Coinbase-Aktie und Co. im Blick: SEC plant Safe-Harbor-Regeln für Kryptobörsen und Token

Die US-Börsenaufsicht bringt mit einem neuen Regelpaket Bewegung in den Kryptomarkt. Was das am Ende für Börsen, Emittenten und Krypto-Aktien wie Coinbase-Aktie tatsächlich bedeutet, zeigt sich erst im Detail.
Werte in diesem Artikel
- Die SEC hat eine aktualisierte Regulierungsagenda veröffentlicht, die noch im Juli einen ersten großen Krypto-Regelvorschlag vorsieht
- Entwurf soll Ausnahmen für Start-ups und Fundraising sowie einen Safe-Harbor-Mechanismus für Token-Emittenten enthalten
- Ethereum und Solana gelten als besonders stark exponiert für tokenisierte Real-World-Assets
Die US-Börsenaufsicht SEC bewegt sich unter ihrem aktuellen Vorsitzenden Paul Atkins beim Thema Krypto so entschlossen wie selten zuvor. Am 7. Juli aktualisierte die Behörde ihre Regulierungsagenda für 2026 und setzte darin einen als "Regulation Crypto" bekannten Vorschlag ganz oben auf die Liste. Er soll bereits in diesem Monat vorgelegt werden und würde die erste große, spezifisch auf Kryptowerte zugeschnittene Regel unter Atkins Führung darstellen. Für Anleger zählt vor allem eines: Der Entwurf soll erstmals kodifizierte Ausnahmen von der Wertpapierregistrierung schaffen, statt einzelne Fälle nur von Fall zu Fall zu bewerten.
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Drei Ausnahmen sollen Registrierungspflichten umgehen
Wie IT Boltwise berichtet, zielt der Entwurf laut Behördenagenda technisch auf drei Wege, die ein vollständiges Registrierungsverfahren nach dem Securities Act vermeiden sollen. Eine Start-up-Ausnahme soll es Emittenten in den ersten vier Betriebsjahren erlauben, bis zu 5 Millionen US-Dollar über Krypto-Investment-Contracts einzusammeln. Eine separate Fundraising-Ausnahme würde qualifizierenden Emittenten sogar bis zu 75 Millionen US-Dollar erlauben. Der wohl wichtigste Baustein ist jedoch der eigentliche Safe-Harbor-Mechanismus: Sobald die für das frühe Funktionieren eines Tokens entscheidenden Management-Anstrengungen abgeschlossen oder dauerhaft eingestellt sind, soll es eine verbindliche Bestätigung geben, dass der Token keinen Investment Contract mehr darstellt und damit aus dem unmittelbaren Fokus der SEC-Zuständigkeit fällt.
Auch Börsen und Broker bekommen neue Pflichten
Neben der Emittentenseite nimmt die Agenda laut BTC Echo ausdrücklich auch Handelsplattformen und Broker ins Visier. Geplant sind strengere Anforderungen an die Verwahrung von Kundengeldern sowie Mindestanforderungen an liquide Mittel, dazu angepasste Dokumentationspflichten für den Krypto-Handel. Damit dürfte sich das regulatorische Umfeld gerade für Coinbase als größte an einer US-Börse notierte Kryptoplattform spürbar verändern, sobald die Regeln tatsächlich greifen. Atkins grenzt sich mit diesem Kurs bewusst von seinem Vorgänger Gary Gensler ab, unter dessen Führung die SEC vor allem über Klagen gegen einzelne Unternehmen vorging. Sein eigener Ansatz setzt stattdessen auf einen klar kodifizierten Rahmen, ergänzt um die im März gemeinsam mit der CFTC veröffentlichte Abgrenzung zwischen Wertpapieren und anderen Kryptowerten.
Ethereum und Solana als größte Nutznießer im Blick
Marktbeobachter richten den Blick bereits auf die Netzwerke, die von mehr Rechtssicherheit bei tokenisierten Real-World-Assets am stärksten profitieren könnten. Für Ethereum wird laut IT Boltwise ein RWA-Volumen von rund 15,9 Milliarden US-Dollar genannt, was nahezu die Hälfte des gesamten tokenisierten RWA-Marktes von 33,9 Milliarden US-Dollar ausmacht. Solana wiederum soll sein RWA-Fundament von 1,4 Milliarden US-Dollar zu Jahresbeginn auf 3,3 Milliarden US-Dollar bis zum 10. Juli 2026 ausgebaut haben, mit einem erklärten Schwerpunkt auf tokenisierten Aktien. Während die USA mit dem Safe-Harbor-Ansatz einen eigenen Weg verfolgen, setzt die EU mit MiCA weiterhin auf eine andere Marktstruktur, was langfristig zu unterschiedlich designten Produkten je nach Jurisdiktion führen dürfte.
Der nächste konkrete Beobachtungspunkt ist weniger der Text des Vorschlags selbst als das Tempo des Verfahrens. Anleger sollten verfolgen, ob die SEC das offizielle Notice of Proposed Rulemaking tatsächlich noch im Juli veröffentlicht, ob der Vorschlag die Prüfung durch das Office of Information and Regulatory Affairs im Weißen Haus durchläuft und ob der parallel im Senat diskutierte Clarity Act vor der Sommerpause im August noch eine Hürde nimmt.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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