Debasement Trade

Bitcoin-Rally im Blick: Das steckt hinter dem zweistelligem Kursplus in der letzten Woche


Bitcoin-Rally im Blick: Das steckt hinter dem zweistelligem Kursplus in der letzten Woche

Eine Ankündigung des US-Finanzministeriums, Trumps Auftritt im Weißen Haus und Zwangsverkäufe von Shortsellern trafen zusammen und bescherten Bitcoin & Co. eine Rally.

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  • Anleihe-Rückkäufe der US-Finanzbehörde lösen eine Kettenreaktion am Kryptomarkt aus
  • Short-Eindeckungen befeuern die Bewegung, Analysten sprechen vom Debasement Trade
  • Politischer Rückenwind aus Washington sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit

Bitcoin hat in der letzten Woche eine der stärksten Kursbewegungen seit Jahren hingelegt. So stieg der Bitcoinpreis innerhalb einer Woche von knapp 63.000 US-Dollar am 14. August bis knapp 75.000 US-Dollar am letzten Freitag, was einem Kursplus von 18,75 Prozent entspricht. Im Hoch ging es in der letzten Woche gar bis auf 75.401,28 US-Dollar aufwärts.

Auslöser der Rally war eine überraschende Ankündigung des US-Finanzministeriums zu Anleiherückkäufen, verstärkt durch politische Signale aus Washington und eine Welle von Zwangsverkäufen bei Shortsellern. Die Bewegung wirft die Frage auf, ob sich damit ein neues Marktmuster etabliert.

Anleihemarkt als Zündfunke

Am letzten Mittwoch kündigte US-Finanzminister Scott Bessent an, die maximale Rückkaufgröße für 10, 20 und 30 Jahre laufende Staatsanleihen je Operation von zuvor 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Die Maßnahme folgte auf eine Verkaufswelle, die die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2007 getrieben hatte. Die Rendite fiel daraufhin zunächst um 9 Basispunkte, während Bitcoin um 7 Prozent und Gold um 4 Prozent zulegten. Bis Freitag hatte die Rendite den Großteil dieses Rückgangs wieder aufgeholt.

Sygnum-Investmentchef Fabian Dori ordnete den Vorgang in einer E-Mail an CoinDesk ein: Die Maßnahme sei keine Geldpolitik im engeren Sinne, da der Mechanismus bei der Finanzbehörde und nicht in der Notenbankbilanz liege, das Signal aber zähle, da es das Debasement-Narrativ neu befeuere. So zeige es, dass auch der Gold- und Silberpreis mit Bitcoin gemeinsam angezogen seien, was eine Rotation in knappere, nicht staatliche Assets aufzeige.

Robin Brooks, Senior Fellow der Brookings Institution und früherer Chefökonom des IIF, äußerte gegenüber dem Internetportal die Einschätzung, die Märkte seien wachsam gegenüber hochverschuldeten Regierungen, die mit Anleiherenditen spielten. Er äußerte ebenso die Meinung, dass man ein Debasement sehe, was in diesem Zusammenhang die Abwertung einer Landeswährung beschreibt, um die Schuldenlast durch Inflation abzubauen. Die US-Gesamtverschuldung überschritt am selben Tag wie die Ankündigung der Finanzbehörde erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar, nur fünf Monate nach dem Erreichen der 39-Billionen-Marke im März.

Politischer Rückenwind und Short-Eindeckungen

Am Donnerstag rief US-Präsident Trump bei einem Treffen mit Krypto-Führungskräften im Weißen Haus den US-Kongress zur Verabschiedung einer fairen Version des CLARITY Act auf, der die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC für Kryptowerte klären soll. Das Gesetz ist im Senat blockiert. Zwei Tage zuvor hatte die US-Börsenaufsicht SEC bereits ein neues Regulierungsrahmenwerk vorgeschlagen, das bestimmte Krypto-Unternehmen von US-Wertpapierregeln ausnehmen und die Kapitalbeschaffung erleichtern soll. CFTC-Chef Mike Selig kündigte laut Fortune bei einem Termin im Weißen Haus an, jedes verfügbare Instrument nutzen zu wollen, um die krypto-freundliche Agenda der Regierung voranzutreiben.

Parallel dazu mussten laut dem Krypto-Derivate-Datenanbieter CoinGlass bis Freitag mehr als 4 Milliarden US-Dollar an bärischen Krypto-Positionen liquidiert werden, da viele Anleger auf einen gedeckelten Bitcoin-Kurs gesetzt hatten, schreibt Fortune. FxPro-Chefmarktanalyst Alex Kuptsikevich erklärte laut Reuters, die Rally sei durch eine Welle von Short-Eindeckungen nach wochenlangem, extrem engem Handel befeuert worden. Coinage-Gründer Zack Guzman sprach in der Sendung Yahoo Finance-Sendung Morning Brief von einem Debasement Trade und betonte, die Bewegung sei überwiegend durch Spot-Käufe statt durch gehebelte Positionen getrieben worden.

Bitcoin-Rally im Fokus

Die Kursbewegung bei Bitcoin selbst bleibt historisch bemerkenswert: Von einem Januar-Hoch von rund 95.000 US-Dollar war die Kryptowährung bis Ende Juni unter 60.000 US-Dollar gefallen und hatte sich wochenlang zwischen 62.000 und 67.000 US-Dollar bewegt, bevor der Kurs am Freitag über 75.000 US-Dollar stieg. Yahoo Finance verweist auf ein ungewöhnliches Muster: In früheren Wochen mit fallenden Aktien, steigendem Gold und schwachem Dollar sanken die 30-Jahres-Renditen meist parallel, während sie in dieser Woche leicht anzogen, was die Bewegung von historischen Vergleichsfällen abhebt.

Ob sich der Rückenwind aus Washington fortsetzt, hängt maßgeblich von der finalen Abstimmung über den CLARITY Act im Senat ab, die dort weiterhin aussteht.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

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