Abstimmung verfehlt

Kryptos nach CLARITY-Act-Scheitern im Sinkflug: Einstiegschance bei Bitcoin, Ethereum, Ripple und Co.?


Kryptos nach CLARITY-Act-Scheitern im Sinkflug: Einstiegschance bei Bitcoin, Ethereum, Ripple und Co.?

Nach dem Scheitern der Verfahrensabstimmung zum CLARITY Act am gestrigen Abend geraten Kryptowährungen auf breiter Front unter Druck. Bietet der Rückgang nun eine Einstiegschance?

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  • Verfehlte Abstimmung im US-Senat zum CLARITY Act reißt den Kryptomarkt nach unten
  • Ripple-Chef spricht von einem herzzerreißenden Rückschlag für die Branche
  • Zeitplan im Kongress lässt nun SEC und CFTC in den Fokus rücken

Der US-Senat hat die Verfahrensabstimmung zum CLARITY Act am Dienstag verfehlt und damit den gesamten Kryptomarkt unter Druck gesetzt. Der Bitcoin gibt in der Folge merklich nach, während auch Ethereum, Solana, XRP und Co. deutlich verlieren. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob der Rücksetzer am Kryptomarkt eine Einstiegschance eröffnet oder der Auftakt zu weiteren Verlusten ist.

Gescheiterte Abstimmung trifft den Markt

Der US-Senat verfehlte am Dienstag die sogenannte Cloture-Abstimmung zum Digital Asset Market CLARITY Act. Nötig gewesen wären 60 Stimmen, das Votum kam jedoch lediglich auf 49 zu 50 Stimmen. Es ging dabei allerdings nicht um die endgültige Verabschiedung, sondern nur darum, ob der Senat die Debatte über das Gesetz formal beginnen kann. Nun liegt dieses erst einmal auf Eis.

Der Kursrückgang bei Kryptowährungen folgte prompt: Am Mittwoch notiert der Bitcoin laut "CoinMarketCap" zeitweise bei etwa 75.566 US-Dollar und damit rund 1,5 Prozent tiefer als noch am Tag zuvor, Ethereum gibt daneben um 1,8 Prozent auf rund 2.383 US-Dollar nach. Noch deutlicher traf es Solana mit einem Kursrückgang um rund 2,7 Prozent innerhalb der letzten 24 Stunden. Einer der größten Verlierer nach dem Clarity-Act-Scheitern ist jedoch Ripple: XRP sackt zeitweise um 8,4 Prozent auf 1,26 US-Dollar ab und verliert damit deutlich stärker als der Bitcoin.

Das vorläufige Scheitern des US-CLARITY Act im Senat trifft Ripple besonders stark, da der Gesetzentwurf den regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen in den USA präzisiert und insbesondere die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klarer abgegrenzt hätte. Für XRP wäre dies von besonderer Bedeutung gewesen, da der Token nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit der SEC weiterhin stark mit der Frage regulatorischer Rechtssicherheit verbunden ist. Die Abstimmungsniederlage dämpft daher nicht nur die Hoffnung auf mehr Klarheit für den US-Markt, sondern auch Erwartungen an eine stärkere institutionelle Nutzung von XRP.

Ripple-Chef Brad Garlinghouse äußerte sich via X entsprechend: Es tue weh, dass der CLARITY Act eine entscheidende Verfahrensabstimmung verfehlt habe, schrieb er. "Dies war eine Chance, die weit über Ripple oder ein einzelnes Unternehmen hinausging [...]. Letztlich blieben jedoch die Verbraucher und die Wettbewerbsfähigkeit der USA auf der Strecke", kritisierte Garlinghouse.

Warum das Gesetz scheiterte

Zentraler Streitpunkt war die Veräußerungspflicht für Amtsträger mit Krypto-Beteiligungen. Der republikanische Entwurf sah vor, dass hochrangige Amtsträger mit einem bedeutenden finanziellen Interesse an bestimmten Krypto-Unternehmen dieses entweder verkaufen oder in einen qualifizierten Blind Trust legen müssen, während Demokraten bei einem sehr großen Investment einen kompletten Verkauf forderten. Umstritten war zudem die Reichweite der Ethikregeln: Der republikanische Entwurf erfasste hochrangige gewählte Amtsträger, Bundesrichter und deren Ehepartner, die Demokraten wollten die Vorgaben auch auf Kinder ausdehnen, ein Punkt mit Bezug zu den Krypto-Verbindungen von Donald Trump Jr., Eric Trump und Barron Trump zu World Liberty Financial.

Zuvor war der Entwurf bereits weit fortgeschritten: Eine frühere Fassung passierte das Repräsentantenhaus im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen, im Mai 2026 votierte der Bankenausschuss des Senats mit 15 zu 9 Stimmen dafür.

Einstiegschance oder weiteres Risiko für Bitcoin und Co.?

Ob der Rücksetzer am Kryptomarkt nun als Einstiegschance taugt, wird unterschiedlich beurteilt. Dennis Porter, Mitgründer des Satoshi Action Fund, hatte laut "BeInCrypto" bereits mehr als einen Monat vor der Abstimmung erklärt, das Scheitern sei im Kurs bereits eingepreist gewesen, da Polymarket dem CLARITY Act nur eine Chance von 16 Prozent einräumte, 2026 noch Gesetz zu werden. "TradingKey" stuft die kurzfristigen Folgen als kontrollierbar ein, da sich Bitcoin nach einem kurzzeitigen Rutsch unter die Marke von 75.000 US-Dollar rasch wieder erholt habe.

Strategy betonte, für Bitcoin ändere sich rechtlich nichts, da die Kryptowährung seit Jahren rechtliche und regulatorische Klarheit in den USA genieße. Coinbase-Chef Brian Armstrong sieht dagegen, ebenso wie Ripple-Chef Brad Garlinghouse, nun SEC und CFTC am Zug und erklärte, man könne nicht länger auf den Kongress warten. Dort hält "BTC-ECHO" eine weitere Behandlung in diesem Jahr angesichts von weniger als 36 verbleibenden Sitzungstagen für unwahrscheinlich.

Kurzfristig richtet sich der Blick nun auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank, die am Abend erfolgt ist und die als nächster möglicher Kurstreiber für Bitcoin und den übrigen Kryptomarkt gilt. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte wurde vorgenommen, entscheidend ist aber der Ton der Fed sein. Eine unerwartet straffe Kommunikation könnte Bitcoin und vor allem die bereits stark gefallenen Altcoins wie XRP weiter unter Druck setzen. Signalisiert Fed-Chef Kevin Warsh dagegen, dass der Schritt eine Ausnahme bleiben könnte und die Geldpolitik perspektivisch wieder weniger restriktiv wird, könnte dies den Risikoappetit der Anleger stabilisieren. Damit entscheidet am Mittwoch nicht allein die Höhe des Leitzinses über die weitere Reaktion des Kryptomarktes, sondern vor allem die Frage, wie die Fed den weiteren Zinspfad skizziert.

Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Julia Walter, Melanie Schürmann, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

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