aufseher warnen vor einem ungeordneten Abbau

Steinbrugge erinnert an den März 2020, als die Liquidität am Markt für Staatsanleihen abrupt austrocknete und gehebelte Fonds Positionen im Eiltempo auflösen mussten. Daraus könne ein Teufelskreis aus Nachschussforderungen, Zwangsverkäufen und weiterer Volatilität entstehen. Die Aufseher sehen das ähnlich. Die Fed stellte in ihrem Finanzstabilitätsbericht vom Mai fest, dass der Hebel der Hedgefonds nahe Rekordniveau liegt und sich auf große Häuser konzentriert. Verliere ein Fonds plötzlich den Zugang zu Finanzierung, drohten Ansteckungseffekte. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnte in diesem Jahr vor neuen Verwundbarkeiten für die Finanzstabilität, weil die Fonds zu Kernakteuren am Anleihemarkt aufgestiegen seien und sich stark über kurzfristige Repos finanzierten.

Was für Hedgefonds als Liquiditätsgeber spricht

Doch die Fonds sind nicht nur ein Risikofaktor. Ken Heinz, Präsident von Hedge Fund Research, verweist gegenüber CNBC darauf, dass sie Anleihen handeln, statt sie bis zur Fälligkeit zu halten. So könnten sie in Erholungs- wie in Ausverkaufsphasen auf beiden Seiten Liquidität stellen und Zinsbewegungen letztlich glätten. Auch Steinbrugge sieht beide Seiten: Die Rolle der Hedgefonds sei für die Liquidität notwendig und zugleich eine mögliche Quelle systemischer Risiken.

Wie belastbar das Liquiditätsargument ist, wird im Anleiheausverkauf des Jahres 2026 getestet. Schätzungen von Morgan Stanley zufolge sind die gehebelten Positionen im Basis-Trade seit Jahresbeginn um rund ein Fünftel auf etwa 1,2 Billionen US-Dollar geschrumpft. Ein Ausstieg aus Staatsanleihen ist das nicht, die Fed-Daten weisen bis ins zweite Quartal Nettokäufe aus. Der Rückzug zeigt aber, wie schnell sich gehebelte Positionen drehen, sobald die Bedingungen kippen. Die Liquidität, die Hedgefonds in ruhigen Phasen liefern, ist damit gerade unter Stress am wenigsten verlässlich.

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Ob sich der Abbau beschleunigt, lässt sich an den wöchentlichen Positionsdaten der US-Terminmarktaufsicht CFTC zu Terminkontrakten auf Staatsanleihen ablesen, in denen sich die Verkaufsseite des Basis-Trades spiegelt. Die Fed-Daten zum dritten Quartal 2026 zeigen dann, ob die Hedgefonds auch bei Renditen auf Mehrjahreshoch Nettokäufer geblieben sind.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: inray27 / Shutterstock.com, Nagy Bagoly Arpad / Shutterstock.com

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