Amundi Euro Stoxx Banks ETF: 2025 war das beste Bankenjahr seit über einem Vierteljahrhundert. Was steckt dahinter?
Fast 90 Prozent Plus im Jahr 2025 bedeuteten das beste Bankenjahr seit über einem Vierteljahrhundert. Der ETF zeigt, wie außergewöhnlich stark sich Europas Kreditinstitute zuletzt entwickelt haben.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 2025 legte der Fonds um knapp 90 Prozent zu, das beste Jahr der europäischen Bankenbranche seit 1997.
- Als einziger ETF auf den EURO STOXX Banks Index konzentriert sich der Fonds ausschließlich auf Banken der Eurozone, HSBC und andere britische Institute fehlen komplett.
- Spanien und Italien vereinen zusammen bereits über die Hälfte des Fondsvermögens, ein direktes Resultat der besonders starken Erholung der dortigen Bankensektoren.
Der einzige ETF auf einen enger gefassten Bankenindex
Der Amundi Euro Stoxx Banks UCITS ETF Acc bildet den EURO STOXX Banks Index nach und ist der einzige verfügbare ETF, der genau diesen Index abbildet. Der entscheidende Unterschied zu anderen europäischen Finanzdienstleistungs-ETFs liegt im Anlageuniversum. Während etwa der iShares STOXX Europe 600 Banks UCITS ETF oder der iShares MSCI Europe Financials Sector UCITS ETF ganz Europa inklusive Großbritannien abdecken und damit auch Schwergewichte wie HSBC einschließen, konzentriert sich der EURO STOXX Banks Index ausschließlich auf Banken mit Sitz in der Eurozone, aktuell 29 Institute.
Wer sich für diesen Fonds statt eine der breiteren Alternativen entscheidet, setzt damit ganz bewusst und konzentriert auf die Erholung der Eurozone-Banken, ohne die Verwässerung durch britische oder skandinavische Nicht-Euro-Institute. Für Anleger, die überzeugt sind, dass gerade die Eurozone-Banken von den anhaltend attraktiven Zinsen der Europäischen Zentralbank sowie einer branchenweiten Konsolidierungswelle profitieren, ist der Fonds damit die gezieltere Wahl gegenüber den breiter gestreuten Alternativen. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und thesauriert seine Erträge. Mit einem Fondsvolumen von 6,5 Milliarden Euro ist er unter 17 verfügbaren europäischen Finanzdienstleistungs-ETFs mit Abstand der größte. Bei den Kosten liegt er mit 0,30 Prozent pro Jahr im Mittelfeld, zählt aber innerhalb der vier größten Fonds in diesem Segment mit zu den günstigsten Optionen. Günstiger ist in der Top 5 nur der auf Finanzwerte statt reine Banken fokussierte iShares MSCI Europe Financials Sector UCITS ETF mit 0,18 Prozent.
Banco Santander und BBVA: Warum spanische Banken die Spitze bestimmen
Die zehn größten Positionen vereinen 75,2 Prozent des Fonds, wobei zwei Positionen über 10 Prozent Gewicht bringen. Größte Position ist mit 14,07 Prozent Banco Santander, die größte Bank der Eurozone nach Marktkapitalisierung, mit einem breit diversifizierten Geschäft aus Privatkunden-, Firmenkunden- und Investmentbanking sowie umfangreichem internationalem Geschäft in Lateinamerika, Großbritannien und den USA. Die Bank meldete für 2025 mit 14,1 Mrd. Euro einen Rekordgewinn, den siebten Quartalsrekord in Folge, und kündigte auf ihrem Investorentag im Februar 2026 ambitionierte neue Ziele an. Darunter eine Eigenkapitalrendite von über 20 Prozent bis 2028 sowie ein Wachstum der Kundenzahl von 180 auf über 210 Millionen. Auf Platz zwei folgt mit 10,30 Prozent Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, kurz BBVA, ebenfalls eine spanische Großbank mit bedeutendem Geschäft in Mexiko und der Türkei, die zuletzt von einem anhaltend günstigen Zinsumfeld sowie einem wachsenden Kreditgeschäft profitierte und 2025 zu den stärksten Kursgewinnern der gesamten Branche zählte. Beide Banken zeigen exemplarisch, worauf dieser Fonds setzt: auf gut kapitalisierte, profitable Institute, die von hohen Zinserträgen, disziplinierter Kostenkontrolle und umfangreichen Kapitalrückführungen an Aktionäre profitieren.
Spanien und Italien: Über die Hälfte des Fonds in nur zwei Ländern
Bei der Länderverteilung führt Spanien mit 30,6 Prozent, gefolgt von Italien mit 24,2 Prozent, was zusammen bereits über die Hälfte des Fonds ausmacht. Mit Frankreich und seinen 15,0 Prozent kommen die drei größten Länder sogar auf ziemlich genau 70 Prozent. Diese Konzentration ergibt sich direkt aus der Größe und Erholungskraft der jeweiligen nationalen Bankensektoren. Spanische und italienische Banken haben in den vergangenen Jahren besonders stark von hohen Zinsen, sinkenden Kreditausfällen und einer spürbaren Modernisierung ihrer Geschäftsmodelle profitiert, während in Italien zusätzlich eine breite Konsolidierungswelle mit mehreren großen Übernahmeangeboten die Kurse zusätzlich beflügelt hat. Wer in diesen Fonds investiert, geht dementsprechend eine konzentrierte Wette auf genau diese beiden südeuropäischen Bankensektoren ein, deren wirtschaftliche und politische Stabilität damit überproportionalen Einfluss auf die künftige Wertentwicklung des gesamten Fonds hat.
Warum die Rally schon 2023 begann, und ob die Bewertungen noch attraktiv sind
Bereits 2023 und 2024 legte der Fonds um jeweils etwas mehr als 30 Prozent zu, bevor 2025 mit 89,8 Prozent das mit Abstand stärkste Jahr folgte, laut Marktbeobachtern das beste Jahr der europäischen Bankenbranche seit 1997. Nach einem Jahrzehnt extrem niedriger Zinsen konnten Banken ihre Zinserträge seit der Zinswende 2022 kräftig steigern, während gleichzeitig viele Institute ihre Geschäftsmodelle digitalisiert, Kosten gesenkt und umfangreiche Aktienrückkäufe gestartet haben. Übernahmefantasien rund um Institute wie die Commerzbank oder die spanische Sabadell verstärkten die Rally zusätzlich. Nach Einschätzung der Schweizer Großbank UBS könnten Europas Banken allein 2026 und 2027 nochmals rund 30 Milliarden Euro zusätzlich aus Zinserträgen erzielen.
Ob die Bewertungen nach dieser außergewöhnlichen Rally noch attraktiv sind, lässt sich am Beispiel der beiden größten Positionen einordnen. Banco Santander wird aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 13 gehandelt, BBVA sogar nur mit etwa 11,5. Für europäische Großbanken weiterhin moderate Werte im Vergleich zum breiten Aktienmarkt, auch wenn das Bewertungsniveau naturgemäß deutlich über dem der Vorjahre liegt. Im laufenden Jahr liegt der Fonds nach acht Monaten außerdem bereits wieder bei fast 24 Prozent Rendite, was zeigt, dass sich der positive Trend bislang fortsetzt.
Warum die Risikokennzahlen deutlich über denen breiter gestreuter ETFs liegen
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre konstant über 20 Prozent, ein direktes Resultat der starken Kursbewegungen der vergangenen Jahre sowie der grundsätzlichen Zinssensitivität des Bankengeschäfts. Der maximale Kursrückgang der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 34,3 Prozent, seit Auflage sogar bei minus 64,0 Prozent, deutlich höher als bei breiter gestreuten Aktien-ETFs. Dieser hohe Wert erklärt sich mit der langen Historie des Fonds, die auch die europäische Staatsschuldenkrise der frühen 2010er-Jahre mit einschließt, als insbesondere südeuropäische Banken durch notleidende Staatsanleihen und faule Kredite extrem hart getroffen wurden. Für Anleger zeigt das eindrücklich, dass ein derart konzentriertes Investment in eine einzelne, zyklische Branche und Region auch nach mehrjährigen Boomphasen jederzeit wieder zu deutlichen Rückschlägen führen kann, sollte sich das wirtschaftliche oder politische Umfeld in Spanien, Italien oder Frankreich eintrüben.
Für welche Strategie sich dieser Eurozone-Banken-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die überzeugt sind, dass Eurozone-Banken auch künftig von attraktiven Zinserträgen, disziplinierter Kapitalrückführung und einer fortschreitenden Konsolidierung profitieren, und die diese Überzeugung gezielter als über einen breiteren, auch britische Institute einschließenden Finanzdienstleistungs-ETF abbilden möchten. Wegen der hohen Konzentration auf wenige Länder und einen einzelnen, zyklischen Sektor eignet sich der Fonds nicht als Grundbaustein, sondern ausschließlich als gezielte, spekulative Beimischung für risikobewusste Anleger mit langem Anlagehorizont, die auch nach der außergewöhnlichen Rally der vergangenen Jahre bereit sind, deutliche Rückschläge auszuhalten.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einen einzelnen Sektor und wenige Länder kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.
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