LBBW: EZB-Pläne für Spread-Begrenzung unnötig und gefährlich


Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Moritz Kraemer, findet die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) für ein Programm zur Begrenzung der Renditeabstände von Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder "unnötig und gefährlich". "Italien steht nicht so schlecht da wie viele Kommentatoren das darstellen", sagte Kraemer in einem Gespräch mit Dow Jones Newswires. Außerdem habe die EZB in Gestalt von Outright Monetary Transaction (OMT) bereits das passende Programm für solche Fälle, während sie mit den Plänen für eine "Antifragmentierung" der verbotenen Staatsfinanzierung "verdammt nahe" komme.

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Kraemer verweist darauf, dass Italien gegenwärtig für seine Staatsschulden so wenig wie noch nie zahle. "Der effektive Kapitalmarktzins Italiens liegt bei knapp unter 2 Prozent", sagte er. Wenn der Zins auf 3,5 bis 4 Prozent steigen sollte, dann entspreche das dem Zins, zu dem Italien seine zehnjährigen Staatsanleihen refinanzieren müsse. Außerdem hätten die italienischen Staatsanleihen eine durchschnittliche Restlaufzeit von sieben Jahren. "Es dauert unglaublich lange, bis sich das durcharbeitet."

Kraemer zufolge geht die EZB mit ihren Plänen zudem ein rechtliches Risiko ein. "Es wird nicht lange dauern, dass sich vier deutsche Professoren finden, die dagegen in Karlsruhe Beschwerde einlegen", prophezeite er. Damit bestehe das Risiko, dass "der Markt von der Leine" gehe und am Ende müsse die EZB doch "ein OMT ausfahren".

Der Vorteil des OMT besteht Kraemer zufolge in der stärkeren Konditionalität, während die von der EZB jetzt angedeuteten Käufe wohl eher nur schwache Konditionen mit sich brächten. "Die Reformfreude der Italiener wird noch schwächer, wenn sie wissen, dass es einen Lagarde-Put gibt", sagte er.

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Der LBBW-Chefvolkswirt rechnet damit, dass die EZB ihren Einlagenzins bis Mitte 2023 auf 2 Prozent anheben wird - "wenn wir keine Gas-Rezession bekommen", wie er anmerkte.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

(END) Dow Jones Newswires

June 27, 2022 05:05 ET (09:05 GMT)

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